13 Marken stoppen Verkauf durch Galeria
25 Prozent auf alles: Mit dieser Aktion wirbt die Warenhauskette Galeria seit Anfang dieser Woche groß in ihren Schaufenstern. Neongelbe Schrift, pinker Hintergrund. Im Kleingedruckten liest man, dass gewisse Artikel ausgeschlossen sind. Manche Marken boykottieren die Rabattschlacht. Beim Gang durchs Geschäft zeigt sich dann, dass einige Hersteller den Handel ihrer Ware derzeit komplett untersagt haben.
13 Marken werden bei Galeria vorübergehend nicht verkauft. Das zeigt eine Recherche unserer Redaktion in den beiden Düsseldorfer Warenhäusern an der Königsallee und an der Schadowstraße. Betroffen sind zum Beispiel die für Bettwäsche, Handtücher und Bademäntel bekannten Hersteller Vossen und Bassetti sowie Heimtextilien der Marken Joop und Tommy Hilfiger. All deren Waren stehen zwar noch auf den Verkaufsflächen, sind aber mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Dazu ein Hinweisschild von Galeria: „Diese Marke steht vorübergehend nicht zum Verkauf.“
In der Haushaltsabteilung sind sechs Marken derzeit vom Handel ausgenommen: Zwilling, Fissler und Ballarini – bekannt für Messer, Töpfe und Pfannen – sowie Wenko (Badartikel), Design Letters (Tassen) und Remember (Deko). Hinzu kommen der Schuhhersteller Geox und die Modemarke Fynch-Hatton. Außerdem sind bei Galeria an der Schadowstraße viele Stoffe und Knöpfe von einem namentlich nicht genannten Hersteller derzeit unverkäuflich. Fragt man Verkäufer nach dem Grund, antworten sie mit einem Wort: Insolvenz.
Galeria hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung am 2. Oktober einen Insolvenzantrag am Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Damit steht das Unternehmen mit seinen bundesweit fast 12.000 Beschäftigten zum vierten Mal seit dem Jahr 2020 vor der Pleite. Die Folgen bekommen nun auch die Kunden in den Kaufhäusern zu spüren.
Zwar konnte der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus (Kanzlei KebekusPartner) erreichen, dass die Beschäftigten über das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit bis Ende des Jahres ihre Gehälter bekommen – und damit das laufende Weihnachtsgeschäft von Galeria gesichert ist. Doch mit einigen Lieferanten gab es bisher noch keine Einigung zu insolvenzrechtlichen Fragen, sagte Kebekus unserer Redaktion. Daher haben diese vorläufig den Verkauf ihrer Ware an einigen Standorten untersagt. Medien wie die „Saarbrücker Zeitung“ und „Bild“ hatten ebenfalls berichtet.
Den vorübergehenden Verkaufsstopp ihrer Ware haben die jeweiligen Hersteller selbst bei Galeria verhängt. Das erfährt man aus dem Umfeld des Kaufhauskonzerns. Die Beteiligten selbst äußern sich auf Anfrage nicht. Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, sagen sinngemäß: Im Gegensatz zu den meisten Artikeln bei Galeria befindet sich die Ware der 13 vom Verkaufsstopp betroffenen Marken nicht im Eigentum des Händlers, sondern im Eigentum der Hersteller.
Die deutsche Insolvenzordnung sieht für diesen Fall eine sogenannte Aussonderung vor. Dieses Recht ermöglicht den Lieferanten, ihre Ware – die sich zwar in ihrem Eigentum, aber im Bestand der Warenhäuser befindet – aus der Insolvenzmasse herauszulösen. Andernfalls droht die Gefahr, dass diese Ware zugunsten der Galeria-Gläubiger verwertet wird. Geltend machen lässt sich dieses Recht laut dem Onlineportal Schuldnerberatung.de beim vorläufigen Insolvenzverwalter. Genau das ist offenbar im Fall der 13 Marken geschehen.
Galeria-Kunden kennen solche vorläufigen Verkaufsstopps einzelner Hersteller schon von vorherigen Insolvenzen. Die gute Nachricht: Manchmal dauern diese nur wenige Tage an. Artikel der Marke Playmobil zum Beispiel waren noch am Montag dieser Woche in den Warenhäusern des Kaufhauskonzerns mit Flatterband abgesperrt. Seit Dienstagmorgen aber seien die beliebten Spielzeuge wieder verkäuflich, sagen mehrere Mitarbeiter von Galeria. Und tatsächlich zeigt sich in den Düsseldorfer Standorten an Schadowstraße und Kö: Die Absperrung ist entfernt, vom Hinweisschild für den Verkaufsstopp ist nur noch der Ständer übrig.