148-Meter-Koloss in China erzeugt Strom mit fallenden Gewichten
Neues Hubspeicher-Konzept
Turm in China erzeugt Strom mit fallenden Gewichten
Die Speicherung von Wind- und Solarenergie gilt als eine der größten Herausforderungen der Energiewende. Eine mechanische Alternative zu chemischen Batterien wird aktuell unter anderem in China erprobt - ein sogenannter Hubspeicher.
In der chinesischen Stadt Rudong wird seit 2024 ein neuartiger Energiespeicher betrieben, der ganz ohne Lithium-Batteriezellen auskommt – ein sogenannter „Hubspeicher“. Das System setzt auf physische Masse und die Schwerkraft, vom Prinzip her ähnlich wie ein Pumpspeicherkraftwerk.
Überschüssige Energie aus dem Stromnetz wird genutzt, um tonnenschwere Blöcke in einem 148 Meter hohen Turm nach oben zu transportieren. Bei Bedarf sinken diese Gewichte später wieder herab und erzeugen über Generatoren neuen Strom.
Wirkungsgrad von über 80 Prozent möglich
Die von der Schweizer Firma Energy Vault entworfene Anlage verfügt über eine Leistung von 25 Megawatt und kann über vier Stunden hinweg insgesamt 100 Megawattstunden Strom bereitstellen.
Testergebnisse bescheinigen der Anlage laut Energy Vault einen Wirkungsgrad von bis zu 83 Prozent. Damit läge die Technologie auf einem ähnlich hohen Niveau wie moderne klassische Pumpspeicherkraftwerke, überträfe diese beim Wirkungsgrad jedoch in der Regel nicht. Dennoch haben Hubspeicher im Vergleich mehrere Vorteile:
Geografische Unabhängigkeit: Pumpspeicher benötigen zwei große Wasserreservoirs und ein starkes natürliches Gefälle. Hubspeicher können auch in flachen Regionen errichtet werden.
Kein Wasserbedarf: In trockenen oder ariden Regionen steht meist kein Wasser für ein Pumpspeicherkraftwerk zur Verfügung.
Weniger Umwelteingriffe: Für Pumpspeicher müssen oft Täler geflutet und Landschaften stark verändert werden. Hubspeicher brauchen nur wenig Fläche.
Vorteile im Vergleich zu Batterien
Bei Hubspeichern treten im Gegensatz zu Batterien keine chemischen Selbstentladungen und kein Kapazitätsverlust über die Zeit auf. Auch die bei Wasserspeichern üblichen Verluste durch Verdunstung entfallen. Klassische Lithium-Ionen-Batterien haben dennoch den bisher höchsten Wirkungsgrad von 85 bis 98 Prozent.
Offen ist noch, wie die mechanischen Hebevorrichtungen, Motoren und Seilsysteme den stetigen mechanischen Verschleiß wegstecken. Zudem fehlen bislang unabhängige Langzeitdaten aus dem jahrelangen Regelbetrieb, um die versprochene Lebensdauer der Maschinen von mindestens 35 Jahren zu bestätigen. Mit Hubspeicher-Lösungen wird auch in Europa und den USA experimentiert, allerdings bisher meist ohne nachhaltige Erfolge.
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Kleines Kraftwerk