15 Knowledge-Hubs erleichtern die Studiensuche
Mit fünfzehn Knowledge-Hubs betreibt „Monitor Versorgungsforschung“ sich ständig aktualisierende Rechercheportale für das deutsche Gesundheitswesen. Über alle Hubs hinweg sind inzwischen 1.189 deutschsprachige und internationale Fachdatenbanken, Studienregister, Institutionen und Wege zum Volltext an einem Ort erreichbar. Zum Zweiten hat jeder Hub seinen eigenen täglichen Newsletter: Die Suchergebnisse werden täglich aktualisiert und von einer KI kuratiert, so dass jeden Morgen eine neue Studienauswahl mit deutscher Zusammenfassung dazukommt – ausgewählt nach Übertragbarkeit auf Deutschland.
>> Im August hat das Fachmagazin „Monitor Versorgungsforschung“ allen Ver‑ sorgungsforscher:innen und sich selbst ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk zum 20. Publikationsjahr (2027) gemacht: die Knowledge-Hubs unter knowledge-hubs.m-vf.de. Damals waren es zwölf Rechercheportale. Es sind jetzt fünfzehn – und die drei neuen sind anders gebaut als alle bisherigen.
Zwei Arten von Hubs
Die ersten zwölf folgen einem Versorgungsthema quer durch alle Krankheitsbilder: wie gepflegt, geimpft, digitalisiert und entschieden wird. Ausgewählt wird, was das Versorgungsgeschehen verändert – unabhängig davon, um welche Erkrankung es geht.
Die neuen folgen einem Krankheitsgebiet. Sie lesen die Kernzeitschriften des Fachs und zeigen klinische wie Grundlagenforschung; Versorgungsforschung ist darin eine Rubrik, nicht der Maßstab. Den Anfang machte Onkologie, es folgten Diabetes und Kardiologie; Adipositas ist mit demselben Zuschnitt dazugekommen. Damit stehen elf Themen- und vier Indikationsportale nebeneinander.
Die Trennung ist keine Formsache, sie ändert die Auswahl: Ein Themen-Hub fragt, was die Versorgung verändert; ein Indikations-Hub, was das Fach bewegt. Dieselbe Studie kann im einen aufscheinen und im anderen nicht.
Die elf Themen-Hubs, alfabetisch:
• Digitalisierung, KI & Gesundheit: digitale Anwendungen und Künstliche Intelligenz in der Versorgung – gesucht wird zugleich in medizinischen Zeitschriften und in der Informatik-Konferenzliteratur.
• Geschlechtersensible Medizin: Geschlecht als Einflussgröße bei Diagnostik, Dosierung und Zugang – und ob ein Unterschied aus der Biologie stammt oder nicht.
• Gesundes Altern & Longevity: Lebensspanne und gesunde Lebensjahre, von der Prävention über die Geriatrie bis zu Alternskohorten.
• Gesundheitskompetenz: verständliche Gesundheitsinformation, Entscheidungshilfen und Patientenbeteiligung – und wer nicht erreicht wird.
• Hitze, Klima & Gesundheit: Extremwetter und Klimawandel und was sie für Versorgung und Bevölkerungsgesundheit bedeuten, mit eigener Rubrik für Umweltmessdaten.
• Impfen & Impfprävention: Impfquoten, Impfbereitschaft und was die Durchimpfung hebt, mit Meldedaten und Registen.
• Nicht übertragbare Krankheiten/NCD: die Versorgung chronisch Kranker, dazu Programme, Leitlinien und die Frage, was in der Fläche ankommt.
• Patientensicherheit: vermeidbarer Schaden – Behandlungs- und Medikationsfehler, Krankenhausinfektionen, Sepsis und das Behandlungsfehlerrecht.
• Pflege & Langzeitversorgung: Langzeitpflege und die Lage der Pflegenden, dazu Expertenstandards und Einrichtungsvergleiche.
• Psychische Gesundheit: Zugang, Wartezeiten, gemeindenahe Angebote und Zwang – nicht, ob Behandlung wirkt, sondern wer sie rechtzeitig erreicht.
• Versorgungsforschung: Health Services Research in ihrer ganzen Breite – der erste Hub der Reihe.
Die vier Indikations-Hubs:
• Adipositas: Gewichtsmanagement, Arzneimitteltherapie und Chirurgie – und die Frage, wer die Behandlung bezahlt, wenn § 34 SGB V sie von der Leistungspflicht ausschließt.
• Diabetes: Typ 1 und Typ 2, Folgeerkrankungen, Glukosetechnik und Disease-Management-Programme, aus rund dreißig Kernzeitschriften.
• Kardiologie: Herz und Kreislauf aus rund 35 Kernzeitschriften, von „Circulation“ bis „Clinical Research in Cardiology“ – von allen Hubs der mit dem höchsten Europabezug.
• Onkologie: Krebsforschung und Krebsversorgung aus rund dreißig Kernzeitschriften, von „Lancet Oncology“ bis „Nature“.
Ein Suchbegriff, viele Quellen
Das Prinzip ist in allen Hubs dasselbe und bewusst schlicht. Unsere Nutzer:innen geben oben im Suchfeld einen Begriff ein, etwa „Primärversorgung“, „Hitzeaktionsplan“ oder „Gebrechlichkeit“, und drücken auf den goldenen Button „In allen Datenbanken suchen“ (Schritt 1). Damit stellen sich sämtliche Datenbankkacheln der Seite auf diesen Begriff ein: Ein Klick auf eine Kachel öffnet die fertige Trefferliste in einem neuen Tab, ohne erneute Eingabe. Das gilt allerdings nur für Datenbanken, die sich für eine Live-Suche eignen.
Die fünfzehn Hubs erschließen zusammen 1.189 Datenbanken. Davon unterstützen 563 die Direktsuche und sind als „Live-Suche“ gekennzeichnet. Die übrigen führen als „Portal“ nur auf die Startseite des Anbieters, weil dieser keine verlinkbare Trefferadresse erlaubt, oder sie sind lizenzpflichtig – der Zugang läuft dann über die eigene Bibliothek oder Einrichtung, da Scopus, Web of Science, Embase oder CINAHL einen institutionellen Zugang voraussetzen. Das erspart die Enttäuschung, hinter einer vermeintlichen Suche auf einer Bezahlschranke zu landen. Ob eine Kachel wirklich eine Live-Suche trägt, wird nicht vermutet, sondern geprüft: Jede Adresse wird vor der Aufnahme zweimal abgerufen, einmal mit einem echten Begriff, einmal mit einem Phantasiewort. Kommt beide Male dieselbe Seite zurück, gilt sie als „Portal“.
Neben dem goldenen Button steht als Schritt 2 die rote Schaltfläche „Treffer direkt anzeigen“. Ein Klick, und der Hub befragt gleichzeitig die Datenbanken, die einen direkten Zugriff auf ihre Inhalte erlauben. Das sind derzeit sieben: PubMed, Europe PMC, OpenAlex, Crossref, DOAJ, ClinicalTrials.gov und Zenodo. Gezeigt werden die Fundstellen zusammengeführt, 25 je Blatt. Jeder Eintrag nennt die Datenbank, aus der er stammt, Dubletten werden über die DOI zusammengelegt, und gibt es eine legale frei zugängliche Fassung, führt ein Verweis zum Volltext. Die Liste lässt sich als Word-, Excel-, RIS- oder BibTeX-Datei herunterladen. Denn: Die Trefferliste ist ein Einstieg, keine vollständige Recherche.
Im deutsch-englischen Glossar sind inzwischen 2.273 Suchbegriffe hinterlegt. Das erzeugt eine enorme Sucherleichterung für alle Nutzer:innen: Wer einen deutschen Fachbegriff eingibt, sucht in internationalen Datenbanken automatisch mit dem Ausdruck, unter dem diese tatsächlich indexieren, während deutschsprachige Quellen den deutschen Begriff behalten. Fehlt eine Übersetzung, wird eine E-Mail erzeugt, mit der man den bisher fehlenden Begriff der Redaktion vorschlagen kann.
Naturgemäß berühren sich die Suchräume der einzelnen Portale, womit sich Überschneidungen ergeben: Je nach Hub liegen 3 bis 28 Prozent der gefundenen Arbeiten auch im Feld eines anderen. Doch: Der obere Wert betrifft allein Gesundheitskompetenz und KI, ohne den KI-Hub reicht die Spanne nur bis 13 Prozent. In der täglichen Auswahl schlägt das kaum durch: Von 976 bisher ausgelieferten Studien erschienen nur 34 in mehr als einem Hub.
Radar, Karriere, Rückmeldung
Ergänzend gibt es ein Ausschreibungsradar: eine Übersicht offener Förderausschreibungen, gegliedert in dieselben fünfzehn Gebiete. Es liegt zentral im Hub „Versorgungsforschung“ (wissen.m-vf.de/ausschreibungen.html), und jeder andere Hub zeigt auf seiner Startseite, wie viele Ausschreibungen sein Gebiet gerade betreffen. Gesucht wird zweimal pro Woche bei foerderinfo.bund.de, der DFG und – international – auf grants.gov; aufgenommen wird nur Forschungsförderung.
Unter demselben Dach liegt seit Kurzem der CuratioHub, ein Karriere- und Jobportal für Versorgungsforschung, Public Health und Medizin: ein Begriff, und die Suche läuft in den durchsuchbaren Stellenmärkten.
Und: Die Knowledge-Hubs sind als lebendes Angebot angelegt: Themenfelder und Quellenliste lassen sich erweitern. Eine Recherchehilfe ist nur so gut wie die Praxis, aus der heraus sie mitgestaltet wird. Rückmeldungen bitte an [email protected].
Übrigens: Bei MVF ist der gesamte Content dank der finanziellen Unterstützung unseres Herausgeberbeirats (s. Seite 3) seit vielen Jahren open access verfügbar. Danke!
Derzeit werden für alle Hubs Sponsoren und Medienpartner gesucht. Mailen Sie dazu bitte an die Chefredaktion von MVF: Peter Stegmaier unter [email protected].