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152 Jobs in Gefahr

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75 Jahre Tradition, 680 Mitarbeiter – jetzt ist ein großer Autozulieferer insolvent

Von: Marcel Reich

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Seit 75 Jahren produziert das Familienunternehmen Aluminiumteile. Nun muss sich der Autozulieferer unter einem Schutzschirm sanieren.

München – 75 Jahre lang hat die Familie Schüle in Schwäbisch Gmünd Aluminium gegossen – für Autos, Heizungen und inzwischen auch für die Medizintechnik. Nun hat das Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet. 152 Arbeitsplätze am Stammsitz auf der Ostalb stehen auf dem Spiel. Das Amtsgericht Aalen hat am 18. September ein Schutzschirmverfahren angeordnet.

Die Julius Schüle Druckguss GmbH stellt Aluminiumdruckgussteile vor allem für die Automobilindustrie her. An drei Standorten beschäftigt die Gruppe insgesamt rund 680 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2025 bei rund 110,9 Millionen Euro. Die Tochtergesellschaften in Polen und der Slowakei sind von dem Insolvenzverfahren nicht betroffen.

Autozulieferer Schüle meldet Insolvenz an

Das Unternehmen hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das bedeutet: Die Geschäftsführung bleibt im Amt und steuert die Sanierung selbst. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht dabei die Interessen der Gläubiger.

„Ich bedauere, dass wir den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen mussten“, erklärte Geschäftsführer Michael Eidecker. Er sei zugleich zuversichtlich, dass die bereits begonnene Restrukturierung „konsequent fortgeführt und zu einem erfolgreichen Abschluss“ gebracht werden könne. Ziel sei es, das Unternehmen für die kommenden Jahre wettbewerbsfähig aufzustellen.

Unterstützung erhält die Geschäftsführung von Rechtsanwalt Martin Mucha. Der Stuttgarter Anwalt der Kanzlei Grub Brugger tritt als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen ein. Schüle sei „personell und technisch sehr gut aufgestellt“, agiere jedoch „in sehr schwierigen Märkten“, erklärte Mucha

.Zeitnah soll nun die Suche nach einem geeigneten Investor starten. Der Geschäftsbetrieb soll währenddessen uneingeschränkt fortgesetzt werden.

Suche nach Investor soll zeitnah beginnen

Die Löhne und Gehälter der 152 Beschäftigten am Stammsitz sind bis einschließlich November über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Ob die Arbeitsplätze darüber hinaus erhalten werden können, hängt vom Verlauf der Sanierung und der Investorensuche ab.

Als vorläufiger Sachwalter wurde Arndt Geiwitz von SGP Schneider Geiwitz bestellt. Er überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger.

Verluste verdoppelten sich innerhalb eines Jahres

Die wirtschaftlichen Probleme reichen bereits mehrere Jahre zurück. 2023 verzeichnete die Julius Schüle Druckguss GmbH einen Verlust von 4,8 Millionen Euro. Im Jahr 2024 verdoppelte sich das Minus auf 9,6 Millionen Euro. Schon damals hatte das Unternehmen einen Stellenabbau am Stammsitz angekündigt. Rund 40 Arbeitsplätze standen auf der Kippe.

Die Insolvenz kommt deshalb nicht völlig überraschend. Bereits 2024 hatte Schüle mit einer Restrukturierung begonnen und Teile der Produktion stärker auf die Standorte in Polen und der Slowakei ausgerichtet.

Als Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage nennt das Unternehmen mehrere Faktoren: den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch Anbieter aus Niedriglohnländern, bestehende Überkapazitäten sowie rückläufige Absatzmengen und sinkende Margen. Besonders stark betroffen ist das Geschäft mit der Automobilindustrie.

Hinzu kämen verschlechterte geopolitische Rahmenbedingungen, die die wirtschaftliche Lage zusätzlich belasteten.

Schüle produziert auch für Heizungen und Medizintechnik

Die Julius Schüle Druckguss GmbH wurde 1951 gegründet und ist bis heute familiengeführt. Das Unternehmen hat sich auf Aluminiumdruckguss spezialisiert und produziert vor allem Komponenten für die Automobilindustrie.

In den vergangenen Jahren versuchte Schüle allerdings, die Abhängigkeit vom Autogeschäft zu reduzieren. Das Unternehmen beliefert auch Hersteller von Heizungssystemen. Seit 2025 fertigt Schüle zudem Teile für die Medizintechnik.

Ob diese Diversifizierung ausreicht, um einen Investor zu überzeugen und den Stammsitz langfristig zu sichern, ist derzeit offen.

Autozulieferer-Insolvenzen bleiben auf hohem Niveau

Schüle steht mit seinen Problemen nicht allein. Die deutsche Autozulieferindustrie steckt seit Jahren in einer tiefgreifenden Krise. Eine Analyse auf Basis größerer Zulieferunternehmen zählte für 2025 bundesweit 59 Insolvenzen bei Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz. Für 2026 werden erneut mehr als 60 Fälle erwartet.

Die Ursachen ähneln sich häufig: schwache Abrufe der Autohersteller, hoher Kostendruck, teure Energie, Transformation zur Elektromobilität und zunehmend starke Konkurrenz aus Asien. Gerade mittelständische Zulieferer verfügen dabei meist über weniger finanziellen Spielraum als große Fahrzeughersteller.

Für viele Betriebe wird die Investorensuche dadurch schwieriger. Potenzielle Käufer müssen nicht nur den heutigen Betrieb finanzieren, sondern zugleich Investitionen in neue Technologien und Produkte stemmen.

AE Group fand trotz langer Suche keinen Investor

Wie schwierig sich gerade im Aluminiumdruckguss Käufer finden lassen, zeigt das Beispiel der AE Group. Der Zulieferer produzierte ebenfalls Aluminium-Druckgussteile für die Automobilindustrie und suchte nach seiner Insolvenz intensiv nach einem Investor.

Am Ende fand sich keine tragfähige Lösung. Die Werke in Gerstungen und Nentershausen stellten Ende 2025 die Produktion ein. Rund 650 Beschäftigte verloren ihre Arbeitsplätze.

Auch dort galten hohe Energie- und Rohstoffkosten, schwache Nachfrage und schwierige Marktbedingungen als Belastungsfaktoren.

Auch ROKU Mechanik stellt Betrieb ein

Nur wenige Kilometer von Schüle entfernt scheiterte zuletzt ein weiteres Sanierungsverfahren. Der Zerspanungsspezialist ROKU Mechanik aus Unterschneidheim stellt seinen Geschäftsbetrieb zum Jahresende 2026 vollständig ein. Rund 145 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze.

Auch ROKU war in Eigenverwaltung gegangen und hatte intensiv nach einem Investor gesucht. Nach Angaben des Unternehmens stand man sogar zweimal kurz vor einem Abschluss. Am Ende scheiterten die Gespräche jedoch an der schwierigen Auftragslage. (Quellen: Julius Schüle Druckguss GmbH, Grub Brugger, Amtsgericht Aalen, Schwäbische Post) (mare)

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