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16 Fluten in zwei Jahren: Was das Mittelalter über Hochwasser heute verrät

Wissenschaft

Magdalenenflut Was uns die Fluten des Mittelalters über den Hochwasserschutz lehren Stand: 13.08.2026 17:27 Uhr Hochwasser kommt manches Mal in Serie: Das zeigt ein Blick zurück ins Mittelalter. Ein Forschungsteam unter Beteiligung des Leipziger Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) hat rekonstruiert, dass Europa zwischen 1341 und 1343 von 16 großen Fluten getroffen wurde. Die Ergebnisse sind auch für heute relevant: Beim Hochwasserschutz wird bislang kaum berücksichtigt, dass mehrere Extremereignisse kurz hintereinander auftreten können. Die Magdalenenflut vom Juli 1342 galt lange als das schwerste Hochwasser in Mitteleuropa im vergangenen Jahrtausend. Doch diese Jahrhundertflut war offenbar kein einzelnes Ereignis, sondern Höhepunkt einer ganzen Serie von Flutkatastrophen. Eine neue Analyse eines internationalen Forschungsteams zeigt, dass es innerhalb von nur zwei Jahren – zwischen dem Winter 1341/42 und dem Ende des Jahres 1343 – zu insgesamt 16 großen Hochwassern in Teilen Europas kam. Vier Jahrtausendfluten in nur zwei Jahren Vier dieser Flutereignisse waren dabei besonders groß, so das Forschungsteam. Mit statistischen Wiederkehrperioden von 500 bis 1.000 Jahren gelten sie als "Jahrtausendfluten". Das seien neben der Magdalenenflut auch die von den Forschenden benannte Lichtmess-, die Jakobs- und die Bartholomäusflut gewesen. Das Jahr 1342 sei sogar das mit den meisten und stärksten Hochwassern in den vergangenen 700 Jahren gewesen. Das Forschungsteam kann die Katastrophen-Serie mit mehr als 1.000 Einträgen aus historischen Originalquellen belegen. Chroniken, Rechnungsbücher, Urkunden und Briefe bezeugten die Hochwasser. An der Auswertung war auch ein Mittelalterspezialist des Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas beteiligt, geleitet wurde die Untersuchung von Forschenden der Universität Wien. Mitteldeutschland besonders schwer betroffen Den Forschenden ist es gelungen, genau zu rekonstruieren, welche Regionen Europas wann betroffen waren. Und dieses Bild belege, dass zwar nicht alle Fluten gleich verheerend und an verschiedenen Orten gewesen seien, aber alle miteinander verbunden waren. Dennoch wurden manche schlimmer getroffen als andere: Besonders dramatisch waren die Hochwasser demnach in Mitteldeutschland und dem östlichen Mitteleuropa. In Prag etwa hatte die Moldau die steinerne Judithbrücke mitgerissen – die Vorgängerin der berühmten Karlsbrücke. Die Elbe dagegen zerstörte Brücken in Dresden und Meißen und in Bautzen fiel die Spreebrücke den Fluten zum Opfer. Auch in Thüringen ein ähnliches Bild: Hier wurden in Erfurt Brücken über die Gera und bei Vacha, Meiningen und Eisenach über die Werra zerstört. Europaweit habe die beispiellose Flutserie viele Tausend Opfer gekostet. Lehren für den modernen Hochwasserschutz Aber wie kam es zu der Serie an Hochwassern? Die Forschenden sehen dafür mehrere Faktoren, die in dieser Zeit zusammengekommen sein könnten: So ereigneten sich um 1340 weltweit gleich mehrere größere Vulkanausbrüche und über einige Jahre gab es einen Rückgang des arktischen Meereises. Dadurch hätten sich die Luftströmungen über Europa so verändert, dass die Bedingungen für extremen, langanhaltenden Regen besonders günstig waren. Hochwasser treten nicht einfach zufällig ein wie Lottogewinne, sondern können statistisch und ursächlich zusammenhängen. Prof. Günter Blöschl, TU Wien Bis heute ist die Magdalenenflut im kollektiven Gedächtnis geblieben, bilanzieren die Forschenden. Denn sie sei unter anderem mit Hochwassermarken und Gedenktafeln festgehalten worden. Die anderen Flutkatastrophen seien jedoch über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Dabei liefert die Serie wichtige Erkenntnisse für den heutigen Hochwasserschutz: Sie zeige, dass Hochwasser statistisch nicht unabhängig voneinander sind, bilanziert das Forschungsteam. Bisher würden solche Sequenzen mehrerer Extremhochwasser binnen weniger Monate im Risikomanagement aber kaum berücksichtigt. Durch den Klimawandel würden sie aber künftig immer wahrscheinlicher. (PM/kie)

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