DAX +0,58 % 25.612,03 Pkt 18:00:00 MDAX -0,55 % 32.216,66 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,53 % 6.344,40 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,02 % 52.208,06 Pkt 22:56:30 S&P 500 +0,12 % 7.437,63 Pkt 22:44:35 Nasdaq +0,99 % 25.122,18 Pkt 23:15:59 Nikkei +3,91 % 64.288,52 Pkt 07:57:45 Gold +0,77 % 4.131,50 USD 08:02:29 Silber -0,47 % 58,54 USD 08:02:29 Brent -2,28 % 87,00 USD 07:34:03 WTI -2,21 % 81,74 USD 08:02:43 Bitcoin -0,63 % 64.315,14 USD 08:12:45 EUR/USD +0,44 % 1,15180 USD 08:12:23 EUR/GBP -0,22 % 0,85590 GBP 08:12:51 EUR/CHF -0,42 % 0,92880 CHF 08:12:51 EUR/JPY -1,37 % 184,697 JPY 08:12:51

1860-Präsident Mang im exklusiven Interview

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Startseite Sport TSV 1860 1860-Präsident Mang im exklusiven Interview: „Dieser Zusammenhalt ist einzigartig“ Von: Luca Hartmann Uns auf Google folgen Nach dem Zwangsabstieg steht der TSV 1860 München vor dem Neustart in der Regionalliga. Präsident Gernot Mang spricht vorab im Exklusiv-Interview mit Absolut Sechzig. München – Vor zwei Monaten stand der TSV 1860 am Abgrund, am Samstag beginnt bei Mitabsteiger Schweinfurt die neue Regionalliga-Saison. Präsident Gernot Mang (56) spricht im Interview über 75-Stunden-Wochen, mehr als 6500 verkaufte Dauerkarten und den Neustart unter Trainer Alper Kayabunar. Herr Mang, gefühlt lag 1860 gerade noch am Boden. Jetzt geht‘s mit Schwung in die Regionalliga. Haben Sie manchmal selbst Mühe zu glauben, was in diesen Wochen passiert ist? Ich bin überwältigt. Wir haben uns von einem Tiefpunkt Schritt für Schritt hochgearbeitet. Was die gesamte Abteilung, das Präsidium, das Vereinsmanagement, die Ehrenamtlichen und die Fans geleistet haben, ist unglaublich. Dieser Zusammenhalt macht mir große Freude. Wie arbeitsreich waren diese Wochen für Sie persönlich? Sehr arbeitsreich. Das waren teilweise 60, 70 oder 75 Stunden in der Woche – mit entsprechend wenig Schlaf. Was war der schwierigste Moment? Überhaupt wieder auf die Beine zu kommen und alle Bausteine zusammenzuführen. Sehr wichtig war die Vereinbarung mit Insolvenzverwalter Max Liebig und der KGaA. Dadurch konnten wir auf Teile der Infrastruktur und auf Mitarbeiter zurückgreifen. Erst auf dieser Grundlage konnten wir Spieler verpflichten, die Stadionfrage klären und mit Sponsoren sprechen. Wann waren Sie überzeugt, dass der Neustart gelingt? Als wir den Kooperationsvertrag gekündigt haben. Für mich war klar: Das ist der richtige Weg. Nicht der einfache, aber der einzig richtige. Sind Sie auf diese Entscheidung stolz? Stolz ist nicht das passende Wort. Niemand wollte die vierte Liga, niemand wollte diese Situation. Wir mussten sie annehmen. Es war nicht einfach, am 3. Juni vor die Öffentlichkeit zu treten und den Zwangsabstieg zu verkünden. Aber danach war klar, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Wir mussten diesen Schritt im Sinne des Vereins gehen. Mit jeder Verpflichtung ist die Euphorie gewachsen. Zum öffentlichen Training kamen am Mittwoch mehr als 1000 Fans. Überrascht Sie diese Begeisterung? Ich bin beeindruckt, hatte am Mittwoch fast Tränen in den Augen. Das zeigt, was für eine außergewöhnliche Fangemeinschaft dieser Verein besitzt. Dieser Zusammenhalt ist einzigartig in Deutschland. Dafür kann ich nur immer wieder Danke sagen. Auch der Dauerkartenverkauf läuft außergewöhnlich. Wir hatten nach eineinhalb Tagen bereits mehr als 6500 Dauerkarten verkauft. Viele Fans kaufen zum zweiten Mal eine Dauerkarte, nachdem sie schon für die geplante Drittliga-Saison bezahlt hatten. Das ist alles andere als selbstverständlich. Droht die Euphorie angesichts der steigenden Erwartungen auch zur Last zu werden? Nein, sie gibt uns Rückenwind. Sie zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Fans uns vertrauen. Das ist für uns zusätzlicher Ansporn, noch besser und erfolgreicher zu arbeiten. Müssen Sie nun doch den Aufstieg als Saisonziel ausrufen? Wir müssen erst einmal in dieser Liga ankommen. Mit Schweinfurt auswärts und Augsburg II zu Hause haben wir gleich zwei sehr schwere Gegner. Unsere junge Mannschaft, gemischt mit erfahrenen Spielern, muss sich erst finden. Das kann drei, vier oder fünf Spiele dauern. Danach schauen wir Schritt für Schritt weiter. Der Aufstieg ist also nicht das offizielle Ziel? Nein. Unser Ziel war zunächst, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Das ist uns gelungen. Mit dieser Mannschaft wollen wir oben mitspielen. Trainer Alper Kayabunar hat den Neuaufbau innerhalb weniger Wochen bewältigt. Warum haben Sie ihm das Vertrauen geschenkt? Er hat es sich verdient. Er ist mit der U21 von der Bayernliga in die Regionalliga aufgestiegen, und rund zwei Drittel des heutigen Teams kennt er bereits. Zwischen ihm und den Spielern besteht großes Vertrauen. Er hat eine hervorragende Ansprache und kann sehr gut mit der Mannschaft umgehen. Ich bin überzeugt, dass daraus eine große Geschichte werden kann. Samuel Althaus hat zuletzt nicht regelmäßig mit der Mannschaft trainiert. Streikt er sich weg? Nein. Samuel besitzt einen hervorragenden Charakter. Er war gesundheitlich angeschlagen, das wurde in den vergangenen Tagen auch dokumentiert. Kann er trotz des kolportierten Interesses von Preußen Münster bleiben? Versprechen kann ich gar nichts. Was erwarten Sie von jungen Spielern wie Althaus, Loris Husic oder Emre Erdogan, die bereits Drittliga-Erfahrung besitzen? Ich hoffe, dass sie bei uns bleiben. Sie sind ein Teil von 1860, kennen den Verein und werden von den Fans geliebt. Obwohl sie selbst erst 19 oder 20 Jahre alt sind, können sie noch jüngere Spieler mitnehmen. Gemeinsam mit erfahrenen Kräften wie Florian Niederlechner oder Dennis Dressel sollen sie Verantwortung übernehmen. Die Routiniers müssen die Jungen fordern, fördern und auch einmal in den Arm nehmen. Hasan Ismaik hat sich am Mittwochabend zu Wort gemeldet. Er kritisiert, dass der Verein über neue Investoren spreche, während seine Vermögenswerte und Rechte angeblich ignoriert würden. Können Sie seine Irritation nachvollziehen? Überhaupt nicht. Wir ignorieren weder Rechte noch Vermögenswerte. Diese Themen liegen beim vorläufigen Insolvenzverwalter. Außerdem haben wir bewusst auf das bisherige Löwen-Logo verzichtet, um gerade keinen rechtlichen Konflikt heraufzubeschwören. Seine Aussagen sind für mich nicht nachvollziehbar. Ismaik klingt nicht wie jemand, der sich kampflos zurückziehen wird. Auf wie viel juristische Gegenwehr stellen Sie sich ein? Wir stellen uns darauf ein. Was konkret kommt, kann ich aber nicht beurteilen. Wie groß ist Ihre Sorge, dass sich die Auseinandersetzungen über Jahre hinziehen? Auch dann wird der sportliche und wirtschaftliche Erfolg des Vereins im Vordergrund stehen. Für die juristischen Fragen gibt es Fachleute. Aber natürlich stelle ich mir die Frage: Warum hat HI die Lizenz nicht bezahlt? Warum hat er die Darlehen gekündigt? Warum ist er seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen? Es soll internationale Unternehmen geben, die sich für die vorinsolvente KGaA interessieren. Wissen Sie davon? Nein. Es ist die Aufgabe des Insolvenzverwalters, mit möglichen Interessenten und Investoren zu sprechen. Das gehört zu seinem Auftrag. Bislang liegt aber nichts Konkretes auf dem Tisch. Auf der Mitgliederversammlung klangen Sie erleichtert, dass das Investorenmodell der Vergangenheit angehört. Sind Investoren für Sie nun grundsätzlich ausgeschlossen? Man muss zwei Dinge unterscheiden. Dieses Investorenmodell, das wir hatten, ist Geschichte. Es hat nicht funktioniert und ist gescheitert. Etwas anderes sind strategische Partnerschaften, die aus einer Position der Stärke heraus geschlossen werden und dem Verein beispielsweise bei der Infrastruktur helfen. Wären also auch Beteiligungen wieder denkbar? Bei einem wirklich strategischen Partner könnte man über sieben, acht, neun oder zehn Prozent sprechen. Aber niemals wieder über ein Modell, bei dem sich der Verein in eine existenzielle Abhängigkeit begibt oder ein Investor 60 Prozent hält. Der Verwaltungsrat lehnt einen neuen Investor bislang kategorisch ab. Das Thema steht derzeit überhaupt nicht auf der Agenda. Wir haben jetzt die Chance, den Verein aus eigener Kraft wieder nach oben zu führen – mit steigenden Erlösen aus Ticketing, Sponsoring und Merchandising. Erstmals fließen zudem die Einnahmen aus dem Trikotverkauf vollständig in unsere eigene Budgetplanung ein. Wenn wir wirtschaftlich vernünftig, diszipliniert und kostenbewusst handeln, bin ich überzeugt, dass dieser Weg erfolgreich sein kann. Können Sie diese Saison so finanzieren, dass am Ende kein Minus steht? Das ist ganz klar unser Ziel. Wenn wir 100 Euro einnehmen, können wir nicht 101 Euro ausgeben. Im besten Fall geben wir 95 Euro aus und behalten fünf Euro übrig. Genau dieses Denken muss sich bei 1860 verändern. Was ist die wichtigste Lehre aus den vergangenen 15 Jahren? Wir brauchen eine mehrjährige Planung und müssen unsere Einnahmen und Ausgaben realistisch gegenüberstellen. Wir dürfen nicht mehr dauerhaft mehr Geld ausgeben, als wir besitzen. In der Vergangenheit wurden riesige Defizite produziert und Spieler verpflichtet, die der Verein nicht bezahlen konnte. Das darf sich nicht wiederholen. Kann der Neustart auch den lange zerstrittenen Verein wieder zusammenführen? Ich sehe den Verein nicht grundsätzlich als zerstritten. Es gab immer unterschiedliche Lager, die durch den Konflikt zusätzlich angefeuert wurden. Jetzt gehen wir einen gemeinsamen Weg. Das kann nur miteinander funktionieren. Fehlt Ihnen das traditionelle Löwen-Wappen? Natürlich fehlt es mir. Das neue Logo ist schön, aber wir müssen Respekt vor dem traditionellen Löwen haben. Kommt er eines Tages wieder auf die Brust? Ja. Allerspätestens 2031. Was wird es für ein Gefühl, wenn am Samstag in Schweinfurt endlich wieder der Ball rollt? Ich freue mich wahnsinnig darauf, dass wir wieder in den Pflichtspielbetrieb einsteigen. Und es ist ein schönes Gefühl, dass die Mannschaft erstmals seit vielen Jahren wieder unter der alleinigen Verantwortung des e.V. antritt. Jetzt steht tatsächlich wieder der Verein im Vordergrund. Mal angenommen, Sie steigen direkt wieder auf: Wäre die neue Konstruktion drittligatauglich? Ja, das muss sie sein. Aber jetzt sollten wir erst einmal diese Saison beginnen. Was wünschen Sie sich, dass die Menschen in zehn Jahren über den 3. Juni 2026 sagen? Dass er nicht als Schwarzer Mittwoch, sondern als Tag des Aufbruchs in Erinnerung geblieben ist. So sollte man diesen Tag eines Tages sehen.

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