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200.000 Jobs in Gefahr: Deutschlands Autobranche hat ein gewaltiges Problem

Wirtschaft

Roland-Berger-Studie prognostiziert massiven Stellenabbau bis 2030. Die Werke sind nur zu 60 Prozent ausgelastet, die Fertigung doppelt so teuer wie in China.

Der deutschen Autoindustrie droht ein Jobabbau in gewaltigem Ausmaß. Bis 2030 dürften bei Herstellern und Zulieferern mindestens 200.000 Arbeitsplätze wegfallen, prognostiziert die Unternehmensberatung Roland Berger.

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Statt etwa 692.000 Vollzeitstellen im Jahr 2025 blieben dann nur rund 490.000 übrig. Schon seit 2020 ist die Zahl der Vollzeitstellen von 771.000 gesunken. Fast jede dritte Stelle wäre weg, und zwar selbst im günstigen Fall.

Die Roland-Berger-Studie "Germany’s automotive reset" verteilt den Abbau auf 90.000 direkte Arbeitsplätze, 95.000 Stellen in indirekten Funktionen und 15.000 Managementposten. Schieben Unternehmen nötige Entscheidungen auf, könnte es noch mehr Stellen treffen.

Platz für sechs Millionen Autos, gebaut werden vier

Im Kern geht es um leere Fabriken. 2015 liefen hierzulande 5,9 Millionen Fahrzeuge vom Band, 2025 waren es nur noch rund 4,2 Millionen.

Die Werke könnten etwa 6,4 Millionen pro Jahr bauen. Die Fabriken der deutschen Hersteller waren 2025 also nur zu rund 60 Prozent ausgelastet, profitabel arbeiten sie allerdings erst ab 75 bis 80 Prozent.

Rechnerisch gibt es mindestens fünf Werke zu viel. Von 20 Fahrzeugwerken sollen bis 2030/35 weniger als 15 übrig bleiben. Dass die alten Stückzahlen zurückkehren, erwarten die Berater nicht.

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Dazu kommen die Kosten. Ein Auto in Deutschland zu fertigen kostet 3500 bis 5000 Euro, an einem besonders günstigen europäischen Standort nur 2000 bis 2500 Euro. Industriestrom kostet hierzulande laut Studie 130 bis 150 Euro pro Megawattstunde, in den USA 50 bis 70 und in China 45 bis 65 Euro.

Chinesische Hersteller bauen ihre Fahrzeuge insgesamt rund 30 Prozent günstiger. Das lasse sich "durch Markenstärke allein nicht mehr ausgleichen", sagt Roland-Berger-Senior-Partner Felix Mogge.

Für ein neues Modell brauchen deutsche Hersteller 48 bis 60 Monate, chinesische E-Auto-Bauer 18 bis 24. In China schrumpfte der Marktanteil der Deutschen von 21 Prozent im Jahr 2018 auf 14 Prozent 2025. Chinesische Marken stiegen in Europa im selben Zeitraum von 0,1 auf 5,2 Prozent der Neuzulassungen, für 2030 erwartet die Studie 12,1 Prozent.

Was hinter der Zahl steckt

Woher die Zahl 200.000 kommt, legt Roland Berger nur grob offen: Die Studie ordnet sie vier Treibern zu – 50.000 Stellen fallen durch die sinkende Produktion weg, 25.000 durch den wachsenden E-Auto-Anteil, 60.000 durch Produktivitätsgewinne und 70.000 durch die Konsolidierung von Standorten.

Die Berater nennen Markt-, Unternehmens- und Branchendaten sowie eigene Berechnungen, veröffentlichen aber weder Rechenmodell noch Einzeldaten oder Bandbreiten. Unabhängig nachrechnen lässt sich die Prognose so nicht.

Gezählt werden außerdem Vollzeitäquivalente, also rechnerische Vollzeitstellen: Zwei halbe Stellen ergeben eine volle. Es müssen also nicht zwangsläufig 200.000 Menschen ihren Job verlieren.

Unklar bleibt auch, wie die Beschäftigtengruppen abgegrenzt sind und ob sich die Managementposten mit den übrigen Gruppen überschneiden.

Rezepte der Berater

Roland Berger rät, Entwicklungszeiten auf 24 bis 30 Monate zu verkürzen und schwach ausgelastete Werke umzunutzen oder geordnet zu schließen. Den Anteil von Software und Elektronik an Entwicklungsbudgets und -personal sollen die Hersteller bis 2028 von rund 25 auf mehr als 50 Prozent steigern.

Senior Partner Sebastian Gundermann plädiert für Innovationscluster und Qualifizierung. Zudem sollen Genehmigungen schneller werden, und der Staat soll Weiterbildungsprogramme für jährlich 50.000 bis 80.000 Beschäftigte in Software, Batterie, Robotik und KI unterstützen.

Die Branche steht bereits unter Druck. Volkswagen hat fast alle Haustarifverträge gekündigt. Laut der EY-Analyse zur Halbjahresbilanz sank das operative Ergebnis von VW, Mercedes-Benz und BMW um 19 Prozent auf 13 Milliarden Euro.

Noch härter trifft es die Zulieferer: Die durchschnittliche Ebit-Marge der fünf führenden traditionellen deutschen Zulieferer brach laut Roland Berger von 6,9 Prozent im Jahr 2018 auf 0,7 Prozent 2025 ein.

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