DAX +1,75 % 26.039,68 Pkt 18:00:00 MDAX +0,99 % 30.798,65 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,64 % 6.207,07 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,07 % 52.342,56 Pkt 21:33:51 S&P 500 -0,03 % 7.720,39 Pkt 21:32:46 Nasdaq -1,11 % 26.184,73 Pkt 21:52:55 Nikkei +1,10 % 64.659,47 Pkt 07:45:03 Gold -0,39 % 4.035,80 USD 21:42:46 Silber -2,20 % 52,28 USD 21:42:54 Brent -3,24 % 111,58 USD 21:42:32 WTI +0,10 % 102,88 USD 21:42:32 Bitcoin -2,89 % 78.920,60 USD 21:52:52 EUR/USD +0,50 % 1,11860 USD 21:52:46 EUR/GBP -0,05 % 0,83570 GBP 21:52:55 EUR/CHF -0,09 % 0,92150 CHF 21:52:56 EUR/JPY +0,31 % 176,336 JPY 21:52:56

200.000 Klagen offen - 90 Prozent der abgelehnten Asylbewerber ziehen vor Gericht

Welt

BERLIN. Die Zahl der unerledigten Asylverfahren an deutschen Gerichten hat einen neuen Höchststand erreicht. Zum 15. August dieses Jahres waren bundesweit 196.315 Verfahren anhängig, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger hervorgeht.

Mitte Januar hatten noch 191.566 Verfahren auf eine Entscheidung gewartet. Innerhalb von sieben Monaten wuchs der Rückstau damit um 4.749 Fälle.

Besonders auffällig ist die hohe Klagebereitschaft abgelehnter Asylbewerber. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung wurden zwischen Januar und November 2025 insgesamt 100.642 Asylanträge als unbegründet abgelehnt. Gegen 90.522 dieser Entscheidungen wurde geklagt. Das entspricht einer Quote von 89,9 Prozent. Im Jahr 2024 waren es noch 88,4 Prozent, 2023 lediglich 58,8 Prozent gewesen. Werden auch andere negative Entscheidungen berücksichtigt, darunter offensichtlich unbegründete und unzulässige Asylanträge, ergibt sich eine Klagequote von 70,9 Prozent. Insgesamt wurden im untersuchten Zeitraum 149.995 Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gerichtlich angefochten. Das entspricht 52 Prozent aller Entscheidungen. Die Zahlen stammen aus einer Bundestagsdrucksache, die auf einer Anfrage der Linksfraktion beruht.

In Sachsen dauern Asylklagen fast zwei Jahre

Die hohe Zahl der Verfahren belastet zunehmend die Verwaltungsgerichte. Nach Jahren sinkender Bearbeitungszeiten hat sich die Entwicklung inzwischen umgekehrt. Im ersten Halbjahr 2026 dauerten Asylklageverfahren durchschnittlich 15,3 Monate. Für 2025 hatte die Bundesregierung noch 14,3 Monate angegeben, wobei die Dezemberdaten damals fehlten.

Zum Vergleich: 2021 mussten Betroffene durchschnittlich 26,5 Monate auf eine gerichtliche Entscheidung warten. Bis 2024 war die Dauer auf 16,7 Monate zurückgegangen. Dieser Trend zu kürzeren Verfahren hat sich inzwischen nicht fortgesetzt.

Besonders groß sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Sachsen dauerten Asylklagen im ersten Halbjahr durchschnittlich 20,4 Monate, in Niedersachsen waren es 20 Monate. Deutlich schneller entschieden die Gerichte in Rheinland-Pfalz mit durchschnittlich 9,2 Monaten und Bayern mit 10,7 Monaten. Rheinland-Pfalz hatte 2023 allerdings noch eine Verfahrensdauer von lediglich fünf Monaten erreicht.

Bamf entscheidet schneller, Gerichte werden langsamer

Der zunehmende Rückstau fällt in eine Zeit, in der das Bamf seine eigenen Bearbeitungszeiten wieder verkürzen konnte. Während Asylverfahren bei der Bundesbehörde 2025 durchschnittlich 12,2 Monate dauerten, waren es im ersten Halbjahr 2026 noch 11,3 Monate. Bei den Verwaltungsgerichten ist dagegen eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten.

Nicht jede Klage richtet sich gegen die vollständige Ablehnung eines Asylantrags. Auch Menschen, denen bereits subsidiärer Schutz gewährt wurde, ziehen vor Gericht, um einen weitergehenden Schutzstatus zu erhalten. Dieser kann beispielsweise für den Familiennachzug von Bedeutung sein. Für subsidiär Schutzberechtigte ist dieser derzeit grundsätzlich ausgesetzt.

Die Linken-Abgeordnete Bünger verwies darauf, dass im vergangenen Jahr vermehrt Asylanträge von Menschen aus Ländern wie Iran, Russland, Afghanistan und der Türkei abgelehnt worden seien. In diesen Staaten habe sich die Menschenrechtslage teilweise verschlechtert. Nach ihren Angaben korrigierten die Gerichte etwa jeden zweiten überprüften Asylbescheid zu iranischen Antragstellern.

Der Deutsche Richterbund hatte bereits zu Jahresbeginn vor einer wachsenden Belastung der Verwaltungsgerichte gewarnt und zusätzliches Personal gefordert. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die Lage trotz rückläufiger Asylanträge bislang nicht entspannt hat. Während das Bamf seinen Rückstand bei der Bearbeitung von Anträgen abbaut, warten an den Gerichten weiterhin fast 200.000 Asylverfahren auf eine Entscheidung. (rr)

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren