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23.000 Euro Miete: Kult-Laden in München lohnt sich nicht mehr

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23.000 Euro Miete: Kult-Laden in München lohnt sich nicht mehr – „Haben drei Jahre lang verhandelt“

Von: Susanne Sasse

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Lederwaren Hetzenecker ist eines der ältesten Geschäfte in der Münchner Innenstadt. Jetzt muss Hans Döbert eine weitere Filiale schließen. Die Miete ist zu hoch.

München – Lederwaren, Koffer: Die leuchtenden Aufschriften am Stachus-Rondell am Geschäft Hetzenecker kennt jeder Münchner. Kein Wunder, Hetzenecker gibt es seit 1934. Vor 55 Jahren hat Hans Döbert (74) die Filiale am Stachus übernommen. Damals war er noch Student, in Münchens Innenstadt gab es rund 25 Lederwarengeschäfte. Döbert kannte das Lederwaren-Geschäft von zu Hause in der Nähe von Offenbach, wo die Eltern eine Reptilleder-Manufaktur betrieben. Die gibt es längst nicht mehr.

„Jetzt ist Schluss“: Hetzenecker-Filiale in der Neuhauser Straße schließt

Hans Döbert hat in der Folge die Münchner Geschäftswelt geprägt. Derzeit betreibt er vier Filialen – noch. Weil der Freistaat als Vermieter nicht mit sich reden lasse, so erzählt er es, gibt er Ende des Jahres die Filiale an der Neuhauser Straße 2 im sogenannten Augustinerblock auf. „Wir haben drei Jahre lang verhandelt. Vergebens. Jetzt ist Schluss“, sagt Döbert.

Nach 31 Jahren in dem imposanten Haus, das auch das Jagd- und Fischereimuseum beherbergt, eröffnete Döbert 1995 hier eine Filiale seines Lederwaren- und Koffergeschäftes „Hetzenecker“ in einem der zehn Ladengeschäfte unter markanten Rundbögen zur Fußgängerzone hin.

Erst vor fünf Jahren ließ er innen modernisieren und umbauen, investierte 250.000 Euro. „Aber nun mache ich mit dieser Filiale zwischen 180.000 und 250.000 Euro Verlust pro Jahr“, sagt Döbert. Denn für den Laden im Augustinerblock zahle er monatlich 23.000 Euro Miete – für rund 160 Quadratmeter Verkaufsfläche und rund 30 Quadratmeter Nebenflächen. „Normalerweise sind die Personalkosten und die Mietkosten pro Monat ungefähr gleich hoch, aber hier ist das Verhältnis aus dem Lot geraten“, sagt Döbert: „Mit 15.000 Euro Monatsmiete könnte ich gut weitermachen, aber nicht mit einer Monatsmiete, bei der ich jedes Jahr Verluste mache.“

Online-Handel und Flagship-Stores: Für die Geschäfte in der Innenstadt wird es immer schwieriger

Bei großen Unternehmen sei das anders. Konzerne können sich teuerste Mieten leisten, um ihre Produkte in Musterfilialen in Bestlage zu präsentieren – die sogenannten Flagship Stores. „Denen kommt es nicht darauf an, dass sie mit dem Laden selbst ein Plus machen“, sagt Döbert. In seinen Ladengeschäften dagegen ist der Umsatz maßgeblich. Seine wichtigste Strategie, um neben dem Online-Handel zu bestehen: „Wir schauen, dass wir auch immer ein paar Euro günstiger sind als im Internet.“

Aber nicht nur der Online-Handel macht ihm zu schaffen: „Uns fehlen die konsumfreudigen Touristen aus China, Russland und arabischen Ländern, die früher für viel Umsatz gesorgt haben.“ Damit eine Innenstadt attraktiv bleibt, braucht es einen Mix aus Neuem und Altem, findet Döbert: „Wenn sich Fachgeschäfte und kleine Einzelhändler nicht mehr halten können, sehen irgendwann alle Innenstädte gleich aus.“

Bei den anderen drei Hetzenecker-Filialen am Stachus, an der Sendlinger Straße 33 und jener am Isartor sei es den Vermietern – alle Privateigentümer – wichtig, eine langfristige Geschäftsbeziehung zu ermöglichen, betont Döbert. „Es wird hart verhandelt, aber in schwierigen Zeiten auch darauf geachtet, verlässlich Mieteinnahmen zu generieren.“

Wegen Umbau bleibt der Laden vermutlich erst einmal leer

Er hätte sich gefreut, wenn ihm der Freistaat nach seiner Kündigung noch den Januar mietfrei zum Ausräumen gewährt hätte, aber das war nicht drin. Auf die Anfrage der tz antwortete der Vermieter, das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, nur: „Zu Vertragsdetails mit Dritten geben wir prinzipiell keine Auskünfte.“

Was Döbert besonders ärgert: Vermutlich werde das Ladengeschäft an der Neuhauser Straße 2 erst einmal lang leerstehen, man habe einen größeren Umbau angekündigt. „Das kann sich kein Privatmann leisten, einen Laden auch mal ein Jahr lang leer stehen zu lassen“, sagt Döbert.

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