26 Tage krank durch massiven Burnout-Anstieg
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Psychische Erkrankungen: AOK-Bericht deckt sorgenvolle Zahlen auf – drei Berufsgruppen im Fokus
Von: Maximilian Kettenbach
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Psychische Erkrankungen führen in Unternehmen zu immer längeren Ausfällen. Besonders zwei Gruppen sind laut AOK-Fehlzeiten-Report betroffen.
Psychische Erkrankungen in deutschen Unternehmen häufen sich. Damit verbunden sind vielfach lange Fehlzeiten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nach Auswertungen des „Fehlzeiten-Reports“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) entfielen im vergangenen Jahr durchschnittlich 470 Fehltage wegen psychischer Diagnosen auf 100 AOK-versicherte Beschäftigte. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 292 Tagen – das entspricht einem Anstieg um rund 60 Prozent.
Deutlich längere Ausfallzeiten als bei körperlichen Leiden
Wer seelisch erkrankt, fällt im Schnitt deutlich länger aus als bei den meisten körperlichen Diagnosen. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung wegen psychischer Probleme liegt bei rund 26 Tagen. Der Vergleich mit anderen Krankheitsbildern verdeutlicht die Dimension:
Psychische Erkrankungen: ca. 26 Tage je Fall
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: ca. 18 Tage je Fall
Muskel- und Skeletterkrankungen: ca. 16 Tage je Fall
Akute Atemwegsinfekte: ca. 6 Tage je Fall
Besonders rasant entwickelt sich die Burnout-Diagnose: Hier verdoppelte sich die Zahl der registrierten Ausfalltage binnen weniger Jahre von 8 auf 16 Tage je 100 Versicherte.
Erziehung, Pflege und Callcenter besonders stark belastet
Besonders gravierend ist die Situation in Berufsfeldern mit hoher sozialer und emotionaler Interaktion. Zu den am stärksten betroffenen Berufsgruppen zählen:
Dialogmarketing und Callcenter
Erziehungswissenschaft und Kinderbetreuung
Alten- und Krankenpflege
In diesen Berufen wirken gleich mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig, wie Rene Bethke, Leiter des betrieblichen Gesundheitsmanagements bei der AOK Sachsen-Anhalt, erläutert: „Hohe emotionale Anforderungen, Verantwortung für andere Menschen und ein hohes Arbeitspensum in Kombination mit begrenzter Kontrolle über Arbeitsabläufe und oftmals unzureichende soziale Unterstützung wirken sich in häufigeren und längeren Fehlzeiten aus.“ Hinzu kämen wirtschaftliche Verunsicherung und Sorgen um den Erhalt des Arbeitsplatzes.
Dass die Belastung kein rein regionales Phänomen ist, belegen auch netzwerkweite Erhebungen: Wie Berichte über Fehlzeiten am Arbeitsplatz auf Rekordniveau zeigen, kletterten die Krankenstände auch in Hessen zuletzt auf historische Höchstwerte. Seelische Erkrankungen sind dabei der entscheidende Treiber für Langzeitausfälle von mehr als sechs Wochen.
Was Unternehmen und Führungskräfte jetzt tun müssen
Krankenkassen und Arbeitsmarktexperten sehen die Arbeitgeber in der Pflicht. Die Verantwortung für die mentale Gesundheit dürfe nicht allein auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Entscheidend sei die Gestaltung der Arbeitsbedingungen, so Bethke: „Gute Arbeit bietet Sicherheit, Zugehörigkeit, Struktur und Selbstwirksamkeit.“
Studien zum Fehlzeiten-Report zeigen zudem einen klaren Zusammenhang zwischen Führungskultur und Gesundheit: Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung und Vertrauen in die Unternehmensführung weisen deutlich weniger Fehltage auf. Weitere Hintergründe dazu, welche Berufe von seelischen Leiden am stärksten betroffen sind und wie Betriebe gegensteuern können, unterstreichen die Bedeutung präventiver Angebote.
Gewerkschaften fordern vor diesem Hintergrund verstärkt verbindliche gesetzliche Leitplanken – darunter eine verbindliche Anti-Stress-Verordnung sowie konsequente psychische Gefährdungsbeurteilungen in allen Betrieben.