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30 Jahre nach dem Mord: Wird der Fall Tupac Shakur nun endlich gelöst?

Unterhaltung

Der Mord an Tupac Shakur gilt als einer der rätselhaftesten Kriminalfälle der Popgeschichte. Nun könnte ein Prozess nach fast 30 Jahren endlich Antworten liefern: Erstmals steht ein Tatverdächtiger vor Gericht. 7. September 1996, Las Vegas: Vorbei am MGM Grand Hotel und dem Caesars Palace bahnt sich ein Konvoi aus Luxus-Karossen seinen Weg durch die von Leuchtreklamen erhellte Nacht. Angeführt wird der Tross von einem schwarzen BMW 750. Passanten erkennen ihn sofort, den Mann auf dem Beifahrersitz: Es ist Tupac Shakur, eine der größten Rap-Ikonen aller Zeiten. Tödliche Schüsse an der Kreuzung Fans machen Fotos, bitten um Autogramme. An einer belebten Kreuzung kommt die Kolonne schließlich zum Stehen. Dass rechts neben dem schwarzen BMW ein weißer Cadillac hält, bemerkt der Rap-Star in diesem Moment wohl nicht. Er flirtet gerade mit einem Auto voller Frauen auf der linken Fahrspur, so schildert es die "Los Angeles Times". Dann reckt sich eine Hand aus dem geöffneten Fenster des Cadillacs. Sie hält eine halbautomatische Pistole – und drückt ab. Vier Kugeln treffen Tupac Shakur, laut "AP News" mindestens zwei in die Brust. Dieser Moment markierte nicht nur das Ende eines der ausdrucksstärksten Rap-Poeten aller Zeit, er war auch der Beginn zahlreicher Theorien und Spekulationen. Der Tod von Tupac Shakur ist bis heute einer der berüchtigtsten ungeklärten Mordfälle der USA. Mit Duane "Keefe D" Davis steht ab dem 10. August 2026 nun erstmals ein Tatverdächtiger vor Gericht. Wird der Mord an Tupac Shakur endlich aufgeklärt? Aufstieg einer Rap-Legende Am 16. Juni 1971 wurde Tupac Shakur als Lesane Parish Crooks in New York geboren. Ein Jahr nach seiner Geburt wurde er offiziell in Tupac Amaru Shakur umbenannt, eine Anspielung auf einen indigenen Freiheitskämpfer. Der Spross einer Familie aus "Black Panther"-Aktivisten wuchs in schwierigen Vierteln der Bronx, Harlems und Baltimores auf. Sein kreatives Talent zeigte sich jedoch früh: 1986 wurde er an der Baltimore School for the Arts aufgenommen. 1991 unterschrieb er seinen ersten Soloplattenvertrag. Was folgte, war ein kometenhafter Aufstieg. Die Bilanz: fünf Nummer-eins-Alben, sechs Grammy-Nominierungen, dazu parallel eine Schauspielkarriere. Über 75 Millionen verkaufte Tonträger – zu Lebzeiten und posthum – machen ihn zu einem der einflussreichsten Rapper aller Zeiten: einem Poeten aus dem Ghetto, der die Straße zur Kunstform erhob. Doch das "Ganovenleben", von dem er in seinen Songs rappte, ließ er trotz des Erfolgs nie ganz hinter sich. Gewalt und Gefängnis Immer wieder geriet Tupac in den folgenden Jahren in gewalttätige Auseinandersetzungen und mit dem Gesetz in Konflikt. 1995 wurde er unter anderem wegen sexueller Nötigung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Davon saß er rund 12 Monate ab: Der Chef von Death Row Records, Marion "Suge" Knight, streckte laut "Los Angeles Times" die 1,4 Millionen Dollar hohe Kaution vor. Im Gegenzug wechselte Tupac zu seinem Plattenlabel. Death Row Records beschäftigte neben zahlreichen Künstlern auch mehrere Mitglieder der Straßengang Piru Bloods als Bodyguards, wie die "Los Angeles Times" berichtet. Sie begleiteten Tupac Shakur am 7. September 1996 demnach auch zum Boxkampf Mike Tyson gegen Bruce Seldon im MGM Grand Hotel. Auf der anschließenden Feier entdeckte einer der Leibwächter den jungen Orlando Anderson in der Menge, ein Mitglied der rivalisierenden Southside Crips. Seit Jahrzehnten führten die Gangs einen erbitterten Bandenkrieg gegeneinander. Shakur und seine Entourage gingen auf den damals 21-Jährigen los. Er ging zu Boden, noch bevor die Hotel-Security eingreifen konnte. Die Prügelattacke soll kaum 30 Sekunden gedauert haben – doch sie war laut Anklage vom September 2023 der Auslöser für das Attentat, das sich wenige Stunden später nahe dem Las Vegas Strip ereignen sollte. Sechs Tage Kampf ums Überleben "Es ging alles so schnell. Es dauerte höchstens drei oder vier Sekunden", sagte der Rapper EDI Mean, der im BMW hinter Shakur saß, laut "Los Angeles Times" über das Attentat. Auch Plattenboss Knight, der am Steuer des Wagens saß, wurde nach Informationen von "AP News" durch Splitter am Kopf verletzt. Polizisten trafen am Tatort ein und riefen einen Krankenwagen. "Fuck you", waren "hiphop.de" zufolge Tupacs letzte Worte, bevor er ins Universitätsklinikum von Las Vegas transportiert wurde. Chirurgen entfernten den rechten Lungenflügel des Rappers, um die inneren Blutungen zu stoppen. Doch sein Zustand verschlechterte sich: Am 13. September 1996, sechs Tage nach der Schießerei, starb Tupac Shakur im Beisein seiner Mutter. Er wurde 25 Jahre alt. Gerüchte und Verschwörungstheorien Orlando Anderson wurde später nur einmal von der Polizei befragt. Nachweisen konnte sie ihm nichts. "Wenn sie all diese Beweise gegen mich haben, warum haben sie mich dann nicht verhaftet?", fragte er laut "Los Angeles Times" ein Jahr nach der tödlichen Schießerei. "Es ist offensichtlich, dass ich unschuldig bin." Jahre vergingen, ohne dass es zu einer Verhaftung oder Anklage kam – eine Leerstelle, die mit Spekulationen und Verschwörungstheorien gefüllt wurde. Eine besagt, Marion "Suge" Knight – der den Angriff überlebte – habe den Mord in Auftrag gegeben, um aus dem Tod des Rappers Profit zu schlagen. Einer anderen hartnäckigen Legende zufolge hat Shakur seinen Tod nur vorgetäuscht, um dem Druck des Ruhms zu entfliehen. Was hatte Notorious B.I.G. mit dem Mord zu tun? Sehr populär ist auch die Theorie, dass der Rapper Notorious B.I.G. Auftraggeber des Mordanschlags gewesen sei. Aus den einstigen Freunden waren im Laufe der Jahre erbitterte Feinde geworden. Öffentlich überzogen sie sich mit Drohungen und Disstracks. B.I.G. soll der Gang Southside Crips eine Million Dollar für den Mord geboten haben, behaupteten Zeugen. Rund ein halbes Jahr nach Tupac Shakur wurde auch Notorious B.I.G. Opfer eines Mordanschlags: Er wurde am 9. März 1997 in Los Angeles in einem Fahrzeug erschossen, als dieses an einer Ampel zum Stehen kam. Auch dieser Fall wurde bislang nicht aufgeklärt. Die Parallelen sind verblüffend – einen Zusammenhang herzustellen, liegt nahe. Belege für diese Behauptung oder eine Mittäterschaft von Notorious B.I.G. gibt es jedoch nicht. Die Memoiren des "Keefe D" Bewegung kam erst in den Fall, als sich Duane "Keefe D" Davis öffentlich äußerte: In seinen Memoiren "Compton Street Legend" aus dem Jahr 2019, in denen er sein Leben als Anführer der Southside Crips in Compton schildert, bezichtigte er sich laut "CBS News" selbst: Er habe die Pistole vom Kaliber .40 besorgt und sie Orlando Anderson auf dem Rücksitz eines Cadillacs übergeben. In späteren Vernehmungen soll Davis ausgesagt haben, dass Anderson der Schütze gewesen sei. Auszüge aus den Gesprächen wurden im Buch "Murder Rap: The Untold Story of the Biggie Smalls & Tupac Shakur Murder Investigations" des ehemaligen LAPD-Detectives Greg Kading verwendet und in der Doku "Sean Combs: The Reckoning" abgespielt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft habe Davis den Mord orchestriert und die Tatwaffe bereitgestellt – aus Rache für die Prügelattacke im MGM Grand. Davis droht lebenslange Haft Am 29. September 2023 wurde Anklage gegen Duane Davis erhoben. Seit fast drei Jahren sitzt der mittlerweile 63-Jährige nun in Haft. Im Juli 2026 entschied ein Richter, dass die Aufzeichnungen von Davis' polizeilicher Vernehmung vor Gericht als Beweismittel zugelassen werden. Sein Verteidiger argumentiert, dass die Gespräche vertraulich gewesen seien und nicht gegen ihn hätten verwendet werden dürfen. Doch das werden sie nun. Davis ist die einzige noch lebende Person, die sich in jener Nacht wohl im weißen Cadillac befand – und der Einzige, der sich in diesem Fall wohl je vor Gericht verantworten muss. Orlando Anderson wird nie vor Gericht stehen. Der Mann, der die tödlichen Schüsse abgefeuert haben soll, starb bereits 1998 – erschossen bei einer weiteren Bandenschießerei, die laut Polizeiangaben nichts mit dem Fall Tupac Shakur zu tun hatte. Empfehlungen der Redaktion Ex-Prinz Andrew könnte offenbar königliches Begräbnis bekommen "Bad Boys 4": Will Smith und Martin Lawrence ballern sich ins Free-TV Perez Hilton muss sich Operation unterziehen Aufklärung nach 30 Jahren? "Ich weiß, dass viele Menschen auf diesen Tag gewartet haben", sagte Steve Wolfson, Bezirksstaatsanwalt von Clark County, Nevada, laut "Los Angeles Times" 2023 auf einer Pressekonferenz, nachdem Anklage gegen Duane Davis erhoben worden war. Im Falle einer Verurteilung muss Davis laut "AP News" mit einer lebenslangen Haftstrafe ohne Bewährung rechnen. Der Prozess, der am 10. August 2026 startet, soll voraussichtlich vier Wochen dauern – das Urteil könnte also exakt an jenem Tag fallen, an dem sich die tödlichen Schüsse in Las Vegas zum 30. Mal jähren. Dann erhalten Fans vielleicht endlich eine rechtskräftige Antwort auf die Frage, wer für den Tod der Rap-Ikone Tupac verantwortlich ist.

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