30 Jahre Nokia 9000 Communicator: Der stille Vorreiter des Smartphones
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Am 15. August 2026 jährt sich die Einführung des Nokia 9000 Communicator zum 30. Mal. Das Gerät kam 1996 auf den Markt und verband Mobiltelefon, E-Mail-Terminal, Internetzugang und Bürocomputer. Was heute selbstverständlich wirkt, war Mitte der 1990er-Jahre ein technischer Vorgriff auf die Smartphone-Ära und das mobile Arbeiten. Als der Nokia 9000 Communicator erschien, wurden Handys meist zum Telefonieren und für kurze Textnachrichten genutzt. Nokias Gerät sollte deutlich mehr leisten. Nach dem Aufklappen zeigte sich eine QWERTZ-Tastatur mit großem Display. Nutzer konnten E-Mails schreiben, Faxe senden, Kontakte pflegen und Termine organisieren. Auch Internetzugang gehörte zum Konzept. Viele Büros verfügten damals noch nicht einmal über regelmäßigen Onlinezugang, Smartphones waren kaum vorstellbar. Leicht war der Communicator nicht. Er wog fast ein halbes Kilogramm und war knapp vier Zentimeter dick, bot dafür aber zentrale Computerfunktionen mobil an. Der Preis lag zum Start bei 2700 D-Mark. Dafür gab es Mitte der 1990er-Jahre auch einen gebrauchten Kleinwagen oder einen guten Heim-PC mit Monitor. Inflationsbereinigt entspricht die Summe heute rund 2500 Euro. Beliebt war das Gerät deshalb vor allem bei Managern und Geschäftsreisenden. Ein Smartphone, bevor der Begriff alltäglich wurde Der Nokia Communicator gilt heute als wichtiger Vorläufer moderner Smartphones . Die Idee war klar: ein Mobiltelefon , das weit mehr kann als telefonieren. Die Reihe bot Kalender, Adressverwaltung, E-Mail-Zugang, Webbrowser und später die Möglichkeit, zusätzliche Anwendungen zu installieren. Auch frühe Formen von Multitasking waren vorhanden. Damit übernahm das Gerät Aufgaben, die zuvor meist Laptop oder Desktop-PC erforderten. Das Klappdesign wurde zum Markenzeichen. Geschlossen wirkte der Communicator wie ein Handy, geöffnet erinnerte er an einen kleinen Laptop . Nokia entwickelte das Konzept weiter. Der 1999 erschienene Nokia 9110 wurde leichter, kompakter, ausdauernder und bot erstmals erweiterbaren Speicher. Mit dem Nokia 9210 begann 2001 eine neue Phase. Ein Farbdisplay und Symbian als Betriebssystem schufen die Basis für leistungsfähigere Anwendungen. Vom Vorreiter zum Ende einer Gerätefamilie Die Modelle 9500 und 9300 machten das Konzept zur mobilen Arbeitsstation. WLAN, MMS, EDGE-Datenübertragung und Kameras erweiterten die Funktionen. Vor allem der Nokia 9500 galt Anfang der 2000er-Jahre als eines der technisch anspruchsvollsten Mobiltelefone seiner Zeit. Den Höhepunkt erreichte die Reihe 2007 mit dem Nokia E90. Er bot UMTS, HSDPA, WLAN, GPS und eine leistungsfähige Kamera. Gleichzeitig endete damit eine Ära. Nokia führte die Communicator-Idee in die Business-Reihe Eseries über und löste sich schrittweise vom Namen. Ein Massenprodukt war der Communicator nie. Seine Bedeutung lag darin, dass er schon in den 1990er-Jahren die Richtung der Branche erkennen ließ. E-Mail unterwegs, digitale Terminplanung, Internetzugang und mobile Büroanwendungen wurden in einem Gerät gebündelt. Das Büro für die Hosentasche wurde greifbar. Auch Microsoft zeigte Interesse an dem ungewöhnlichen Konzept. Der Communicator wurde dadurch zum Symbol für die Zukunft mobilen Arbeitens. Dauerhaft behaupten konnte Nokia die Führungsrolle aber nicht. Die Geräte blieben teuer und stark auf Geschäftskunden ausgerichtet. Konkurrenten wie Blackberry setzten auf einfachere und stärker vernetzte Lösungen. Der Wendepunkt kam 2007 mit dem Apple iPhone . Apple setzte auf einen großen Touchscreen und ein universelles Bedienkonzept für breitere Zielgruppen. Nokia reagierte zu spät und verlor binnen weniger Jahre seine Spitzenposition.