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300 Menschen erleben Himmelsschauspiel

Wissenschaft

innsalzach24-de Innsalzach Region Waldkraiburg Unterreit Im Schatten des Mondes: 300 Menschen erleben Sonnenfinsternis in Oberreith Von: Raphaela Lohmann Uns auf Google folgen Familien auf Picknickdecken, lange Schlangen vor den Teleskopen und ein Himmel, der sich langsam verändert: In Oberreith haben rund 300 Menschen die partielle Sonnenfinsternis verfolgt. Für viele war es ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt. Oberreith/Landkreis Mühldorf – Egal, wohin man blickt, überall dasselbe Bild: Die Blicke gehen an diesem Abend immer wieder nach oben. Auf der Wiese vor dem Wildpark Oberreith sitzen Familien auf Picknick-Decken, Freunde haben sich Campingstühle mitgebracht, Kinder laufen über das Gelände und spielen Fußball. Dazwischen warten Besucher geduldig in unterschiedlichen Schlangen. Ihr Ziel: Eines der zehn Teleskope oder eines der mehreren Ferngläser, durch die sich die partielle Sonnenfinsternis besonders eindrucksvoll beobachten lässt. Rund 300 Schaulustige sind nach Oberreith gekommen. Viele von ihnen hatten sich spontan dazu entschieden, an der Sternwarte das Himmelsschauspiel zu verfolgen. Mandy Barchanski ist mit ihrer Familie rechtzeitig in Oberreith. „Hier gab es noch Brillen und wir waren frühzeitig hier. Ansonsten gab es ja keine Brillen mehr.“ Die Sonnenfinsternis 1999 hatte sie wegen Wolken nicht gesehen, dieses Mal passt alles. „Wenn das Wetter schon mal mitmacht, das ist hier ja auch ein schönes Ambiente.“ Die Schutzbrillen sind heiß begehrt und längst vor der Sonnenfinsternis alle verkauft. Wer keine mehr ergattert hat, kann auf eine andere Möglichkeit zurückgreifen. Die Teleskope und Ferngläser des Vereins sind alle mit Schutzfolien ausgestattet und ermöglichen einen sicheren Blick auf die Sonne. „Da ist eindeutig eine Ecke weg“, sagt eine Beobachterin. Es ist gegen 19.30 Uhr. Der Mond hat gerade begonnen, sich langsam vor die Sonne zu schieben. Familien, Freunde, Paare – sie alle haben es sich auf der Wiese bequem gemacht, blicken durch ihre Brillen immer wieder nach oben. An den Teleskopen bilden sich derweil lange Schlangen. Geduldig warten die Besucher, bis sie an der Reihe sind, um einen genaueren Blick auf die Sonne zu erhaschen. Durch das Teleskop zeigt sich die Veränderung besonders deutlich: Nicht nur ein Stück der Sonne fehlt bereits. Auch die Sonnenstürme am Rand der Sonnenscheibe sind zu erkennen. Während die Schutzbrillen in den Geschäften ausverkauft waren, hat der Verein „Astronomie im Chiemgau“ noch welche zum Verkauf. Dass diese knapp werden würden, zeichnete sich bereits Stunden zuvor ab. „Wir haben nicht mit so vielen Besuchern gerechnet, aber befürchtet“, sagt Vereinsvorsitzender Thomas Hilger. Bereits um 15 Uhr ist er zum Aufbau vor Ort, ab 16 Uhr kommen die ersten Besucher. Zunächst kann er sie noch wegschicken, doch dann wird der Andrang zu groß. „Ich musste deutlich früher als geplant anfangen müssen, die Brillen zu verkaufen.“ Die Veranstaltung selbst war gar nicht über Monate geplant. Viele Mitglieder hatten ursprünglich zur Sonnenfinsternis andere Pläne, erst in den vergangenen Wochen ist die Entscheidung gefallen. Für den Verein ist das Thema ohnehin ein besonderes: Gegründet wurde er 1998 mit Blick auf die totale Sonnenfinsternis im darauffolgenden Jahr. „Uns gibt es wegen der Sonnenfinsternis“, sagt Hilger, der damals Gründungsmitglied war. Heute stellt der Verein zehn Teleskope und mehrere Ferngläser zur Verfügung, bei den Schutzbrillen wird kurzerhand improvisiert. Spontan schließen sich Besucher zu größeren Gruppen zusammen, um sich die Brillen zu teilen. „Das war dann wirklich toll, einfach dieses Gemeinschaftsgefühl, das entsteht“, sagt Hilger. Für ihn ist die Sonnenfinsternis mehr als nur eine Gelegenheit, die Sternwarte bekannt zu machen. „Ich versuche, die Begeisterung zu vermitteln“, erzählt er. Gerade bei besonderen Ereignissen gehe es ihm um Emotionen und das Gemeinschaftserlebnis: Menschen würden gemeinsam beobachten, Fragen stellen und Begeisterung teilen. Auch Familie Teymouri kennt das Problem mit den Schutzbrillen. Zehn Tage zuvor hatte sie welche bestellt, geliefert werden sie allerdings erst nächste Woche. Ihre Nachbarn haben sie auf die Aktion der Sternwarte hingewiesen. Für Tochter Minoo ist der Abend mehr als ein spontaner Ausflug: „Meine Eltern haben die Sonnenfinsternis ja schon mal gesehen und ich wollte auch sehen, wie das ausschaut. Ich war echt neugierig.“ Sie sitzen auf einer Decke und blicken immer wieder gen Himmel. Auch durch eines der Teleskope haben sie die Verdunklung und Sonnenstürme gesehen. „Jetzt ist die Sonne gleich weg“, sagt Minoo. Für sie und ihren Bruder Adrian wird es gegen 20 Uhr spürbar kälter. „Und es wird auch dunkler“, sagt Adrian. Vollständig verschwindet die Sonne nicht, der Mond bedeckt fast 90 Prozent der Sonne. Doch die Begeisterung ist spürbar. Für Karin Schönberger ist die Sonnenfinsternis auch deshalb ein besonderer Abend: 1999 wollte sie gemeinsam mit ihrem Bruder die totale Sonnenfinsternis in Deutschland verfolgen. Doch ausgerechnet kurz vor dem entscheidenden Moment schoben sich Wolken vor die Sonne. „Da ist genau der Sonnenfinsternis-Wind gekommen und hat eine Wolke drüber geschoben.“ Dieses Mal ist es anders, bei wolkenlosem Himmel lässt sich die Verdunklung der untergehenden Sonne perfekt verfolgen. „Für mich war das toll“, sagt sie, die von der Veränderung des Lichts beeindruckt ist. „Alleine schon dieses Licht, wie sich das dann verändert, wie man das dann merkt.“ Auch dass es plötzlich diesiger werde, obwohl die Sonne noch am Himmel stehe, sei etwas Besonderes. „Für mich war das ein Muss, mit den Kindern hierherzukommen.“ Denn das ist etwas Besonderes.“ Gegen 20.15 Uhr ist der Höhepunkt der Sonnenfinsternis erreicht, die Sonne steht bereits sehr tief. Um 20.30 Uhr ist das Schauspiel vorbei. Spätestens jetzt packen die Menschen ihre Picknick-Decken und Camping-Stühle ein, an den Teleskopen wartet niemand mehr. Manche Familien bleiben noch sitzen, genießen den sommerlichen Abendhimmel, Kinder spielen wieder Fußball auf der Wiese. Die Schutzbrillen wandern zurück in die Taschen.

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