300 Menschen obdachlos
Startseite Panorama Große Sorge nach Erdbeben an Italiens Supervulkan: „Man muss uns sagen, ob wir weggehen sollen“ Von: Karolin Schaefer, Johannes Welte Uns auf Google folgen In den Phlegräischen Feldern hat ein Beben der Stärke 4,7 die Region erschüttert. Am Kraterrand der Solfatara brach eine Felswand neben Wohnhäusern zusammen. Mindestens 21 Menschen wurden verletzt. Update vom 2. August, 8:30 Uhr: Ein Erdbeben der Stärke 4,7 – das heftigste jemals am Supervulkan in Italien gemessene Beben – riss am Freitagabend zahlreiche Gebäude in der Küstenstadt Pozzuoli ein. Rund 300 Menschen verloren ihr Zuhause, 26 wurden verletzt. Fünf von ihnen befinden sich nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa im Krankenhaus. Auch am Samstag kam die Erde nicht zur Ruhe. Bis zum Mittag registrierte das Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) insgesamt 169 Erschütterungen mit Magnituden zwischen 0,3 und 4,7. Die Bevölkerung ist zutiefst verunsichert. „Man muss uns sagen, ob wir hier sicher bleiben oder weggehen sollen“, fordern Betroffene gegenüber Ansa. „Wir leben nun schon seit zwei Jahren so. So kann das nicht weitergehen.“ Andrea Billi vom Institut für Geowissenschaften (CNR) dämpft Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Bebenserie. Eine Vorhersage über die Dauer des Erdbebenschwarms sei schlicht nicht möglich. „Wir können auch nicht völlig ausschließen, dass der aktuelle Rekord übertroffen wird“, warnt der Experte. Die Menschen in der Region müssen sich also weiter auf unruhige Zeiten einstellen – ohne zu wissen, was als Nächstes kommt. Update vom 1. August, 19.50 Uhr: Nach dem heftigen Beben schließt Giuseppe De Natale, Vulkanologe und Forschungsleiter am staatlichen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) auch einen Vulkanausbruch an den Phlegräischen Feldern nicht aus. Zuletzt glaubten viele im Großraum Neapel, dass der Supervulkan sich wieder beruhigt habe, tatsächlich werden die Erdstöße aber immer heftiger. „Die Wahrheit ist, dass wir ein Glücksspiel spielen: Es ist nicht möglich, mit Sicherheit vorherzusagen, was passieren wird – sei es in Form von Erdbeben oder möglichen Eruptionen. Aber wir setzen darauf, dass abgesehen von einer anhaltenden Seismizität, an die wir uns mittlerweile gewöhnt haben, nichts wirklich Schwerwiegendes passieren wird“, so De Natale. Update, 1. August, 14:53 Uhr: Das Schwarmbeben schien sich am Samstagmorgen beruhigt zu haben. Nach einem vorläufig letzten Erdstoß der Stärke 2,3 morgens um 8:13 Uhr blieb es bis 14:04 Uhr ruhig, am frühen Nachmittag gab es noch zwei Erschütterungen der Stärke 1,7 und 1,8, dann endete der Schwarm. Am Nachmittag wurde laut fanpage.it ein Auto von Einheimischen von Felsen getroffen, die sich vom Solfatarkrater gelöst hatten. Die beiden Insassen wurden nur leicht verletzt. Mittlerweile wurde zudem bekannt: In einem Jugendgefängnis, das auf der nur über einen schmalen Damm mit dem Festland verbundenen Kraterinsel Nisida liegt, brach in der Bebennacht ein Feuer aus und der Strom fiel aus. Die. Die Feuerwehr hatte enorme Schwierigkeiten, die Anlage zu erreichen. Die Strafvollzugspolizeigewerkschaft kritisiert die Zustände. Außerdem knickte das Dach eines Supermarktes am Freitagabend ein, wie Videoaufnahmen zeigen. Es gab aber keine Opfer. In einer Kirche stürzten Teile der Decke ein. #Update, 1. August, 10:54 Uhr: Nach dem stärksten Erdbeben seit rund 40 Jahren in der Region Neapel gibt es keine Entwarnung: In der Nacht auf Samstag und am Morgen registrierte das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) zahlreiche Nachbeben – darunter eines der Stärke 3,8. Der ursprüngliche Erdstoß hatte am Freitagabend eine Stärke von 4,7 erreicht, Epizentrum waren die Phlegräischen Felder westlich von Neapel. „Das Beben war so stark und anhaltend, dass ich die Wohnungstür nicht einmal öffnen konnte, weil sie klemmte“, sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur Ansa. „Nach dem gestrigen Schrecken war es unmöglich, die Nacht zu Hause zu verbringen.“ Man sei zwar viel gewohnt, aber nicht in dieser Stärke, sagte er. Die Erschütterungen waren auch in Neapel selbst sowie auf den Inseln Ischia und Procida deutlich zu spüren. Aus Angst vor weiteren Beben verbrachten viele Menschen die Nacht im Freien statt in ihren Wohnungen, in mehreren Gegenden fiel der Strom aus. Nach Behördenangaben wurden 21 Menschen verletzt. Am stärksten betroffen ist die Küstenstadt Pozzuoli: Dort stürzten Mauern und Fassadenteile ein, auch Tuffsteinhänge gaben nach. Herabstürzende Felsbrocken und Trümmer beschädigten Autos und Gebäude. Die Behörden haben bereits am Freitagabend ein Krisenzentrum eingerichtet. Erdbeben am Supervulkan in Italien: „Es fühlte sich wie eine Bombe an“ Update, 1. August, 6:34 Uhr: Nach dem Erdbeben in Pozzuoli mischt sich unter den Bewohnern Angst mit Solidarität. „Es fühlte sich wie eine Bombe an“, berichtet ein Anwohner der Via Campi Flegrei. „Wir hatten Angst. Das Einzige, was wir tun konnten, war, auf die Straße zu gehen.“ Viele Menschen verließen mit Gepäck ihre Häuser, die Straßen blieben stundenlang verstopft, was auch die Einsätze von Feuerwehr und Rettungswagen erschwerte. Besonders erschüttert zeigte sich die 18-jährige Lucia, die nach dem Beben von ihren Eltern gestützt werden musste. „Ich hatte Angst zu sterben. Ich habe noch nie ein so starkes Beben gespürt“, sagte sie mit zitternder Stimme. Trotz der Angst berichten Bewohner auch von Solidarität untereinander: Viele verteilten in der Nacht Essen und Wasser und boten einander Unterstützung an. Update um 23:59 Uhr: Mittlerweile ist die Rede von 20 Verletzten, darunter zwei Schwerverletzten, berichtet cronacalegrea.it unter Berufung auf eine Mitteilung des Katastrophenschutz-Krisenstabs. Laut pozzuolinews.it hat ein Erdrutsch eine Straße blockiert. Anwohner klagten: „Wir sitzen fest; wir kommen weder rein noch raus.“ Mehrere Dutzend Häuser seien beschädigt, fünf Autos zerstört, zahlreiche Menschen obdachlos. Die Behörden haben Auffanglager eingerichtet. Auch der Fährverkehr in Pozzuoli wurde eingestellt, da die Molen Risse bekommen haben. Hier legen täglich 40 Schiffe zur Ferieninsel Ischia ab. Die Erdstöße halten weiter an: Um 23.35 Uhr wurde ein Beben der Stärke 3,1 registriert. Insgesamt gab es bis Mitternacht 31 Nachbeben. Aus Angst vor heftigeren Nachbeben verbringen viele Anwohner die Nacht im Freien. Update vom 31. Juli, 22:35 Uhr: Das Erdbeben war nur Auftakt eines längeren Schwarmbebens. Bislang wurden bis 22:04 Uhr 15 Nachbeben registriert. Das stärkste hatte die Stärke 3,8. Es könnte eine unruhige Nacht für die Region werden. Das Portal ilfattoquotidiano spricht mittlerweile von acht Leichtverletzten. Erstmeldung vom 31. Juli, 22:02 Uhr: Erneut hat die Erde an Italiens Supervulkan gebebt. Die Erschütterung mit einer Stärke von 4,7 wurde um 19:46 Uhr mitten in den Phlegräischen Feldern registriert. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa handelte es sich um das stärkste Beben in der Region, seit die Aktivität des Bradyseismus wieder zugenommen hat. Das zuvor stärkste Beben hatte eine Magnitude von 4,6. Das Epizentrum lag im staatlichen Institut für Geophysik und Vulkanologie (ONGV) zufolge unter dem Solfatarakrater. Laut Ansa war das Beben deutlich in Neapel und in Gemeinden der Provinz zu spüren. Vier Menschen wurden demnach leicht verletzt. Viele Menschen hätten ihre Häuser verängstigt verlassen und seien auf die Straße gelaufen. Erdbeben an Italiens Supervulkan: Fels bricht von Krater Wie das Portal Teleclubitalia berichtet, sei ein Fels vom Krater der Solfatara abgebrochen. Mehrere Meldungen über Stromausfälle und in Aufzügen eingeschlossene Personen erreichten die Feuerwehr. Aus Pozzuoli meldete die Einsatzzentrale den Einsturz einer Gebäudefassade; in weiteren Stadtteilen fielen Gesimse und Putzteile von Gebäuden. Videos in den sozialen Medien lassen das Ausmaß des Erdbebens erahnen. Kurz nach dem Beben wurde der Zugverkehr auf den Linien Cumana und Circumflegrea vorübergehend eingestellt, berichtete Ansa. Eine Mauer war auf den Bahnsteig einer Metro-Station gestürzt. Auch das staatliche Eisenbahnunternehmen RFI hat beschlossen, den Zugverkehr im gesamten Verkehrsknotenpunkt Neapel einzustellen.