DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.443,67 USD 07:23:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

33.000 Dollar fürs WM-Finale: Wie die FIFA den Ticketmarkt ausreizt

Sport

Zuerst die gute Nachricht für Fußballfans: Das WM-Finale am Sonntag zwischen Spanien und Argentinien (21.00 Uhr, live im Audiostream und Ticker mit Videos) ist noch nicht ausverkauft. Es gibt weiterhin Karten im offiziellen Ticketshop des Weltverbandes FIFA - und das nur zwei Tage vor dem Mega-Event mit Halbzeitshow und zwei absoluten Top-Fußballnationen, Superstar Lionel Messi inklusive. Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich gibt es da gleich mehrere Haken. Es gab - Stand Freitag, 17. Juli, 13:25 Uhr - nur noch 26 Karten. Die beiden günstigsten kosteten 17.995 US-Dollar. Die meisten anderen 29.995 Dollar. Die drei teuersten 32.970 Dollar. Umgerechnet liegen die Preise also zwischen 15.745 und 28.848 Euro. Es handelt sich dabei zwar um Sitzplätze in der ersten Reihe oder knapp dahinter, aber nicht um VIP-Tickets. Die gibt es übrigens auch noch vereinzelt zu kaufen zu Preisen von 17.000 bis 57.500 Dollar. Es geht wohlgemerkt um Zahlen aus dem offiziellen FIFA-Shop, es sind keine weiterverkauften Tickets. Der Weltverband selbst hat die Preise so festgelegt. Die FIFA und ihre "dynamischen Preise" Die astronomischen Summen zeigen einmal mehr, wie intensiv die FIFA das sogenannte "Dynamic Pricing" einsetzt. Sie ruft nicht wie bei den bisherigen Weltmeisterschaften feste Preise auf, sondern passt diese dynamisch an die Nachfrage an. Wollen viele Menschen Karten für ein Spiel erwerben, steigen die Preise. Bei geringer Nachfrage sinken sie. Finanziell scheint die Rechnung für die FIFA aufzugehen, das zeigt auch das WM-Finale. Gut eine Woche vor dem Endspiel waren im offiziellen Shop noch Dutzende Karten in einer "günstigeren" Kategorie zu haben. Einzelpreis: 10.990 US-Dollar. Am Freitagmittag waren diese Tickets alle nicht mehr verfügbar. Fans mit hoher Schmerzgrenze Dazu passen die Anekdoten argentinischer Fans, die die Sportschau in Atlanta gesammelt hat. Einige Argentinier hätten ihr Auto oder sogar ihre Wohnung verkauft, um sich die WM-Reise leisten zu können, hieß es dort. Als Schmerzgrenze für ein Ticket wurden 2.500 Dollar oder auch 4.000 Dollar genannt - und da ging es um das Halbfinale, nicht um das Endspiel. Die Zahlungsbereitschaft scheint also auch jenseits der High Society groß zu sein, und die FIFA hat von Beginn an deutlich gemacht, dass sie dies für sich nutzen will. Die Argumentation: Bevor die Karten auf fremden Ticketbörsen teuer weiterverkauft werden und die FIFA dabei leer ausgeht, verkauft sie die Karten lieber selbst von Beginn an zu Preisen, die vermutlich auf dem Zweitmarkt erzielt werden. US-Justiz ermittelt gegen die FIFA Die zahlreichen Kritiker dieser Praxis dürften sich durch die Endspielpreise bestätigt fühlen - etwa die Generalstaatsanwältin von New Jersey, dem Austragungsort des Finales, Jennifer Davenport. Sie hatte den Ticketverkauf der FIFA als ein "Labyrinth aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und unmöglich hohen Preisen" bezeichnet. Davenport nahm Ermittlungen gegen die FIFA auf, Ähnliches passierte in New York und Kalifornien. Auch in Europa wird juristisch geprüft, beispielsweise seitens der Europäischen Kommission. Bei ihr ist eine Beschwerde eingegangen mit dem Vorwurf: Die FIFA missbrauche ihre Monopolstellung, um Fans überhöhte Preise und unfaire Bedingungen aufzuzwingen. Das EU-Parlament hat EU-Kommission und die Mitgliedstaaten zudem aufgefordert, ein Verbot der dynamischen Preisgestaltung bei Sport- und Kulturveranstaltungen zu prüfen. Der europäische Fußballverband UEFA hat inzwischen versichert, bei der EM 2028 auf "Dynamic Pricing" zu verzichten. Auch auf dem Zweitmarkt mischt die FIFA mit Die FIFA hat noch einen weiteren Hebel angesetzt, um die Ticketeinnahmen zu erhöhen - ihr Ziel ist eine Verdreifachung der Einnahmen im Vergleich zur WM 2022 in Katar. Die FIFA hat eine eigene, offizielle Ticketbörse gestartet. Wer seine Karte weiterverkaufen will, kann dies also beim Weltverband selbst tun. Und die FIFA verdient dann mit, verlangt 15 Prozent Provision sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer. Eine Begrenzung des Verkaufspreises gibt es nicht. Für das WM-Finale wurden im FIFA-Portal am Freitag noch zahlreiche Tickets angeboten zu Preisen zwischen 8.050 und 2,3 Millionen Dollar. Frankfurter Gericht erlässt einstweilige Verfügung gegen FIFA Ein Wettbewerber auf diesem Ticket-Zweitmarkt, die Wiederverkaufsplattform Ticombo, hat am Freitag eine einstweilige Verfügung gegen die FIFA erwirkt. Das Landgericht Frankfurt beschloss laut Deutscher Presse-Agentur (dpa), der Weltverband müsse "bestimmte Gestaltungen im Zusammenhang mit dem Ticketverkauf in der Bundesrepublik Deutschland gegenüber Verbrauchern" unterlassen. Der englischen Zeitung "The Guardian" zufolge geht es dabei unter anderem um mehr Transparenz darüber, wer genau die Tickets auf dem FIFA-Zweitmarktportal anbietet. Die FIFA sei nicht zu dem Verfahren erschienen. Drei Tage vor dem Finale dürfte diese nur in Deutschland gültige Verfügung keine Auswirkungen auf die WM mehr haben. Aber sie ist ein Hinweis darauf, dass die Preispolitik der FIFA die Gerichte weltweit noch länger beschäftigen dürfte.

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