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3,6 Billionen Euro Schulden: Frankreichs Krise bedroht Deutschlands Wirtschaft

Wirtschaft

Frankreich entwickelt sich zum neuen finanziellen Sorgenkind Europas. Seine Staatsschulden beliefen sich im zweiten Quartal 2026 auf knapp 3,6 Billionen Euro. Das entsprach 119,1 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Deutschland kam auf knapp 2,93 Billionen Euro beziehungsweise 63,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; im Euroraum waren es im Durchschnitt 88,8 Prozent.

Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist Frankreich damit fast doppelt so hoch verschuldet wie Deutschland. Zugleich verlangen Anleger immer höhere Zinsen für französische Staatsanleihen. Politico spricht deshalb vom neuen „kranken Mann Europas“.

Frankreich als neuer „kranker Mann Europas“ – mit Folgen für Deutschland

So wurde zuletzt immer wieder Deutschland selbst genannt: Die größte Volkswirtschaft der EU leidet seit Jahren unter schwachem Wachstum und einer schrumpfenden Industrieproduktion. Nun gerät mit Frankreich auch das zweite wirtschaftliche Schwergewicht der Europäischen Union ins Wanken. Anders als Deutschland kämpft das Land vor allem mit hohen Defiziten, steigenden Zinskosten und dem politischen Widerstand gegen Einsparungen.

„Frankreich steht am Rande einer Finanzkrise. Wir müssen ein Signal an die Märkte senden“, sagte der frühere französische Premierminister Michel Barnier gegenüber Politico.

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Deutschland wäre davon nicht abgeschirmt. Französische Sparmaßnahmen könnten einen wichtigen Absatzmarkt deutscher Unternehmen schwächen. Turbulenzen bei Staatsanleihen könnten sich zudem über Banken und Versicherungen ausbreiten.

Frankreich muss Anlegern so hohe Zinsen zahlen wie seit 2002 nicht mehr

Wie schnell die Nervosität zunimmt, zeigt der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen erreichte am 22. Oktober 5,14 Prozent – den höchsten Stand seit 2002. Steigende Renditen bedeuten, dass Frankreich für neue Schulden höhere Zinsen anbieten muss.

Auch der Abstand zu deutschen Bundesanleihen ist stark gewachsen. Dieser sogenannte Risikoaufschlag lag zuletzt bei 169 Basispunkten beziehungsweise 1,69 Prozentpunkten. Deutschland dient den Finanzmärkten trotz seiner wirtschaftlichen Schwäche weiterhin als vergleichsweise sicherer Schuldner. Frankreich muss Investoren deutlich mehr zahlen.

Das Problem verschärft sich, weil Paris nun alte Schulden refinanzieren muss, die während der Niedrigzinsphase wesentlich günstiger aufgenommen wurden. Selbst wenn der Schuldenstand nicht sprunghaft wächst, nimmt dadurch die Belastung des Haushalts zu. Geld, das für Zinsen ausgegeben wird, fehlt für Investitionen, Sozialleistungen oder die Verteidigung.

Nach den vom Wall Street Journal angeführten Prognosen liegt Frankreichs Haushaltsdefizit bei etwa fünf Prozent der Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig wächst die Wirtschaft nur schwach. Dadurch steigt die Schuldenquote weiter.

Frankreichs Regierung plant Einsparungen von 43 Milliarden Euro

Die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu will im Haushalt für 2027 rund 43 Milliarden Euro einsparen. Politisch bleibt der Spielraum jedoch klein. Steuererhöhungen stoßen ebenso auf Widerstand wie Kürzungen bei Sozialleistungen und Renten.

Frankreich erlebt bereits massive Proteste. Am 24. Oktober gingen nach Angaben des Innenministeriums landesweit 410.000 Menschen auf die Straße, davon 110.000 in Paris. Die Gewerkschaft CGT sprach sogar von fast 800.000 Teilnehmern. Demonstriert wurde unter anderem gegen Sparpläne, die Rentenpolitik und die hohen Lebenshaltungskosten.

Damit verstärken sich die Haushalts- und die politische Krise gegenseitig: Um das Vertrauen der Anleger zu bewahren, muss die Regierung das Defizit senken. Je härter sie spart, desto größer wird jedoch der gesellschaftliche Widerstand. Scheitern die Kürzungen, dürften Investoren noch höhere Zinsen verlangen.

Auch die Präsidentschaftswahl 2027 erhöht die Unsicherheit. Parteien am rechten und linken Rand versprechen, zentrale Reformen zurückzunehmen oder zusätzliche Ausgaben zu beschließen. Für Anleger wird damit schwerer kalkulierbar, ob Frankreich seinen Haushalt in den kommenden Jahren stabilisieren kann.

Ex-Premier Monti warnt vor einer schnellen Eskalation

Der frühere italienische Ministerpräsident Mario Monti zieht gegenüber Politico einen Vergleich mit der italienischen Schuldenkrise von 2011. Damals stieg der Risikoaufschlag italienischer Staatsanleihen innerhalb weniger Monate massiv und zwang die Regierung zu einem abrupten Kurswechsel.

Frankreich stehe nicht unmittelbar vor einem Zahlungsausfall nach griechischem Vorbild. Doch die Lage könne sich überraschend schnell verschärfen, warnt Monti. In Frankreich werde die Gefahr einer Finanzkrise bislang nicht ausreichend ernst genommen.

Deutschland träfe eine französische Krise zunächst über den Handel. Frankreich war 2025 nach den USA der zweitgrößte Absatzmarkt für deutsche Waren. Deutsche Unternehmen exportierten dorthin Güter im Wert von 117,4 Milliarden Euro. Müssten französische Haushalte, Unternehmen und der Staat stärker sparen, könnte das besonders deutsche Hersteller treffen, die ohnehin unter der schwachen Nachfrage leiden.

Hinzu kommt die enge Verbindung der Finanzmärkte. Wenn französische Staatsanleihen weiter an Wert verlieren, entstehen Verluste bei Banken, Versicherungen und Fonds, die diese Papiere halten. Die Bundesbank weist darauf hin, dass das deutsche Finanzsystem wegen seiner Verflechtung mit anderen europäischen Finanzsystemen anfällig für solche Ansteckungseffekte ist. Die unmittelbaren Verluste deutscher Finanzinstitute schätzt sie zwar als begrenzt ein. Schwierigkeiten ausländischer Banken könnten aber auf deutsche Institute übergreifen und deren Kreditvergabe bremsen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sah Ende 2025 keine Ansteckung anderer Eurostaaten durch Frankreich. Sie warnte jedoch, dass weitere politische Instabilität oder enttäuschende Sparfortschritte zu einer breiteren Neubewertung europäischer Staatsanleihen führen könnten. Dann könnten auch für Deutschland, seine Banken und Unternehmen die Finanzierungskosten steigen.

Die deutsche Industrie produzierte 2025 bereits knapp elf Prozent weniger als 2015. Eine Sparrunde in Paris könnte nun die Nachfrage in einem ihrer wichtigsten Auslandsmärkte zusätzlich bremsen.

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