DAX +0,03 % 26.331,07 Pkt 18:00:00 MDAX +0,26 % 32.335,17 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,26 % 6.533,99 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,38 % 53.770,27 Pkt 22:43:59 S&P 500 -0,06 % 7.748,50 Pkt 22:36:53 Nasdaq -0,06 % 26.588,49 Pkt 23:15:59 Nikkei +1,26 % 68.375,07 Pkt 03:47:35 Gold +1,97 % 4.469,30 USD 03:52:35 Silber +1,14 % 65,51 USD 03:52:33 Brent -0,98 % 88,04 USD 03:52:21 WTI -1,06 % 82,32 USD 03:52:33 Bitcoin -0,03 % 63.388,81 USD 04:02:33 EUR/USD -0,13 % 1,15290 USD 04:02:21 EUR/GBP -0,02 % 0,85420 GBP 04:02:39 EUR/CHF +0,15 % 0,93760 CHF 04:02:38 EUR/JPY -0,10 % 183,658 JPY 04:02:38

3D-Druck-Sattel auf Maß

Wirtschaft

Der Sattel: Das individuellste Bauteil am Rad Der Sattel ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine – und das individuellste Bauteil eines Fahrrads. Im Idealfall nimmt man ihn kaum wahr. Im schlechtesten Fall verursacht er Druckstellen, Taubheitsgefühle und Schmerzen. Nahezu alle Hersteller bieten Modelle für unterschiedliche Einsatzzwecke und Anatomien an: lang oder kurz, mit oder ohne Aussparung, in verschiedenen Breiten sowie mit unterschiedlichen Polsterungen und Oberflächen. Noch weiter gehen Anbieter maßgefertigter Sättel. Ihr Versprechen: ein Sattel, der exakt zur Anatomie, Fahrweise, Sitzposition des Fahrers und zum Fahrrad und dessen Einsatzzweck passt. Die Idee Fingerprint Cycling ist ein noch recht junges Unternehmen aus dem Saarland. Der Gründer Clemens Schwöbel, passionierter Radfahrer und Sohn eines Fahrradhändlers, experimentierte bereits während seines Maschinenbaustudiums mit den Möglichkeiten des additiven 3D-Drucks. Aus ersten Prototypen für den Eigenbedarf und den Freundeskreis entstand die Idee, individuelle Sättel für Rennradfahrer, Graveller, Mountainbiker, Tourenfahrer und Pendler anzubieten. Der Vorteil des 3D-Drucks gegenüber klassischen Schaumstoffkonstruktionen: Dämpfungseigenschaften lassen sich präzise definieren und gezielt in einzelnen Sattelzonen umsetzen. Der Bestellvorgang Die Herstellung eines individuellen 3D-Sattels ist aufwendig. Der Bestellprozess hingegen nicht. Im Onlineshop unter www.fingerprint-cycling.com führt ein übersichtlicher Konfigurator Schritt für Schritt durch die Auswahl. Zunächst legt man den Einsatzbereich fest: Road, Offroad oder Touring. Anschließend folgen Material und Oberfläche des Sattels sowie die Dekorfarben. Optional lassen sich Halterungen, etwa für Ansteckrücklichter, ergänzen. Im nächsten Schritt verschickt der Hersteller kostenlos ein Set mit zwei Memoryschaum-Platten und einer bebilderten Anleitung. Die Platten dienen dazu, einen individuellen Gesäßabdruck anzufertigen – insbesondere zur Ermittlung der individuellen Sitzknochenposition. Dafür legt man die erste Platte auf eine feste, ebene Unterlage in etwa Stuhlhöhe und setzt sich aufrecht darauf. Mit der zweiten Platte wiederholt man den Vorgang. Diesmal zieht man sich aktiv mit den Händen an der Sitzkante nach unten, um einen tieferen Abdruck zu erzeugen. Anschließend gehen beide Platten zurück zum Hersteller im Saarland. Zusätzlich füllt der Kunde einen Online-Fragebogen aus. Fingerprint Cycling erfasst darin Parameter wie etwa die Körpermaße, bisherige Beschwerden, den bevorzugten Fahrradtyp und das individuelle Fahrprofil. Beim Hersteller werden die Sitzabdrücke digital erfasst und gemeinsam mit den Angaben aus dem Fragebogen ausgewertet. Auf dieser Basis entsteht in Handarbeit der maßgefertigte Sattel – inklusive spezifischer Druckentlastungs- und Sitzknochenzonen. Die Lieferzeit beträgt rund zwei bis drei Wochen. Die Konstruktion Der FPS-ROAD+ ist das Modell für den Straßeneinsatz von Fingerprint Cycling. Es basiert auf einer modularen Plattform mit einem Dreischalenkonzept. Die belastungsgetestete Unterschale übernimmt die Kraftübertragung und ist mit dem Gestell verschraubt. Beides besteht bei unserem Testmodell aus sehr hochwertig verarbeitetem Carbon. Alternativ sind eine Schale aus carbonverstärktem Polyamid sowie Rails aus Stahl oder Titan erhältlich. Die 3D-gedruckte TPU-Sitzschicht ist das „Herzstück“ des Sattels und wird für jedes Modell individuell konstruiert. Das Besondere: Die Oberfläche ist geschlossen. Laut Hersteller soll dies den Druck gleichmäßiger verteilen, lokale Lastspitzen reduzieren und die Robustheit erhöhen. Ein positiver Nebeneffekt: Die Mikrostruktur der Oberfläche bietet einen spürbaren Anti-Rutsch-Effekt. Optisch erinnert sie an Alcantara und wirkt sehr hochwertig. Zusätzlich arbeitet Fingerprint Cycling eine Rippenstruktur an den Seiten und an der Nase ein, die zusätzlichen Halt bieten soll. Der erste Eindruck Wir testeten den FPS-ROAD+ über mehrere Monate und rund 2.800 Kilometer – bei Feierabendrunden, im Training und bei Ultracycling-Events. Dabei kam das Modell auf verschiedenen Race- und Endurance-Bikes von BMC, Leeze, Bixs und Canyon zum Einsatz. Wichtig ist bei der Erstmontage, die individuelle Sitzhöhe anzupassen. Mitunter baut der FPS-ROAD+ etwas höher oder tiefer als das bislang verwendete Sattelmodell. Ebenso entscheidend sind die Position in der Relation zum Tretlager sowie die Sattelneigung. Während der ersten Testfahrten dominierte das Gefühl einer sehr gleichmäßigen Druckverteilung im Bereich der Sitzknochen. In aggressiveren Fahrpositionen profitiert man von der nach vorne abfallenden Nase sowie der guten Führung im Heckbereich. Im Verlauf des Tests neigten wir die Front noch etwas stärker nach unten – eine sehr individuelle Entscheidung. Fingerprint Cycling selbst spricht von einer Eingewöhnungszeit von fünf bis sechs Fahrten, bis sich insbesondere die Körperstrukturen an den Sattel angepasst haben. Die große Mittenaussparung entlastet den Dammbereich unseres Testers spürbar. Auch bei vereinzelten Regenfahrten erwies sich die mikrostrukturierte Oberfläche als rutschfest und robust. Unser Tester bevorzugt grundsätzlich dünner gepolsterte Bibshorts, auch auf Langstrecken. Hier überzeugte die 3D-gedruckte Sitzschicht des FPS-ROAD+ mit einer sehr guten Druckentlastung beziehungsweise -verteilung sowie einer spürbaren Vibrationsdämpfung auf teils ruppigem Untergrund. Der Härtetest Der Härtetest erfolgte Anfang Juli beim Ultracycling-Event „Elbspitze“ von Dresden bis in die Dolomiten. Dabei absolvierten wir mit dem Fingerprint-Sattel mehr als 700 Kilometer, 8.000 Höhenmeter und rund 30 Stunden Fahrzeit am Stück – unterbrochen von nur wenigen Pausen. Während wir bei früheren Langstreckenfahrten häufig mit Druck- und Scheuerstellen zu kämpfen hatten, blieben diese diesmal vollständig aus. Besonders bei langen Anstiegen profitiert man von der gleichmäßigen Abstützung der Sitzknochen, was die Kraftübertragung subjektiv positiv beeinflusst. FPS Road+ – Stärken und Schwächen + Dauerkomfort + Druckentlastung und -verteilung + Konstruktion + Modularer Aufbau – Preis beim Top-Modell Das Fazit 459 Euro sind viel Geld für einen Sattel. Die Preise starten, je nach der Ausstattung, bei 299 Euro. Gleichzeitig relativiert sich der Preis, wenn man bedenkt, wie viele Stunden man pro Jahr im Sattel verbringt. Gerade Fahrer, die regelmäßig unter Sitzbeschwerden leiden, könnten in einem maßgefertigten Modell endlich fündig werden. Für den FPS Road+ spricht zudem seine Nachhaltigkeit und die gute Beratung. Der modulare Aufbau ermöglicht den Austausch einzelner Komponenten, sollte dies erforderlich sein. Darüber hinaus bietet Fingerprint Cycling eine 60-Tage-Zufriedenheitsgarantie sowie eine kostenlose Überarbeitung des Sattels an.

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