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42 brisante Fragen: Wie die Uefa Fifa-Präsident Infantino unter Druck setzt

Sport

Aus Anlass der Krisensitzung hatte die Fifa vorsichtshalber sogar das Gros der eigenen Belegschaft ins Homeoffice verbannt. Infantino ließ dann vor seinen Ratsmitgliedern alle Problempunkte ungeklärt. Die Taktik bestand aus Zeitspiel: Er bat um die schriftliche Einreichung der Fragen. Die Frist dafür sollte bis Dezember dauern, und am Ende ließ der Fifa-Boss Fotos verbreiten, die ein freundlich-gesellschaftliches Ambiente insinuierten. Eines, das es nicht gab.

Aus Sicht der Fifa-Ratsmitglieder aus der Europäischen Fußball-Union Uefa verlief das Treffen erwartungsgemäß, sie nahmen es als letzten Beweis dafür, dass Infantino keine Aufklärung leisten will – und sich vermutlich keine leisten kann. Und so brauchten sie nur ein Wochenende, um 42 entlarvende Fragen zu kompilieren, die Infantino nun am Montag übersandt wurden. Mitsamt der Aufforderung, im Zuge der versprochenen neuen Transparenz bis spätestens 2. November alles schriftlich und detailliert zu beantworten; mitzuliefern seien alle zugehörigen Dokumente. „Jede Weigerung, Informationen oder Dokumente offenzulegen, sollte mit klarer Erklärung für die konkreten Gründe dargelegt werden“, heißt es im Begleitschreiben. Zugleich fordern die oppositionellen Fifa-Vorstände die Herausgabe einer „Kopie der Audioaufnahme zusammen mit allen Folien und andere während der Sitzung präsentierte Materialien“.

„Wer hat die Fifa für diese Vereinbarung autorisiert, und auf welcher Grundlage?“

Dem Schreiben beigefügt ist eine lange Frageliste. Sie offenbart auch bisher unbekannte Sachverhalte und liest sich phasenweise wie eine Klageschrift. Vorneweg soll Infantino erklären, warum er „eine Vereinbarung zur Exklusivität von Thrive Capital ohne vorherige Rücksprache mit dem Fifa-Rat unterzeichnet“ habe. „Wer hat die Fifa für diese Vereinbarung autorisiert, und auf welcher Grundlage?“ Wer hat die Investorenfirma von Joshua Kushner, dem Bruder von Trumps Schwiegersohn, überhaupt ausgewählt, wann und warum? Wer hatte die Idee zu der geplanten neuen Fifa-Rechtefirma „Fifa Forward Enterprise“ wann gehabt? Warum lief alles so klandestin ab – im familiären Dunstkreis des frisch gekürten Fifa-Friedenspreisträgers?

Ganz besonders schwierig ist diese Aufforderung an Infantino: „Als Mitglieder des Fifa-Rates bitten wir formell um Zugang zu allen Dokumenten im Zusammenhang mit dem FFE-Projekt, einschließlich aller Korrespondenz zwischen den beteiligten Parteien und Einzelpersonen, allen internen Genehmigungen, Protokollen und Entscheidungen, der Investitionsthese sowie den finanziellen und strategischen Analysen sowie allen mit potenziellen Investoren und Finanzinstituten ausgetauschten oder bereitgestellten Materialien.“ Fifa-Generalsekretär Matias Grafström solle all dies unverzüglich bereitstellen.

Im Weiteren geht es um eine unabhängige Untersuchung und die Frage, ob und warum sich die Fifa dagegen sperre – indem sie als Reaktion auf entsprechende Schritte der Uefa in den USA eine Offenlegung der Dokumente ablehnt. Das untergrabe das Vertrauen in Infantinos persönliche Motivation und Führung, heißt es.

Kritisiert wird auch, dass Infantino „eine erhebliche zusätzliche Vergütung erhalten hat, die im Fifa-Jahresbericht nicht offengelegt wurde“ – die Europäer wollen nun Art, Höhe und Grundlage dieser Zahlungen klären, und ob sie „als steuerpflichtiges Einkommen behandelt und dafür Einkommensteuer gezahlt wurde“. Das rückt erneut auch den offenbar gut mit Infantino verbandelten Schweizer Governance-Chef der Fifa, Bruno Chiomento, ins Spiel. Dem Chefaufpasser, der auch für die Schweizer Bank Bergos AG und den Reisehändler Avolta AG Governance-Rollen ausübt, widmet die Uefa einen ganzen Frage-Komplex: „Wir haben Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit des Vorsitzenden des Fifa-Wahlkomitees, Herrn Chiomento.“ Der kenne Infantino seit 20 Jahren und werde „regelmäßig zu Fifa-Veranstaltungen auf Kosten der Fifa eingeladen“. Der Finanzkontrolleur habe sogar „die gesamte WM 2026 als akkreditierte Person besucht, wobei seine Kosten mehr als fünf Wochen von der Fifa übernommen“ worden seien. Auf eine Anfrage der SZ zu seiner WM-Präsenz in den WM-Fluren der Fifa schon letzte Woche hatte Chiomento nicht reagiert. Jetzt fordert die Opposition zumindest Chiomentos Austausch „durch seinen Stellvertreter für die Dauer der Präsidentschaftswahl“.

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