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5:2 gegen Heidenheim - Dorfverein SSV Jeddeloh II feiert Pokal-Coup

Allgemein

Stand: 23.08.2026 16:35 Uhr

Welch ein Auftritt des Außenseiters! Nord-Regionalligist SSV Jeddeloh II spielte sich am Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals in einen Rausch und warf durch ein 5:2 (3:1) den Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim aus dem Wettbewerb.

von Christian Görtzen

"Ihr könnt nach Hause fahren", schallte es schon weit vor dem Schlusspfiff durch das Oldenburger Marschwegstadion und auch immer wieder "Loh, loh - Jeeeeddeloh, loh, loh, loh!" Der Regionalligist zog dank einer herausragenden Vorstellung am Ende auf sehr entspannte Weise in die nächste Runde ein.

"Wir haben einfach immer an uns geglaubt." SSV-Torwart Moritz Onken

"Überwältigend!", fiel SSV-Torhüter Moritz Onken im Interview mit dem NDR als Erstes dazu ein. "Heute hatten wir in jedem Fall einen richtig tollen Tag - und werden jetzt noch eine richtig tolle Nacht haben. Wir haben einfach immer an uns geglaubt, immer gekämpft und auch den Rückstand gut weggesteckt. Wir haben unsere Qualitäten gut ausgespielt und, ich glaube, am Ende auch verdient gewonnen."

Eine Feier im vom Oldenburg knapp 15 Kilometer entfernten 1.300-Einwohner-Dorf Jeddeloh II dürfte seiner Ansicht nach aber schwierig werden. "Mal gucken, ob wir es bis Jeddeloh schaffen. Viele dürfen wahrscheinlich gleich nicht mehr fahren. Und es ist ja ein kleines Stück. Wahrscheinlich bleiben wir in der Nähe, aber in den nächsten Tagen wird viel Party gemacht", sagte Onken, der beim Stand von 3:1 einen Strafstoß parierte.

Für den Club entfaltet sich im DFB-Pokal endlich der Variantenreichtum. Schon beim Debüt in dem Wettbewerb hatten es die Niedersachsen in der Saison 2018/2019 mit dem 1. FC Heidenheim zu tun bekommen. Damals war nach einem 2:5 der Traum von einem großen Los schnell beendet. Nun wurde das Ergebnis umgedreht, nun lebt der Traum! Der Regionalligist ist am 5. September (18 Uhr in der Sportschau) bei der Auslosung der zweiten Runde dabei.

"Ich kann drei, vier Mal einen ausgeben, das ist gar kein Problem. Nach so einem Tag gebe ich sehr gerne aus." Haris Hyseni

Doppeltorschütze Haris Hyseni hat ein klares Traumlos: "Das wäre auf jeden Fall der BVB. Mein Bruder ist Dortmund-Fan. Ich würde mich freuen, wenn ich gegen den BVB spielen und er wieder zuschauen könnte." Für den 33 Jahre alten Offensivspieler war es beim SSV ein traumhafter Einstand. "Ich bin seit drei Tagen hier, habe einmal richtig mittrainiert. Dass es in einem Highlight-Spiel so läuft, ist einfach überragend", so Hyseni.

Für SSV-Trainer Kristian Arambasic war es im fünften Anlauf mit einem Amateurverein endlich der ersehnte große Coup. "Wir haben eine brutal stabile Defensive gezeigt - ein Riesenkompliment an alle. Wir haben ein überragendes Spiel abgeliefert", sagte der Coach. Ein besonderes Lob gab es für Zugang Hyseni: "Wir hatten mit Haris einen Stoßstürmer da vorne drin. Dass er den Ball dann in den Knick haut, ein Tor des Monats erzielt oder Moritz einen Elfmeter hält - davon kannst du nur träumen."

SSV-Spieler Kanowski vergibt Top-Chance

Der Regionalligist hätte schon früh an diesem Sonntag das erste Mal für große Begeisterung im Oldenburger Marschwegstadion, in das der SSV umgezogen war, sorgen können. Nach einer herrlichen Flanke von Tim Janßen von der linken Außenbahn kam Tom Kanowski am hinteren Pfosten frei zum Kopfball. Der aufgerückte Abwehrspieler traf die Kugel aber nicht voll, sondern streifte sie lediglich mit der Stirn. Es wurde somit ein Aufsetzer, der mit Effet noch gegen den Außenpfosten sprang - doch viel mehr wäre drin gewesen.

Jeddeloh-Fans jubeln: Krasniqi gleicht schnell aus

Die Quittung folgte prompt. Der FCH zeigte, wie Effizienz aussieht: Nach Vorarbeit von Marvin Pieringer schob Yannick Wagner zur Führung des Favoriten ein (12.). Wer nun aber dachte, dass der Bundesliga-Absteiger recht zügig alles klar machen würde, wurde schnell eines Besseren belehrt. Und wie! Jeddeloh II glich kurz darauf zum 1:1 aus (14.). Kamer Krasniqi schlenzte den Ball gefühlvoll ins lange Eck.

Jeddeloh II sorgt mit Doppelpack für 3:1-Führung

Und es kam noch besser, viel besser für den Viertligisten und seine Fans! Haris Hyseni eroberte an der Mittelinie stark den Ball, die Norddeutschen verlagerten auf die linke Seite, wo Janßen sich zunächst stark behauptete und dann einen schönen Steckpass auf Krasniqi spielte. Dessen scharfen Flachpass zur Mitte lenkte Heidenheims Jan Schöpner über die eigene Torlinie (27.).

Und als wäre das nicht schon genug, legte der SSV zügig das 3:1 nach. Erneut ging diesem eine starke Balleroberung voraus. Letztlich gelangte der Ball zu Hyseni, der von der rechten Strafraumgrenze abzog und ein Traumtor erzielte. Die Kugel schlug links oben im Toreck ein (29.).

SSV-Trainer Arambasic sprang begeistert durch die Coaching-Zone, während sein Heidenheimer Kollege Frank Schmidt bedröppelt auf der Tribüne saß. Dort hatte er Platz nehmen müssen, weil er bei der Zweitrunden-Niederlage im Vorjahr gegen den HSV Gelb-Rot gesehen hatte. Mit der 3:1-Führung des Außenseiters ging es auch in die Pause.

SSV-Keeper Onken pariert Foulelfmeter

Zwölf Minuten nach Wiederbeginn brandete zum vierten Mal an diesem Tag lautstarker Jubel im Marschwegstadion auf - dieses Mal aber nicht wegen eines Tores. SSV-Torhüter Moritz Onken parierte einen Strafstoß von Budu Zivzivadze, der allerdings - das gehört zur Wahrheit dazu - aber auch erschreckend schwach war. Verursacht hatte den Foulelfmeter SSV-Kapitän Gazi Siala, er agierte beim Tackling gegen Zivzivadze viel zu langsam.

Hyseni und Janßen erhöhen auf 5:1

In der 70. Minute zeigte Schiedsrichter Jonah Besong (Duisburg) wieder auf den Punkt - diesmal aber im Heidenheimer Strafraum. FCH-Torhüter Frank Feller hatte den überragenden Janßen abgeräumt. Hyseni verwandelte sicher zum 4:1. Das war's - damit war der Widerstand des Favoriten gebrochen. Und der Underdog spielte sich nun in einen Rausch. Kurz darauf wurde erneut Janßen auf die Reise geschickt, und der behielt die Nerven - 5:1 (72.)!

An der manuellen Anzeigetafel wurde stolz die 5 in die Höhe gereckt - und die 6 vorsorglich schon einmal hervorgeholt. Dazu kam es nicht mehr. Aber es wurde schon in den letzten Minuten gefeiert und gesungen. Und natürlich gab es auch den Klassiker: "Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin." Ex-HSV-Spieler Mikkel Kaufmann betrieb für Heidenheim noch Ergebniskosmetik (89.).

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