DAX -0,12 % 26.170,05 Pkt 09:25:40 MDAX -0,31 % 32.459,11 Pkt 09:25:37 Euro Stoxx 50 +0,49 % 6.508,58 Pkt 09:25:30 Dow Jones +0,49 % 54.349,12 Pkt 23:22:16 S&P 500 -0,17 % 7.723,55 Pkt 22:41:45 Nasdaq -0,83 % 26.363,44 Pkt 23:15:59 Nikkei -0,93 % 65.683,26 Pkt 08:45:03 Gold +1,76 % 4.320,70 USD 09:30:18 Silber +0,00 % 62,10 USD 09:30:34 Brent +0,24 % 79,64 USD 09:30:11 WTI -0,03 % 75,20 USD 09:30:31 Bitcoin +0,29 % 64.786,20 USD 09:40:35 EUR/USD +0,12 % 1,15460 USD 09:39:57 EUR/GBP +0,06 % 0,85780 GBP 09:40:39 EUR/CHF +0,04 % 0,93340 CHF 09:40:42 EUR/JPY +0,19 % 182,206 JPY 09:40:40

55 Prozent Erneuerbare, 120 GW Solar - doch jetzt droht der Rückwärtsgang

Technologie

Die Energiewende hat geliefert. Über 55 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms stammten 2025 aus erneuerbaren Quellen und sogar rund 62 Prozent sind ans öffentliche Netz angeschlossen. Die installierte Leistung liegt bei fast 120 Gigawatt für Solar, 68 Gigawatt für Wind an Land und im letzten Jahr wurden mit über 20 Gigawatt so viele neue Windkraftanlagen genehmigt wie nie zuvor. Das ist kein Zufall und kein Selbstläufer. Das ist das Ergebnis von zwei Jahrzehnten Investitionen von Millionen Bürgerinnen und Bürgern, privaten und institutionellen Anlegern, dem Mittelstand, dem Handwerk und der Industrie – getragen von einem Gesetz, dem EEG, das genau deshalb funktionierte, weil es unkompliziert Teilhabe ermöglichte. Diese Bilanz ist der Maßstab, an dem sich Politik heute messen lassen muss. Nicht die Frage, ob wir die Energiewende wollen – sie ist längst Realität –, sondern wie entschlossen wir sie zu Ende bringen und wirtschaftlich nutzen. Wie wir unserer Wirtschaft nachhaltig und unabhängig neu gestalten. Ein Kurswechsel, der bremst statt beschleunigt Genau hier machen sich Sorgen breit: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat mit dem „Netzpaket 2026“ und den Entwürfen zur EEG-Novelle Vorschläge vorgelegt, die von Branchenverbänden, Opposition und selbst wohlwollenden Beobachtern scharf kritisiert werden. ANZEIGE ANZEIGE Die Investitionssicherheit steht dabei auf dem Spiel. Wind- und Solarparks, Speicher und Trassen haben lange Projektlaufzeiten in der Entwicklung, werden über zehn, zwanzig Jahre finanziert und unterliegen zunehmend den regulatorischen Anforderungen als kritische Infrastrukturen. Die aktuelle Regierung kümmert sich nicht um die Novellierung der dringend benötigten Revision des Energiewirtschaftsgesetzes, sondern setzt auf ein Aus der Erneuerbaren und einen Rückwärtskurs zu konventionellen Energieträgern. Wer Kapitalgebern auf diese Weise die Kalkulationsgrundlage entzieht, riskiert nicht nur einzelne Projekte, sondern das Vertrauen, das der gesamte Wirtschaftszweig braucht, um weiter zu investieren. Warnsignal für die Investitionssicherheit Was diese Gefahr in der Praxis bedeutet, zeigt kein Einzelfall mehr, sondern ein Muster, das sich zuletzt immer weiter ausweitet: Bei einem Solarpark mit einer geplanten Leistung von 25 Megawatt waren die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sowie die umweltbedingten Auflagen im Genehmigungsverfahren am Ende so umfangreich, dass sich das Projekt bei den gegebenen Strompreisen wirtschaftlich nicht mehr tragen ließ. Das seit 2022 in der Genehmigung befindliche Projekt liegt nun auf Eis. Wenn selbst großmaßstäbliche, eigentlich wirtschaftlich solide Projekte an der Kumulation regulatorischer Anforderungen scheitern, ist das kein Randproblem der Genehmigungspraxis – es ist ein Warnsignal für die Investitionssicherheit der gesamten Branche. Wer Planungssicherheit nimmt, bremst genau die Bürgerbeteiligung, die die Energiewende bislang getragen hat. Hohe Strompreise und Milliarden-Subventionen Gleichzeitig verzögern sich zentrale Zusagen der Ministerin. Der seit Monaten angekündigte Industriestrompreis liegt ebenso wenig vor wie eine verlässliche Kraftwerksstrategie. Der lang erwartete Monitoringbericht zum Stand der Energiewende blieb nach Einschätzung von Kritikern vage und passte nicht zu den Ergebnissen des zugrundeliegenden wissenschaftlichen Gutachtens. Stattdessen rückt eine Kraftwerksstrategie in den Vordergrund, die auf teure Gaskraftwerke setzt und eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie über Small Modular Reactors einführt. Das ist die Abkehr von einer klimaneutralen und unabhängigen Industrienation. Den Preis werden die Bürger mit hohen Strompreisen, Milliarden-Subventionen, einer Marktkonzentration und dem Abwandern von energieintensiven Unternehmen bezahlen. Was auf dem Spiel steht Deutschland hat die Chance, mit seiner Ingenieurskunst, seinem industriellen Mittelstand und seiner Erfindertradition zum Vorreiter einer elektrifizierten, wasserstoffbasierten, exportfähigen Wirtschaft zu werden. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent und den gesamten Endenergieverbrauch auf 41 Prozent zu steigern. Das sind ambitionierte und erreichbare Ziele, wenn die Politik sie mit verlässlichen Rahmenbedingungen und einer klaren Vision verfolgt. 4 Wege zu verlässlicher Politik Frau Ministerin Reiche und Herrn Bundeskanzler Merz kann man nur mitgeben: Die Menschen, der Mittelstand und die Industrie in diesem Land haben die Energiewende nicht nur mitgetragen, sie haben sie gebaut – auf Dächern, in Werkshallen und in der Fläche. Sie haben ein Recht darauf, dass die Politik diesen Weg nun mit Verlässlichkeit, Tempo und Zuversicht weitergeht, statt ihn mit Zweifeln, kurzfristigen Kehrtwenden und einer Rückbesinnung auf fossile Übergangslösungen zu belasten. Das bedeutet konkret: Planungssicherheit statt Schocktherapie: eine EEG-Novelle, die Betreibern erneuerbarer Anlagen faire, verlässliche Bedingungen gibt und eine kohärente Energiewirtschaftsgesetzgebung schafft. Dann lassen auch Genehmigungsrisiken Projekte wirtschaftlich nicht scheitern. Echte Bürgerbeteiligung statt Marktkonzentration: Regelungen, die weiterhin einen unkomplizierten Zugang zur Energiewende ermöglichen, statt Investitionen und Entscheidungsmacht bei wenigen großen Energieversorgern zu bündeln. Ein klarer industriepolitischer Kurs: Der zugesagte Industriestrompreis und eine kohärente Kraftwerksstrategie, die erneuerbare Energien priorisiert und Wege für netzdienliche Produktion, Speicherung und Verteilung von Strom findet. Kommunikation, die Zuversicht stiftet: Rekorde beim Zubau von Photovoltaik und Windkraft und ihr Anteil an sauberem Strom sowie ihr preissenkender Effekt sind Fakten, keine Verhandlungsmasse. Es sind Meilensteine und das sollten wir stolz auf unsere Fahnen schreiben und darüber sprechen, welche Chancen sich daraus für uns ergeben. Die Energiewende ist vollzogen. Die Technologien haben den Praxistest bestanden. Was jetzt fehlt, ist eine Politik, die diesen Weg mit derselben Entschlossenheit gestaltet, mit der Millionen Bürger, Betriebe und Mittelständler ihn bereits gegangen sind.

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