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60.000 Euro für ein Baby: Influencerin und Aktivistin Anna Adamyan rechnet mit dem deutschen System ab

Unterhaltung

Unfruchtbarkeit trifft 4 Millionen Menschen in Deutschland, doch wer nicht verheiratet ist oder keine 10.000 Euro übrig hat, bleibt vom Glück ausgeschlossen. Eine neue Petition fordert jetzt: Schluss mit der Zwei-Klassen-Medizin beim Kinderwunsch. Es geht um Gerechtigkeit, moderne Medizin und die Frage: Ist ein Baby nur etwas für Reiche? Anna Adamyan weiß, wovon sie spricht. Nicht aus der Theorie, nicht vom Hörensagen, sondern weil sie es am eigenen Leib durchlebt hat. Die Influencerin und Buchautorin hat den Kampf um ein Kind selbst durchlebt. 60.000 Euro. So viel mussten sie und ihr Ehemann Sargis Adamyan zahlen, bis sie endlich ihren Sohn Levi in den Armen halten konnten. Und genau deshalb hat sie gemeinsam mit der Ärztin und Bloggerin Sarah Plack die Petition #KiWuFürAlle ins Leben gerufen. Doch in dem Gespräch mit uns wird auch schnell klar: Hier geht es nicht ausschließlich um Zahlen oder Paragrafen. Hier geht es um Menschen, um Träume, um Schmerz und um ein System, das viel zu viele im Stich lässt. Der Traum vom Kind – und ein System, das ihn unbezahlbar macht Stell dir vor, du wünschst dir nichts sehnlicher als ein Kind. Du gehst zum Arzt und bekommst die Diagnose „Unfruchtbarkeit“. Medizinisch behandelbar und Hoffnung ist da. Doch dann der Schock. Die Behandlung kostet dich bis zu 10.000 Euro, und das pro Versuch. Und die Krankenkasse? Zahlt höchstens die Hälfte für maximal drei IVF- oder ICSI-Behandlungen, wenn du verheiratet bist, unter 40 Jahre alt und in einer heterosexuellen Beziehung lebst. Das ist die Realität von über vier Millionen Menschen in Deutschland, die sich ein Kind wünschen. Mit der Petition „#KiWuFürAlle“, die jetzt bundesweit Wellen schlägt, fordert Anna Adamyan gemeinsam mit Sarah Plack genau das, was längst überfällig ist: Unfruchtbarkeit muss endlich als Krankheit anerkannt werden. Und Kinderwunschbehandlungen müssen zu 100 Prozent von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Ohne starre Altersgrenzen. Ohne Diskriminierung. Ohne finanzielle Hürden. Das Interview: Mit 21 Jahren bekam sie die Diagnose Wir haben Anna Adamyan gefragt, was sie antreibt, warum das System versagt und was sich ändern muss. Das ganze Gespräch gibt es hier zum Nachlesen: Anna, du bist selbst sehr jung mit einer schweren Diagnose konfrontiert worden. Was hat es emotional und praktisch mit dir gemacht, dass du trotz medizinischer Notwendigkeit bis 25 warten und sogar heiraten musstest, um Unterstützung zu bekommen? Mich hat das einfach so unglaublich wütend gemacht. Ich war 21 Jahre alt, als ich die Diagnose „Primäre Sterilität“, also „Unfruchtbarkeit“, bekommen habe. Und ich meine, ich habe mir das nicht ausgesucht, unter 25 Jahre zu sein und diese Diagnose zu haben. Natürlich habe ich mir den Kinderwunsch ausgesucht und war mir bewusst, dass ich früh und jung einen Kinderwunsch habe, aber auch das sollte nicht von irgendeinem Alter geleitet oder bestimmt werden, und schon gar nicht, wenn auch eine Diagnose besteht. Wir waren in der privilegierten und dankbaren Situation, dass wir uns das immer leisten konnten, dass wir den Kinderwunsch und diesen ganzen Weg in diesen jungen Jahren auf uns nehmen konnten, obwohl wir erst später verheiratet waren. Auch das ist einfach superveraltet, aber schon damals fand ich es einfach unfair, und das ist auch der Grund, warum ich mich für die Thematik schon seit Jahren einsetze, und es ist so eine Wut in mir, dass andere Betroffene das aufgrund dieser Vorschriften und dieser Altersbegrenzung und verheiratet sein und Co. einfach nicht können. Wenn du einen Wunsch frei hättest: Was wäre die eine konkrete gesetzliche Änderung, die das Leben von Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch in Deutschland sofort spürbar verbessern würde? Und warum genau diese? Es ist sehr schwierig, da nur einen Wunsch zu nennen, weil dieser Wunsch einfach super super vieles bedingt. Ich würde mir einen KiWu für alle wünschen. Ich würde mir wünschen, dass alle diese Kostenübernahme bekommen, dass es egal ist, wen man liebt, egal, wie alt man ist, ob man verheiratet ist oder nicht, und vor allem eben auch, dass wieder mehr von den Kosten übernommen wird, dass es nicht nur drei Versuche sind. Es ist eine enorme Belastung für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch, wenn sie diese finanziellen Berge zusätzlich stemmen müssen. Es hat sich nicht mit mal 1000 bis 2000 Euro getan. Es sind hohe Kosten bei jeder künstlichen Befruchtung. Aktuell werden nur 50 Prozent übernommen und auch das ist immer noch sehr viel und die aktuellen Vorschriften sind einfach nur diskriminierend. Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch wird oft entgegengehalten, sie wollten sich ein „Recht auf ein Kind erkaufen“. Warum greift dieses Argument aus deiner Sicht zu kurz und was verkennt es an der Realität von Unfruchtbarkeit? Ganz ehrlich, wer solch einen Satz sagt, müsste dann doch auch umgekehrt denken, dass wir uns generell das Recht für Gesundheit kaufen oder nicht?! Ich meine, wenn wir krank sind, wenn wir eine medizinische Behandlung brauchen, gehen wir immer zum Arzt. Wir möchten auch diese medizinische Behandlung. Egal, ob wir einen Schnupfen haben oder ob eine Erkrankung dahintersteckt. Das geht uns alle etwas an Die Debatte um Kinderwunschbehandlungen zeigt, wie eng medizinische Versorgung, gesellschaftliche Vorstellungen und finanzielle Möglichkeiten miteinander verknüpft sind. Für viele Betroffene geht es dabei nicht um Luxus oder Bequemlichkeit, sondern um den Zugang zu einer Behandlung, die Hoffnung auf eine eigene Familie geben kann.

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