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68 Aufträge, aber nur 25 Schrauben geliefert

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Bönen

Rost-Schraube verursacht Ausnahmezustand: Autohaus kämpft mit Kundenansturm und Lieferengpass

Von: Kira Presch

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Eine rostende Lenkungsschraube zwingt VW zu einer weltweiten Rückrufaktion. Im Autohaus Garske herrscht Ausnahmezustand. Beim Ersatzteil gibt es Lieferengpässe und Kunden fragen im Minutentakt, ob sie betroffen sind.

Bönen – Bei Susanne Garske von VW Garske in Bönen herrscht Ausnahmezustand. Das Telefon steht nicht mehr still. Seit in den Medien bekannt wurde, dass VW eine weltweite Rückrufaktion startet, rufen minütlich besorgte Kunden an und fragen: „Bin ich auch betroffen?“ Der Grund ist eine zehn Zentimeter lange Schraube. Sie sieht ganz unspektakulär aus, dennoch kostet sie Kunden und Werkstätten Nerven, und den VW-Konzern viel Geld. Denn sie tut etwas, was sie unter keinen Umständen darf: Sie rostet.

Nach Herstellerangaben kann es unter bestimmten Umständen durch Korrosionsschäden zu einem Abriss der Schraube an der Lenkungsverschraubung kommen. Dadurch könnte die Verbindung der Lenkung beeinträchtigt werden. Im schlimmsten Fall droht ein Ausfall, wodurch sich das Unfallrisiko erhöht. Deshalb hat der VW-Konzern jetzt eine riesige Rückrufaktion gestartet.

Telefon im Autohaus steht nicht mehr still

Das Wichtigste vorab: Besitzer betroffener Baureihen müssen nichts unternehmen, sie werden automatisch angeschrieben, heißt es von dem Autohersteller. Wer ein solches Schreiben erhält, sollte sich zeitnah an seine Vertragswerkstatt wenden, wo die Schraube dann kostenlos ausgetauscht wird.

VW-Rückrufaktion – Das müssen Sie wissen

Betroffene Modelle (VW): Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran und Caddy aus dem Produktionszeitraum

24. September 2013 bis 1. Juli 2024 sowie Fahrzeuge der Konzerntöchter Audi, Seat und Skoda.

Grund des Rückrufs: An einer Verschraubung der Lenkung kann es durch Korrosion zu einem Schraubenbruch kommen. Im schlimmsten Fall droht ein Ausfall der Lenkung.

Wichtig: Betroffene Fahrzeughalter werden vom Hersteller benachrichtigt. Da es sich um einen sicherheitsrelevanten Rückruf handelt, sollten Betroffene den Werkstatttermin zeitnah wahrnehmen. Wer einen verpflichtenden Rückruf dauerhaft ignoriert, riskiert im Extremfall die Stilllegung des Fahrzeugs.

Dennoch rufen jetzt viele besorgte Kunden direkt bei der Bönener VW-Werkstatt an. Die Möglichkeit, dass ihre Lenkung wegen einer korrodierten Schraube versagt, und das einen Unfall auslösen könnte, erschreckt viele. „Deshalb klingelt hier permanent das Telefon“, berichtet Inhaberin Susanne Garske. „Alle wollen, dass wir vorab prüfen, ob ihr Fahrzeug zu den betroffenen Baureihen gehört. Das können wir kaum leisten. Schließlich läuft ja auch noch der normale Werkstattbetrieb weiter.“

VW informiert alle betroffenen Fahrzeughalter. Wer ein Schreiben erhält, kann sich dann an uns wenden, um einen Werkstatttermin auszumachen.

Sie bittet ihre Kunden um etwas Geduld. „VW informiert alle betroffenen Fahrzeughalter. Wer ein Schreiben erhält, kann sich dann an uns wenden, um einen Werkstatttermin auszumachen.“ 68 Werkstattaufträge für den Tausch der Schraube sind allein an einem Tag bei Garske eingegangen und stapeln sich bereits im Büro. Die könnten jetzt abgearbeitet werden, wenn das Ersatzteil zu bekommen wäre.

Lieferengpass: Warten auf das Ersatzteil

Und hier liegt das Problem: „Die Austauschschraube ist nicht in ausreichender Zahl lieferbar“, berichtet Susanne Garske. „Zunächst wurden uns Schrauben geliefert, die nicht korrosionsgeschützt sind, wie sich herausstellte. Also sollten wir in einem zweiten Werkstattanlauf später noch einmal die richtige Schraube einbauen, lautete die Anweisung von der Zentrale. Der Konzern hat dann aber schnell festgestellt, dass das für die Vertragswerkstätten logistisch gar nicht machbar ist. Also bauen wir jetzt nur noch die Originalschrauben ein – wenn wir sie bekommen.“

Die Schraube, die alle wollen, ist nämlich knapp auf dem Markt wegen der plötzlichen Nachfrage weltweit. Übrigens: Auch das Bönener Autohaus selbst ist betroffen mit einem Firmenwagen. Am Donnerstag traf endlich ein Päckchen aus Italien ein mit den Originalschrauben, einzeln verpackt in blauen Schutznetzen. „Allerdings nur 25 Stück, damit kommen wir nicht weit.“ Also schickte Susanne Garske gleich mal eine weitere Bestellung der begehrten Schrauben hinterher und erfuhr, dass die Bestellungen für die Servicepartner seit Freitag gedeckelt sind auf wenige Exemplare. Das heißt für Kunden, weiter warten, und für das Autohaus, Termine können nicht zeitnah geplant und abgearbeitet werden.

Ein guter Plan: die „Schraubenparty“

Dabei hatte Susanne Garske schon einen guten Plan für ihr Werkstattteam: eine „Schraubenparty“. „Ich nenne das mal so, schließlich muss man das Ganze ja mit Humor nehmen“, erläutert Garske, was sich dahinter verbirgt. „Wir reservieren eine Hebebühne und arbeiten dann hintereinander den Schraubenaustausch ab.“ Das sei für den Arbeitsablauf effizienter. „Zudem sollen wir prüfen, ob bei betroffenen Kunden, die ohnehin einen Werkstatttermin haben, zum Beispiel zum Reifenwechsel, die Schraube gleich mitgewechselt werden kann.“

Der Austausch selbst sei keine große Sache, sagt Susanne Garske. Zum Beweis geht es in die Werkstatt, wo Thorsten Renk und David Däsler gerade einen Pkw auf der Hebebühne haben. Denn an die Lenkungsschraube kommt man nur von unten ran. Sie sitzt im Lenkgetriebe. Dann geht alles schnell: Die alte, verrostete Schraube wird entfernt, die neue Schraube mit dem schwarzen Schutz gegen Korrosion wird eingebaut. „Bei einigen Fahrzeugtypen muss zusätzlich noch ein Unterbodenschutz abgeschraubt werden“, erläutert Garske. „Die selbstsichernden Schrauben werden ebenfalls durch neue ersetzt.“

Nächste VW-Rückrufaktion betrifft E-Autos

Und weil es bei VW gerade läuft, hat der Konzern jetzt eine weitere Rückrufaktion für E-Autos angekündigt, von der die Modelle ID.3, ID.4, ID.7, ID.Buzz und Cupra Born der Baujahre 2022 bis 2025 wegen Problemen an der Hochvolt-Batterie betroffen sind. Durch Produktionsfehler eines Zulieferers besteht Brandgefahr. Experten empfehlen als erste Maßnahme eine Ladebegrenzung auf 80 Prozent. „Da sind wir nicht Ansprechpartner“, informiert Susanne Garske. „An der Batterie darf nur ein zertifizierter Hochvolt-Experte arbeiten.“

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