7,8 Millionen Dollar mit Pokémon-Karten - dafür brach ich mein Studium ab
Dieser Artikel beruht auf einem Gespräch mit Andres Fernandez, Gründer und CEO von MintlyCollects, einem Unternehmen, das sich auf den Verkauf von Pokémon-Karten über die Live-Verkaufsplattform Whatnot spezialisiert hat. Die beiden Whatnot-Konten des Unternehmens haben zusammen rund 500.000 Follower. Der Text wurde aus Gründen der Länge und Verständlichkeit bearbeitet.
Ich bin in Miami geboren und aufgewachsen, und ich war schon immer ein unkonventionelles Kind. Als ich mich fürs Studium einschrieb, wusste ich eigentlich nicht, was ich machen wollte. Ich ging aufs College, weil meine Mutter mich dazu drängte, und ich studierte BWL, was ich ziemlich klischeehaft finde.
Schon nach einem einzigen Semester brach ich ab, um hauptberuflich Pokémon-Karten zu verkaufen. Statt einen BWL-Abschluss zu machen und in einem Konzernjob zu landen, baute ich am Ende ein Unternehmen auf, das mir gehört.
Wie ich meine Richtung fand
In meiner Jugend war ich begeistert von Videospielen, Youtube, Twitch und dem Erstellen von Inhalten. Pokémon-Videospiele spielte ich schon, seit ich zehn war, aber Sammler war ich nicht. Das änderte sich, als der Geburtstag meines kleinen Cousins anstand und ich ein Geschenk für ihn brauchte.
Ich ging zum Discounter Target und kaufte ihm ein paar Karten. Wir öffneten die Karten gemeinsam auf seiner Geburtstagsfeier, und er zog aus einem Fünf-Dollar-Päckchen (vier Euro) eine Karte im Wert von 100 Dollar (85 Euro). Als ich das sah, dachte ich sofort: „Ich bin dabei. Das ist der Wahnsinn.“
Ich fing an zu sammeln und öffnete etliche Päckchen. Zu der Zeit arbeitete ich in einer Croqueta-Bar und frittierte Essen für zehn Dollar (neun Euro) die Stunde. Ich gab zu viel Geld für Pokémon-Karten aus, also begann ich, Inhalte rund um Pokémon zu erstellen.
Mit der Zeit baute ich ein Konto mit rund 30.000 Followern auf und fing an, auf Instagram Live zu verkaufen. Dann meldete sich Whatnot bei mir. Ich stieg Ende 2020 ein, als Whatnot gerade erst seinen Pokémon-Bereich gestartet hatte. Ich war wahrscheinlich einer der ersten fünf Pokémon-Streamer auf der Plattform.
Ich erkannte das Potenzial sofort. Ich bin mit Youtube und Twitch aufgewachsen, also dachte ich: „Stell dir vor, du wärst bei Youtube dabei gewesen, als Youtube gerade anfing.“ Wenn man dranbleibt, wird man Erfolg haben, denn während die Plattform wächst, wächst man mit ihr. Ich war 20 und blieb dran.
Ich baute einen Familienbetrieb auf
In den ersten zwei bis drei Jahren machte ich alles selbst. Ich streamte sechs Tage die Woche, packte Bestellungen, verschickte sie und wiederholte das Ganze von Montag bis Samstag. Irgendwann setzte sich mein Onkel mit mir zusammen und sagte: „Du bist auf etwas gestoßen. Kündige deinen Job. Hör mit dem Studium auf und zieh das durch.“
Also tat ich es. Anfangs wusste ich nichts über das Führen eines Unternehmens. Die ersten zweieinhalb Jahre zahlte ich mir selbst kein Gehalt. Aber ich lernte dazu.
Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich nicht alles allein machen konnte. Ich bin ein Kontrollfreak, aber dann ging ich ein enormes Risiko ein und gab 150.000 Dollar (130.000 Euro) für meine erste wirklich große Investition in versiegelte Ware aus – und ich brauchte Hilfe.
Ich wandte mich an meine Freunde und meine Familie und gab ihnen eine Provision auf die Gewinne. Wer streamte und gut abschnitt, wurde bezahlt. Heute arbeitet meine Freundin für mich. Ihre beste Freundin und der Freund ihrer besten Freundin arbeiten für mich. Mein Bruder arbeitet für mich. Der Cousin meiner Freundin arbeitet für mich. Mein bester Freund aus Kindertagen arbeitet ebenfalls für mich.
Heute beschäftige ich zehn Streamer. Wir können auf einem Konto mehr als 20 Stunden am Tag streamen und auf einem anderen 15 Stunden am Tag, wobei beide Konten gleichzeitig laufen.
Im Jahr 2024 machten wir 3,7 Millionen Dollar (drei Millionen Euro) Umsatz. 2025 waren es 7,8 Millionen Dollar (sieben Millionen Euro). Wir sind auf dem besten Weg, dieses Jahr mehr als zehn bis elf Millionen Dollar (8,5 bis 9,5 Millionen Euro) zu machen.
Man kann nicht mehr einfach mit dem Strom schwimmen
Die Leute werden das nicht gern hören, aber sich bequem einzurichten bedeutet in neun von zehn Fällen, keinen Erfolg zu haben. Die Leute denken: „Ach, ich gehe aufs College, und dann wird sich alles fügen.“ Nein. Ihr solltet Praktika machen. Ihr solltet arbeiten. Ihr solltet echte Erfahrung sammeln.
Ich habe Jahre geopfert und mir selbst nichts gezahlt, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin. Die Vorstellung, dass man einfach mit dem Strom schwimmen kann und sich alles fügt, mag in den 1970ern, 1980ern und 1990ern gestimmt haben, aber wir leben heute in einer anderen Zeit.
Findet eine Richtung und ein Interesse. Wenn etwas nicht funktioniert, ändert den Kurs. Wenn ihr in der Tech-Branche seid, arbeitet umsonst für ein Unternehmen. Macht ehrenamtlich mit, sammelt Erfahrung, und ihr werdet schon eine Lösung finden.
Wie der Investor Gary Vaynerchuk gesagt hat: Ihr könnt auf einen Flohmarkt gehen, etwas finden, es aufhübschen und weiterverkaufen. Oder zu einem Supermarkt gehen, einen Job annehmen und mit dem Geld ein lokales Unternehmen aufbauen.
Selbst wenn mein Unternehmen heute irgendwie scheitern würde, weiß ich, dass ich schon etwas anderes auf die Beine stellen würde. So sehe ich das Leben.