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80 Jahre Defa: Filmmuseum Potsdam zeigt DDR-Alltag im Spielfilm

Unterhaltung

Von Felix Moniac Der Defa-Film "Karla" über eine junge Lehrerin, die im System aneckt, war der SED-Führung zu unbequem – er wurde verboten und kam erst 1990 in die Kinos. Nun ist er einer von vielen Produktionen aus vier Jahrzehnten, die die neue Sonderausstellung im Filmmuseum Potsdam präsentiert: Dabei geht es vor allem um die Geschichten aus dem DDR-Alltag. Am Donnerstagabend wird die Schau "Ohne Frühstück. Ohne Diskussion" anlässlich des 80. Defa-Jubiläums eröffnet. Die Deutsche Film-Aktiengesellschaft, kurz Defa, war das staatliche Filmstudio der DDR mit Sitz in Potsdam-Babelsberg. Zwischen 1946 und 1992 entstanden dort zahlreiche Dokumentar- und Animationsfilme – und rund 750 Spielfilme. Filmgeschichte made in Babelsberg "Was hatten die Leute auf dem Tisch?" Gerade sie sollen in der Ausstellung den Zeitgeist erfahrbar machen. "In den Spielfilmen sieht man: Was hatten die Leute an? Was hatten sie auf dem Tisch? Wie sind sie miteinander umgegangen? Welchen Spaß und welche Probleme hatten sie?", sagt Kurator Guido Altendorf. "Es ist ein bisschen größerer Fokus auf dem, was in der DDR zu dem Zeitpunkt des Films passiert ist." Nach Altendorfs Beobachtung zieht sich eins durch alle DDR-Jahrzehnte: der zwischenmenschliche Ton. Sehr direkt, sehr konkret – so beschreibt der Kurator den Umgang in der DDR. Ein Kimono gibt der Ausstellung ihren Titel Aus dieser Beobachtung ist auch der Titel der Schau geboren – ein Zitat aus Konrad Wolfs Meisterwerk "Solo Sunny" (1980). Dessen Titelheldin sucht ihren eigenen Weg, in einem System, das Individualität ablehnt. "In diesem Kimono – und darauf bezieht sich der Titel unserer Ausstellung – schmeißt sie in der Früh ihren Liebhaber raus und sagt ihm: 'Ohne Frühstück. Ohne Diskussion.'", erzählt Altendorf. Eine direkte Ansage. Sehr konkret. Von Wohnen bis Rebellion – Diskutieren erwünscht In der Ausstellung selbst darf dagegen ausdrücklich diskutiert werden – auch über Themen, die bis heute aktuell sind: "Zum Beispiel Wohnen, Rebellion, Essen und Trinken, Kirche und Religion. Jeder Station sind drei, vier Defa-Filme zugeordnet", sagt Altendorf. "Auf die Art und Weise, ist unsere Hoffnung, dass man auch ein bisschen was über die DDR erfährt." Bewusst verzichtet haben die Ausstellungsmacher auf Märchen, historische Stoffe und "utopische Filme" – so hieß Science-Fiction in der DDR. Der Fokus liegt stattdessen auf Gegenwartsfilmen. "Die Defa ist ein unglaublicher Schatz" Denn genau darin liege der Wert des Defa-Erbes, sagt Altendorf: "Die Defa ist ein unglaublicher Schatz – einmal, um zu sehen, welche Themen die Menschen zu bestimmten Zeiten in der DDR bewegt haben und wie damit umgegangen wurde. Und: Wie war der Umgang der Menschen miteinander? Das, was da geredet wird, ist in den wenigsten Fällen ausgedacht." Und gerade deswegen gibt es in der Ausstellung viel zu entdecken: Kostüme, Requisiten, Fotos – und natürlich jede Menge Filmausschnitte. Vor allem aber: Eindrücke von einem Land, das es einmal gab – und das es nicht mehr gibt.

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