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80er Party Frankfurt: Buhrufe für Boy George im Deutsche Bank Park

Unterhaltung

Laut Umfragen behauptet eine Mehrheit der Deutschen, dass die Jugendzeit die schönste in ihrem Leben war. Untrennbar mit der Erinnerung verbunden ist für viele die Musik. Eins und eins das macht zwei, dachte sich der Veranstalter des Showspektakels „Die 80er Live“ und schnürte ein Paket mit diversen Künstlern und Merchandising-Artikeln aus jener Ära. Auf dem langen Fußweg ins Waldstadion im Frankfurter Deutsche Bank Park ziehen die Konzertbesucher so an zig Verkaufsbuden vorbei. Wer nicht schon zu Hause in kuriose Verkleidung geschlüpft ist, findet sie hier: schreiend bunte T-Shirts, neonfarbene Sonnenbrillen, Glitzeranzüge und -hütchen sind nur einige der zahllosen Angebote. Drinnen im Stadion huschen schon die Nena-, Kim-Wilde- und Michael-Jackson-Klons umher. Auf T-Shirts prangen Aufdrucke wie „Boy London“, „Fiorucci“ und „Frankie Say: Relax“. Inflationär ist der schrille Cindy-Lauper-Look. Bei den Herren dominiert der Macho-Gay-Style mit Oberlippenbart. Peter Illmann wiederum schaut fast noch so aus wie in seinen Zeiten als Moderator der Chartshow „Formel Eins“, „P. I. T. – Peter-Illmann-Treff“, „Peters Pop Show“ und „Rockpop in Concert“. Mit gewohnt launigen Worten präsentiert der 67 Jahre alte Moderator nun jene Stars, die er einst schon ankündigte. In den Auftrittspausen unterstützt ihn DJ Christian Schall mit einschlägiger Achtzigerjahre-Hitware. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Technische Schwierigkeiten bei Boy George Eher unspektakulär startet die Nostalgiesause: Weder der Mainstream-Pop des französischen Sängers F. R. David noch die deutschen Depeche-Mode-Epigonen Camouflage lassen den Puls höher schlagen. Mit mondänem Trotzblick, verwuschelter Blondfrisur und patentem Pop eroberte einst die Britin Kim Wilde, Tochter der Rock-’n’-Roll-Ikone Marty Wilde, weltweit die Teenagerherzen. Nach wie vor zeitlos zünden Wildes Chartrenner, darunter auch „Kids In America“. Mit dem ohrwurmhaften Breitwand-Motown-Soul-Disco-Sound von „The Look Of Love“ und „Poison Arrow“ findet die britische Band ABC unmittelbar Zugang zur Besucherschar. Sänger Martin Fry wirbelt im eleganten Edelzwirn durch sein Repertoire. Derweil flimmern im Hintergrund die originalen ABC-Videoclips. Im dunkelfarbenen Bankeranzug prostet Sänger Tony Hadley der Fangemeinde zu. Zwar ohne seine Band Spandau Ballet, dafür aber bestens von Mr. Hadley durch „Lifeline“, „Through The Barricades“, „True“ und „Gold“ geleitet. Die nach Jean-Luc Godards Nouvelle-Vague-Kinofilm betitelte deutsche Synthiepopformation Alphaville wirkt nicht nur im Hit „Big In Japan“ etwas zerfahren. Marian Golds Stimmtimbre kommt ein wenig harsch daher. Schwierigkeiten ganz eigener Art hat hingegen der Brite Boy George. Eigentlich läuft der Auftritt des androgynen Paradiesvogels von der Formation Culture Club anfänglich recht rund. Geschmückt wie ein Christbaum singt er sich durch „Church Of The Poisoned Mind“ und „It’s A Miracle“. Nach nicht einmal ein Drittel von „Time“, stoppt George O’Dowd seine Band und singt a cappella weiter. Wenig später erklärt er „Good night, thank you!“, läuft in Richtung Garderobe und wird leider nicht mehr gesehen. Als Grund werden technische Schwierigkeiten angeführt. Laute Buhbekundungen versucht DJ Schall mit warmen Worten und Musik zu beruhigen. Weitere Achtzigerhits aus der Konserve folgen, bis Peter Illmann endlich den Höhepunkt ankündigt: Holly Johnson, einst Gründer und Sänger der britischen Skandaltruppe Frankie Goes To Hollywood. Zum Einstieg serviert Johnson, gehüllt in schwarze Fetischklamotten mit Ketten und Lederbändern, das majestätische „Welcome To The Pleasuredome“ im gleichen treibenden elektronischen Sound wie einst. Weitere Fanfavoriten folgen mit „Two Tribes“ und „Americanos“. Zum Finale dann die zeitlupenhafte Monumentalballade „The Power Of Love“, zu der meterhohe Funkenfontänen und Raketen zünden. Mit Johnson, einer LGBTQ-Ikone seit den Achtzigerjahren, endet die Veranstaltung dann doch noch mit einem künstlerischen Höhepunkt.

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