8500 neue Jobs durch KI: Ikea-Methode sorgt für Aufsehen
Startseite Wirtschaft 8500 neue Jobs durch KI: Ikea-Methode sorgt für Aufsehen Von: Jana Stäbener Uns auf Google folgen Vernichtet KI massenhaft Jobs oder sichert sie diese langfristig? Ein drei Jahre altes Beispiel zeigt, wie Umschulung statt Kündigung funktionieren kann. Frankfurt – Die Frage, ob und in welchem Ausmaß Künstliche Intelligenz (KI) Arbeitsplätze vernichtet, beschäftigt aktuell viele Menschen. US-Tech-Konzerne wie Oracle oder Meta haben laut eigener Aussage tausende Angestellte wegen KI entlassen. Andere Unternehmen wie die schwedische Möbelhauskette Ikea haben mithilfe des KI-Chatbots „Billie“ 8.500 Stellen im Kundenservice umgebaut, „ohne dass dabei eine Person ihren Job verlor“, freut sich ein Linkedin-Nutzer. Und nennt die Ikea-Methode ein „Paradebeispiel dafür, wie man KI erfolgreich in ein Unternehmen integriert“. Mehr als 17.000 Menschen teilen, unterstützen und kommentieren seinen Beitrag, und bezeichnen die Strategie als „vielversprechend“. Im Juni 2023 verkündete die Ingka Group, die größte Ikea-Holdinggesellschaft, dass „Billie“ rund 47 Prozent der Standard-Kunden-Anfragen übernommen habe. Die Einsparungen von fast 13 Millionen Euro reinvestiert das Unternehmen direkt wieder und hat 8.500 Call-Center-Mitarbeitende gezielt umgeschult. Heute übernehmen sie komplexere Aufgaben und beraten digital bei der Inneneinrichtung. Ikea habe sich damit eine neue Umsatzlinie im Wert von rund 1,3 Milliarden Euro erschlossen, hieß es in einer Pressemitteilung. „KI kann ein Hebel sein, um Arbeitsplätze langfristig zu sichern“ „Wenn ein Unternehmen KI erfolgreich einsetzt, um Routinetätigkeiten zu übernehmen, entlastet das die Beschäftigten und schafft Raum für komplexere Aufgaben“, erklärt Oliver Stettes, Arbeitsmarktexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Der Mitarbeiter wird also nicht wegrationalisiert, sondern seine Arbeit verlagert sich in einen Bereich, der dem Unternehmen hilft, sich noch besser am Markt zu platzieren“, sagt er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Das ist der positive Effekt, den wir oft übersehen: KI kann ein Hebel sein, um Arbeitsplätze langfristig zu sichern.“ Konkret bewerten könne er die Ikea-Methode nicht. Es gebe auch Fälle, in denen sich auf kurze Sicht nicht immer alle Jobs retten ließen, wenn KI eingeführt werde. Außerdem gebe es meist viele andere Gründe für Kündigungswellen, etwa rückläufige Umsätze, Zölle und eine schwächelnde Verbrauchernachfrage. Diese Dinge führten 2026 auch bei Ikea zu Entlassungen. Im März und Mai gaben die Ingka Group und Inter Ikea den Abbau von rund 1.650 Arbeitsplätzen in der Unternehmensverwaltung und anderen Konzernfunktionen bekannt, wie Employer Branding berichtete. Doch was der Fall zeige: KI sei nicht einfach ein Mittel, um Leute loszuwerden. „Es geht darum, Ressourcen zu schonen und Prozesse neu zu organisieren“, sagt der Ökonom der Frankfurter Rundschau. Unternehmen sehen sich mit Wettbewerbern konfrontiert, die KI einsetzen, um Produkte kostengünstiger und qualitativ besser zu machen, und müssten sich gegen diese durchsetzen. „Manche Unternehmen können durch die Technologie so produktiv werden, dass sie ganz neue Kundengruppen erschließen und expandieren. Dann braucht es nicht weniger Beschäftigte, sondern eher mehr“, sagt Stettes. „Die volkswirtschaftliche Diskussion, ob Technologie den Leuten die Jobs wegnimmt, führen wir alle zehn Jahre von neuem. Das war bei der Robotik so, bei der Digitalisierung und jetzt eben bei der KI.“ Warum ein Ökonom bei der KI-Begründung von Meta und Oracle „skeptisch“ wird Gehe es um die großangekündigten Massenentlassungen von amerikanischen Tech-Konzernen wie Meta und Oracle, sei er „skeptisch“, ob KI eine Rolle spiele. Die Tech-Unternehmen hätten während der Corona-Pandemie im großen Stil Menschen eingestellt, weil sie dachten, der Digitalisierungsboom gehe ewig so weiter. „Wenn sich diese extrem optimistischen Geschäftserwartungen in der Realität so nicht erfüllt haben, reagieren die Unternehmen entsprechend“, sagt Stettes der Frankfurter Rundschau. „Die Entlassungen könnten also mit KI gar nichts zu tun haben.“