90 Patienten klagen wegen Sehverlust und Erblindung
Startseite
Panorama
90 Klagen gegen Ozempic und Wegovy: Patienten berichten von dauerhaftem Sehverlust
Von: Robin Dittrich
Uns auf Google folgen
Pharmaunternehmen stehen in den USA vor einer Klagewelle nach Berichten über Erblindungen nach Anwendung von Abnehmspritzen. Auch Fachleute warnen.
Washington – Mindestens 90 Patienten in den USA haben rechtliche Schritte gegen die Hersteller der Medikamente Ozempic, Wegovy und Mounjaro eingeleitet. Der Vorwurf: Die Injektionen sollen eine schwere Augenerkrankung ausgelöst haben, eine Form der Durchblutungsstörung am Sehnerv, die zu dauerhafter Erblindung führen kann. Die Betroffenen fordern Schadenersatz, nachdem sie während oder nach der Behandlung Sehprobleme entwickelten, wie dailymail.com berichtet.
Im Zentrum der Klagen steht die sogenannte nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, kurz NAION. Bei dieser Erkrankung wird die Blutzufuhr zum Sehnerv blockiert oder reduziert, was zu einem plötzlichen und oft irreversiblen Verlust des Sehvermögens führt. Eine 53-jährige Patientin aus den USA berichtete, dass sie etwa ein halbes Jahr nach Beginn ihrer Ozempic-Therapie verschwommenes Sehen und ein Schweregefühl im rechten Auge bemerkte. Zwei Wochen später diagnostizierte ihr Arzt NAION. „Der Arzt sagte sofort, ich solle Ozempic absetzen. Ich war schockiert“, schilderte die Betroffene ihre Erfahrung.
Ozempic auf dem Prüfstand: Kläger stellen Probleme mit ihrem Sehvermögen fest
Ein weiterer Kläger, ein 69-jähriger Mann, erhielt 2023 Ozempic gegen seinen Typ-2-Diabetes verschrieben. Rund ein Jahr später stellte er Veränderungen an seinem Sehvermögen fest, die er zunächst für einen Fleck auf seiner Brille hielt. Nach der Reinigung erkannte er, dass das Problem seine Augen selbst betraf. Die Diagnose NAION führte bei ihm zu einem erheblichen Verlust der Sehkraft auf einem Auge. „Es beeinflusst jede Minute meines Lebens. Ich würde fast alles zahlen, um mein Sehvermögen zurückzubekommen“, erklärte der Kläger laut Berichten.
Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat Anfang des Jahres eine Warnung zu einem möglichen Zusammenhang zwischen den Wirkstoffen und NAION herausgegeben. Eine 2024 veröffentlichte Studie zeigte, dass Nutzer von Semaglutid, dem Wirkstoff in Ozempic und Wegovy, ein etwa viermal höheres Risiko für die Augenerkrankung haben als Patienten, die andere Diabetes-Medikamente einnehmen.
Novo Nordisk, Produzent von Ozempic und Wegovy, erklärte, die Klagen entbehrten jeder Grundlage und das Unternehmen werde sich „entschieden verteidigen“. Ein Sprecher betonte, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Semaglutid und NAION nicht nachgewiesen sei. Auch Eli Lilly, Hersteller von Mounjaro, teilte mit, dass die Patientensicherheit oberste Priorität habe und man eng mit Aufsichtsbehörden zusammenarbeite. NAION entwickelt sich meist ohne Schmerzen, was frühe Warnsignale erschwert. Betroffene berichten häufig von verschwommenem Sehen, dunklen Flecken oder einem Schleier vor einem Auge.
Nebenwirkungen und Warnungen von Behörden
Der weltweite Hype um GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid führt in der Medizin seit Längerem zu Diskussionen über das Nutzen-Risiko-Verhältnis. Neben den nun vor Gericht verhandelten Augenschäden zeigen wissenschaftliche Untersuchungen weitere Begleiterscheinungen: Häufig klagen Patienten über Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder verlangsamte Magenentleerung.