DAX +0,63 % 25.866,05 Pkt 15:31:42 MDAX +0,04 % 30.437,45 Pkt 15:31:42 Euro Stoxx 50 -0,94 % 6.148,77 Pkt 15:31:30 Dow Jones -0,76 % 52.076,18 Pkt 15:46:43 S&P 500 -1,59 % 7.620,88 Pkt 15:46:43 Nasdaq -3,46 % 25.631,78 Pkt 15:46:41 Nikkei -2,12 % 63.290,11 Pkt 07:45:03 Gold -2,94 % 3.912,80 USD 15:36:42 Silber -5,07 % 49,55 USD 15:36:37 Brent -1,16 % 113,55 USD 15:36:39 WTI +2,28 % 104,33 USD 15:36:39 Bitcoin -1,13 % 76.896,00 USD 15:46:38 EUR/USD +0,01 % 1,11570 USD 15:45:44 EUR/GBP -0,48 % 0,83290 GBP 15:46:42 EUR/CHF -0,39 % 0,92000 CHF 15:46:42 EUR/JPY -0,36 % 175,424 JPY 15:46:43

Ab dieser Schwelle droht ein Crash aller Märkte

Wirtschaft

An der Wall Street rückt eine Schwelle immer näher, die mehr bedeuten könnte als nur höhere Finanzierungskosten, die Rendite von 5,25 Prozent bei zehnjährigen US-Staatsanleihen. Wird diese Schwelle nachhaltig überschritten, verändert sich das Zusammenspiel der wichtigsten Anlageklassen. Denn dann beginnen Aktien und Staatsanleihen meist in dieselbe Richtung zu laufen. Damit droht ausgerechnet der vermeintlich sichere Hafen der Anleihen zum zusätzlichen Risiko zu werden.

Wenn in der Vergangenheit die Rendite zehnjähriger Treasuries zwischen fünf und 5,25 Prozent lag, und die Aktienkurse fielen, sind in 66 Prozent der Fälle die Kurse der Staatsanleihen im Gegenzug gestiegen, wie aus Bloomberg-Berechnungen hervorgeht. Schon in der nächsten Renditestufe sah es jedoch ganz anders aus. Zwischen 5,25 und 5,5 Prozent Rende sind Staatsanleihen-Kurse in 64 Prozent der Fälle zusammen mit den Aktienkursen gefallen. Zwischen 5,5 und 5,75 Prozent steigt dieser Anteil sogar auf 87 Prozent. Oberhalb von 6,75 Prozent liegt er bei 99 Prozent oder mehr.

Über Jahrzehnte basierten viele Portfolios auf dem gegenteiligen Prinzip. Aktien sollten für Rendite sorgen, Staatsanleihen Schwankungen abfedern. Besonders während der 2000er- und 2010er-Jahre funktionierte diese Kombination hervorragend. Kam es zu einer Wachstumskrise, sanken meist auch Inflation und Zinsen. Die Notenbank konnte reagieren, Treasury-Renditen fielen und Bondkurse stiegen. Verluste bei Aktien wurden dadurch zumindest teilweise kompensiert.

Nun sieht die Lage aber anders aus, und dafür sorgt vor allem die anhaltend hohe Inflation. Steigende Rohstoffpreise sowie Belastungen bei Energie- und Nahrungsmittelversorgung könnten den Preisdruck länger hoch halten. Höhere Preise hingegen zwingen die Notenbank zu einer restriktiveren Geldpolitik. Die Renditen steigen, Bonds verlieren an Wert. Gleichzeitig drücken höhere langfristige Zinsen auf Aktienbewertungen, weil zukünftige Unternehmensgewinne mit einem höheren Zinssatz abgezinst werden. Anleger verlieren also auf beiden Seiten ihres Portfolios.

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Wenn Treasuries aber nicht mehr zuverlässig als Absicherung gegen Aktienverluste funktionieren, sinkt ein wichtiger Grund für institutionelle Anleger, Bonds unabhängig vom Preis zu halten. Käufer reagieren stärker auf Rendite und Bewertung. Dadurch kann der Treasury-Markt anfälliger für Kapitalflüsse werden und die Bondvolatilität steigt.

Und dies wiederum könnte eine Kettenreaktion in Gang setzen. Höhere Anleiherenditen drücken auf die Bewertungen an der Börse. Denn je mehr Anleger mit sicheren Staatsanleihen verdienen können, desto weniger sind sie bereit, für weit in der Zukunft liegende Unternehmensgewinne hohe Preise zu zahlen. Damit steigt potenziell auch die Volatilität am Aktienmarkt. Auch Unternehmensanleihen wären betroffen. Steigende Aktienvolatilität geht historisch häufig mit höheren Risikoaufschlägen bei Unternehmensbonds einher. Dadurch würde sich auch die Refinanzierung für Unternehmen verteuern. Aus einem Renditeproblem am Treasury-Markt könnte so gleichzeitig ein Problem für Aktien, Unternehmensanleihen und Kreditmärkte werden.

Paradoxerweise könnte sogar eine restriktive Fed-Politik und die Aussicht weiterer Zinserhöhung den Bondmarkt stabilisieren, wenn Investoren darin ein glaubwürdiges Signal sehen, dass die US-Notenbank entschlossen gegen die Inflation vorgeht. Ein zu vorsichtiger Kurs könnte dagegen langfristige Inflationserwartungen und damit die Treasury-Renditen weiter nach oben treiben.

Die Marke von 5,25 Prozent löst nicht automatisch einen Crash aus. Doch die historische Erfahrung zeigt, dass es oberhalb davon gefährlich für die Märkte wird. Wenn Aktien und Anleihen gleichzeitig verlieren, verschwindet eine der wichtigsten Absicherungen von Portfolios. Und aus einem Ausverkauf bei Staatsanleihen kann sehr schnell ein Problem für nahezu alle großen Anlageklassen werden.

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Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

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