Ab heute: ARD revolutioniert den "Tatort" und stampft 56 Jahre alte Tradition ein
Die ARD krempelt eine TV-Instanz um: Ab sofort läuft der neue "Tatort" schon freitags in der Mediathek – das heilige Sonntagsritual wackelt.
Kaum ein TV-Ritual steht so felsenfest wie der "Tatort" am Sonntagabend. Nach der "Tagesschau" noch eine Mordermittlung und das Wochenende ist offiziell vorbei. Um die zehn Millionen Menschen sitzen regelmäßig vor dem Fernseher – selten vereint lineares TV so viele vor den heimischen Bildschirmen.
Aber ausgerechnet diese Gewohnheit bekommt jetzt einen Knacks. Ab Freitag, den 11. September 2026, stellt die ARD jede neue Folge bereits zwei Tage im Voraus in die Mediathek. Los geht es mit "König in Gelb" aus Hannover. Die eigentliche TV-Premiere bleibt, aber das Gefühl der Einmaligkeit ist dahin.
Streaming kommt vor TV – der besondere "Tatort"-Moment verblasst
Die Verantwortlichen der ARD reagieren damit auf das verschobene Sehverhalten einer neuen Generation. Wer den "Tatort" schon längst nicht mehr am Sonntag im TV schaute, darf ab jetzt zwei Tage früher mit dem Streamen beginnen.
Für viele bedeutet das: Krimis am Freitagabend, Samstagmorgen, völlig losgelöst von festen TV-Zeiten. Zehn Prozent aller Abrufe wandern ohnehin schon in die ARD Mediathek. Die Zahl soll jetzt hochschnellen. Dafür könnte aber der Eventcharakter, dieses "Zusammen-Krimi-Schauen", leise sterben.
Wer den "Tatort" im Public Viewing in der Kneipe oder generell in Gesellschaft zelebriert hat, für den ist der Sonntagabend plötzlich nur noch eine Option von vielen.
Sonntagskult oder Kontrollverlust? Was bleibt vom "Tatort"-Erlebnis
Der "Tatort" als kollektives Wochenendfinale und Aufhänger für Fachsimpelei am Montagmorgen stirbt natürlich nicht sofort aus. Wer das gesellige Erlebnis liebt, wird auch weiter einschalten – aber der Druck ist raus. Die ARD nimmt dem Ritual seine Exklusivität, weil die Zeit es offenbar verlangt.
Es ist also denkbar, dass Quotenrekorde wie "Fangschuss" aus Münster mit über 14 Millionen Fans vor den Bildschirmen nicht mehr erreicht werden. Und trotzdem: Wer will, streamt einfach vor. Alle anderen halten die Fahne des linearen Fernsehens hoch.