Abgeordnete tragen Voigts Regierung nicht mehr mit
Die Thüringer Brombeer-Koalition aus CDU, SPD und BSW bröckelt. In einem eskalierenden Streit innerhalb des Bündnisses Sahra Wagenknecht erklärten zwei von 15 BSW-Abgeordneten, sie trügen CDU-Ministerpräsident Mario Voigt nicht mehr mit. Dieser stehe somit „aktuell nur noch einer Minderheitsregierung“ vor, stellten die Abgeordneten Anke Wirsing und Sven Küntzel in einer gemeinsamen Erklärung fest. Die deutschlandweit einzige Brombeer-Koalition kam schon bisher nur auf 44 von 88 Sitzen im Erfurter Landtag. Sie war deshalb von Anfang an für parlamentarische Entscheidungen auf zumindest indirekte Unterstützung der Linken-Fraktion angewiesen – eine Zusammenarbeit mit der AfD als der größten Oppositionsfraktion hat sie ausgeschlossen. Ohne die beiden BSW-Abgeordneten reicht es nicht mehr für das Patt. Zieht die Linke mit, könnten die verbliebenen Koalitionsabgeordneten aber weiter Mehrheiten finden. „Unabhängig von dieser Abstimmung wird das Problem in Thüringen jedoch gelöst werden“, hieß es weiter. Das nötige Quorum für die Einberufung eines BSW-Sonderparteitags in Thüringen sei erreicht. „Wir gehen fest davon aus, dass die Thüringer Basis kein ‚Weiter-so‘ will“, meinten die beiden. Wirsing gehört dem BSW-Bundesvorstand an und hatte die Abkehr von der Brombeer-Koalition nach eigenen Angaben bereits dort mitgetragen. Tatsächlich geht es um einen Richtungsstreit innerhalb des BSW – zwischen Wagenknecht und der Thüringer Landeschefin Katja Wolf, die auch Landesfinanzministerin ist. Wagenknecht missfällt die Regierungsbeteiligung in Thüringen schon länger. Sie vertritt stattdessen das Modell eines „überparteilichen“ Regierungschefs, der unter Einbeziehung der AfD mit wechselnden Mehrheiten regiert. Wolf: „Sonderparteitag nicht bedrohlich“ Sowohl Wolf als auch der BSW-Co-Landesvorsitzende Gernot Süßmuth zeigten sich offen für Forderungen aus den BSW-Kreisverbänden, einen Sonderparteitag einzuberufen, um über den weiteren Kurs im Freistaat zu beraten. „Ich persönlich finde die Variante eines Sonderparteitags in der jetzigen Situation gar nicht bedrohlich und gar nicht schlimm“, sagte Wolf. „Es braucht die Diskussion auch mit der Basis.“ Auch Wagenknecht hatte noch vor der Fraktionssitzung einen Landes-Sonderparteitag ins Gespräch gebracht. Wagenknecht vertritt die Ansicht, dass die Auseinandersetzung nicht zwischen dem BSW im Bund und im Landesverband stattfinde, sondern eine Auseinandersetzung mit Teilen der Fraktion sei: „Als das BSW die Kandidaten für den Thüringer Landtag aufgestellt hat, war die Partei erst wenige Wochen alt.“ CDU-Fraktionschef Andreas Brühl kritisierte, die Auseinandersetzungen würden von außen herangetragen und hätten mit der Arbeit im Land wenig zu tun. Entscheidend sei, dass die Koalitionsfraktionen zu ihrer Verantwortung und zu getroffenen Vereinbarungen stünden. „Wir stehen geschlossen hinter unserem Ministerpräsidenten Mario Voigt und werden die Arbeit vertrauensvoll fortsetzen“, erklärte Brühl. BSW-Landeschefin Katja Wolf bezog im Interview mit dem Fernsehsender Phoenix Stellung zum Verhältnis ihrer Partei in Thüringen mit der AfD: „Die programmatischen Gegensätze zur AfD sind so immanent, die sind so groß, dass wir davon überzeugt sind, dass es keine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der AfD geben kann – auch nicht über das Modell einer Minderheitenregierung, einer Expertenregierung, die ja am Ende die AfD zu einem Königsmacher machen würde.“