Abrisshaus in Altona: Mieter fordern Erhalt und Aufklärung
Stand: 14.08.2026 07:12 Uhr Immer noch Fassungslosigkeit: Nach dem Abriss des Hinterhauses am Dienstag suchten nahezu alle Mieterinnen und Mieter der Holstenstraße 197 gestern im Hauptausschuss Antworten - und stellten klare Forderungen. Im Saal wird es andächtig still, als Milena Thompson im Namen der Mieterinnen und Mieter zur Bezirkspolitik Altona spricht. Ihre Frage ist klar: Wie konnte es so weit kommen? Die Mieterinnen und Mieter der Holstenstraße 197 fordern, dass alle vorhandenen Mittel genutzt werden, um ihnen in ihrer nach wie vor schwierigen Situation zu helfen. Das Vorderhaus müsse langfristig gesichert werden, damit sie eine Perspektive für eine Rückkehr in ihre Wohnungen bekommen. Und Thompson fordert im Namen der Mieterinnen und Mieter, "dass wir nochmal an unsere Sachen können, auch wenn vieles kaputt sein wird." Bis dahin soll jemand den Innenhof bewachen, damit dort nichts gestohlen wird. Wachdienst sichert den Schuttberg Eine Neuigkeit gab es dazu direkt aus der Sitzung: Ab sofort bis Montagmorgen (17.08.2026) steht ein Wachdienst vor dem Gebäude, bestätigte Mieteranwalt Marc Meyer. Sein Team sei bereits am Morgen an das Bezirksamt herangetreten, weil der Schuttberg mit den Erinnerungsstücken und Vermögenswerten der Mieterinnen und Mieter gesichert werden müsse - nicht nur vor Diebstahl, sondern auch vor Witterungseinflüssen wie Gewittern. Der stellvertretende Bezirksamtsleiter Gordon Nelkner sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Wann der Bauschutt beseitigt werde und ob die Mieter vorher noch persönliche Gegenstände retten könnten, könne er nicht sagen - dem Amt sei aber daran gelegen, dass das Haus erhalten bleibt. Konzept zur Standsicherung liegt vor Inzwischen liegt ein Konzept zur Standsicherung des Hauses vor, das laut Bezirksamt an den Prüfstatiker übermittelt wurde. Als nächstes soll der Bauschutt im Innenhof weggeräumt werden, um eine weitere Wand kontrolliert abzubrechen und das Vorderhaus weiter abzustützen. Die Bewohnerinnen und Bewohner der evakuierten Nachbarhäuser Nr. 199 und 191/193 können unterdessen weiterhin nicht in ihre Wohnungen zurück. Ursache könnte im Fundament liegen Warum der Altbau überhaupt so tiefe Risse bekam, könnte am Fundament liegen: Statt Beton wurden beim Bau Ziegelsteine verwendet, erklärte der bautechnische Berater Stefan Meincke dem NDR Hamburg Journal: "Das ist ein System, was sehr lange funktioniert hat, aber auch störungsempfindlich ist." Störungen könnten demnach etwa Bauarbeiten in einem Keller oder das Errichten einer Tiefgarage im Nachbarhaus sein. Anwalt: "Öffentlicher Druck kann wirken" Mieteranwalt Marc Meyer sieht das Bezirksamt Altona um schnelle Lösungen bemüht - "das schätzen wir". Er weist aber darauf hin, dass neben seinen Mandanten auch fast 30 weitere Mieterinnen und Mieter aus den Nachbarhäusern evakuiert werden mussten: Rechtlich betrachtet bleibe das eine Gefahrensituation, solange die Standfestigkeit nicht zweifelsfrei geklärt sei. Sobald das erledigt ist, müsse der Eigentümer sehr schnell zu einem ordentlichen Bauantrag bewegt werden, um das Gebäude wiederaufzubauen: "Am besten kann dort öffentlicher Druck wirken." Prekäre Unterbringung in Hotels Nach Meyers Einschätzung sind aktuell fünf bis sieben der 14 Bewohnerinnen und Bewohner in Hotels untergebracht, die andere Hälfte in Provisorien - eine Mutter mit zwei Kindern etwa in der benachbarten Kirche. Hotelzimmer würden vom Eigentümer aber jeweils nur für rund eine Woche im Voraus bezahlt: Sei der Zeitraum um, müssten sich die Betroffenen erneut melden. Meyer nennt das eine "durchaus prekäre Situation" - gemeinsame Gespräche mit dem Eigentümer über tragfähige Lösungen habe es bislang nicht gegeben. "Fünf Wochen bis zum Prüfstatiker" Die Betroffenen selbst äußerten weiter ihre Kritik. Zwischen der ersten Meldung der Risse und dem Termin mit dem Prüfstatiker seien mehr als fünf Wochen vergangen, sagte eine Anwohnerin: "Das macht mich immer noch fassungslos." Für die Bergung weiterer Gegenstände sei ein Roboter im Gespräch. Mieterinnen und Mieter zeigen sich dankbar über solche Ideen - der Roboter könne aber nur Gegenstände unter einem Kilo bergen: "Das ist am Ende symbolisch." Ein Bewohner beschrieb zudem den täglichen Wechsel aus Hoffnung und Rückschlag: Immer wieder hätte es geheißen, sie dürften ins Haus und ihre Sachen holen - dann kam erneut ein Veto vom Statiker.