„Absolutes Chaos“: Experten und Presse watschen Manchester United ab
Die Fans sangen trotz des nächsten Debakels seinen Namen, und Michael Carrick drehte eine Ehrenrunde – seine letzte? Nein, es sei keine Abschiedsrunde gewesen, sagte der Teammanager von Manchester United, der nach dem 0:3 (0:2) gegen den AFC Bournemouth vor dem Aus steht.
„Wie geht es weiter? Ich weiß es nicht. Ich werde immer das tun, was für den Verein am besten ist. Ich liebe die Verantwortung, aber wir müssen abwarten, was passiert.“ Der Vorstand führe Krisengespräche über Carricks Zukunft, berichtete der Guardian am Sonntagabend.
Als mögliche Carrick-Nachfolger waren jüngst unter anderem Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann, Antonio Conte und Fabian Hürzeler genannt worden. Laut Guardian soll der frühere Newcastle-Coach Eddie Howe der Wunschkandidat von Uniteds Sportchef Jason Wilcox sein.
Manchester United: Carrick rührt Fans mit Demut
Der Krisenklub ist im freien Fall und erlebt einen historischen Absturz. Nach der desaströsen Heimpleite bleiben die Red Devils auch im achten Pflichtspiel in Folge sieglos. Mit mageren sieben Punkten aus acht Ligaspielen steht der einstige Serienmeister auf Rang 16 der Premier League – nur einen Zähler von der Abstiegszone entfernt. Schon unter der Woche kassierte United beim 1:4 gegen Champions-League-Neuling Como eine schallende Niederlage. Die erhoffte Reaktion gegen Bournemouth blieb aus.
Carrick, der erst vor fünf Monaten nach einer erfolgreichen Interimsphase zum Cheftrainer ernannt worden war, lenkte den Blick auf das große Ganze. „Die Situation, in der wir uns als Fußballverein befinden, ist das, was mir am meisten am Herzen liegt. Es geht nicht um mich“, betonte der Ex-Profi. Er akzeptiere zudem seinen „Anteil an der Situation. Ich verstehe die Situation vollkommen. Ehrlich gesagt erwarte ich nichts Bestimmtes. Ich mache ganz normal weiter.“
Die positiven Reaktionen der Fans in seine Richtung rührten Carrick. „Für mich geht es jetzt darum, das erst einmal zu verarbeiten. Die Emotionen am Ende des Spiels waren etwas, das ich so bisher noch nicht wirklich erlebt habe“, sagte der frühere Mittelfeldspieler, der als Profi 464 Pflichtspiele für United bestritten hatte: „Die Verbundenheit und Wertschätzung der Fans zu spüren, bedeutet mir sehr viel. Ich nehme das wahr und weiß es sehr zu schätzen.“
Uniteds Talfahrt und Nachfolger-Suche
Auch Carrick ist es jedoch nicht gelungen, den steilen Niedergang des großen Klubs nach dem Abgang des Erfolgstrainers Alex Ferguson im Jahr 2013 aufzuhalten. Die Klatsche gegen Bournemouth und den deutschen Teammanager Marco Rose war das achte Pflichtspiel in Folge ohne Sieg, United erlebt den schlechtesten Saisonstart seiner Premier-League-Geschichte. Experten wie Jamie Carragher teilten bei Sky Sports UK kräftig aus.
„Carrick will ausgewechselt werden. Er möchte nicht mehr mit diesen Spielern auf der Trainerbank sitzen. Kannst du dir vorstellen, morgen mit Bruno Fernandes auf den Trainingsplatz zu gehen, nachdem du ihn nicht einmal eingewechselt hast? Es ist eine vergiftete Kabine. Er möchte heute Nacht einfach nur von seinem Leiden erlöst werden“, betonte Carragher.
United-Vereinslegende Gary Neville fand ebenfalls klare Worte: „Dieser Klub ist ein absolutes Chaos. Die Führungskräfte werden wahrscheinlich eine Entscheidung treffen müssen, die die United-Fans anwidert, aber sie ist vermutlich notwendig.“
Die britische Presse zerlegt derweil den einstigen Vorzeigeklub nach dem nächsten Debakel. SPORT1 zeigt die schonungslosen Reaktionen aus England.
Carrick-Entlassung bei United „nur noch Frage der Zeit“
Independent: „Die jüngste erbärmliche Leistung von Man United bedeutet das Aus für Michael Carrick: Für Michael Carrick ist es nun eine Frage des „Wann“, nicht des „Ob“. Wann der Hammer zuschlägt, wann er vom Cheftrainer von Manchester United wieder zum Dauerkarteninhaber wird – vermutlich verzweifelt über den nächsten Trainer –, wann er den Preis für den katastrophalen Saisonstart bezahlt.“
The Guardian: „Michael Carrick steht auf der Kippe, nachdem Manchester United von Bournemouth gedemütigt wurde. Könnte Manchester United tatsächlich einmal ein Fußballspiel gewinnen? Die Antwort lautete erneut ein klares, demütigendes Nein, und während der Posten des Trainers weiterhin ernsthaft in Gefahr ist, muss man sich auch fragen, ob sich diese angeschlagene Mannschaft auf einen erbitterten Abstiegskampf gefasst machen sollte.“
The Scottish Sun: „Carrick hat letzten Monat bei United den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt. Umso dümmer sind die Führungskräfte, die die Daumen gedrückt und sich abgesichert haben, während United immer schwerwiegendere Rückschläge hinnehmen musste.“
Sky Sports UK: „Acht Spiele ohne Sieg, Platz 16 in der Tabelle und nur einen Punkt über der Abstiegszone – das ist eine zerfallene Mannschaft, ein gespaltener Verein.“
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)