Absurde Verschwörungserzählung zur Sonnenfinsternis
Startseite Wissen Absurde Verschwörungserzählung zur Sonnenfinsternis – sogar die NASA schaltet sich ein Von: Julian Mayr Uns auf Google folgen Die Sonnenfinsternis war nicht nur spektakulär, sie lieferte auch kruden Gerüchten Aufwind. Ein Statement der US-Weltraumbehörde schafft Klarheit. Frankfurt – Spätestens seit der Corona-Pandemie kommt kaum ein Ereignis mehr ohne Verschwörungserzählungen aus. Da wäre es doch eigentlich verwunderlich, wenn anlässlich der Sonnenfinsternis vom 12. August keine derartigen Erzählungen kursierten. Tatsächlich wurden für den Tag der partiellen Sonnenfinsternis in Deutschland und Mitteleuropa (in Spanien als totale Sonnenfinsternis zu sehen) Gerüchte gestreut, wonach die Gravitation kurze Zeit einfach aussetzen sollte. Plötzlich hebt alles ab: Teller, Stühle, Menschen. Für 7,3 Sekunden sollte auf der Erde Schwerelosigkeit herrschen, mit verheerenden Folgen und vielen Todesopfern. So absurd die Erzählung auch klingen mag, in den sozialen Medien erreichte die Erstmeldung darüber dem Portal snopes.com zufolge Millionen von Menschen. Grund genug offenbar auch für die NASA, deutlich Stellung zu beziehen. Absurdes Verschwörungsszenario pünktlich zur Sonnenfinsternis: Nasa schaltet sich ein Der Ursprung des aktuellen Gerüchts könnte wohl im Dezember 2025 liegen. Ein Instagram-Account veröffentlichte ein kurzes Video mit folgender Botschaft: „Am 12. August 2026 wird die Erde für sieben Sekunden die Schwerkraft verlieren. Die NASA weiß es. Sie bereitet sich vor, sagt aber nicht, warum.“ Dazu kam eine detaillierte Geschichte: Ein angeblich im November 2024 geleaktes NASA-Geheimprojekt namens „Project Anchor“ mit einem Budget von 89 Milliarden Dollar solle die auserwählten Überlebenden in Bunkern schützen. Für so manchen naheliegend: Die Sonnenfinsternis könnte etwas damit zu tun haben. Passiert ist am Ende offensichtlich nichts. Doch die US-Weltraumbehörde reagierte just am Tag der Sonnenfinsternis nochmals auf die krude Erzählung. „Wir werden heute die Schwerkraft NICHT verlieren!“, leitet die NASA einen Beitrag auf der Social-Media-Plattform Threads ein. Wer die Behauptung mitbekommen habe, brauche sich demnach keine Sorgen zu machen. Auch für einen Zusammenhang zwischen Sonnenfinsternis und Erdbeben gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. „Die Anziehungskraft der Erde wird durch ihre eigene Masse bestimmt, nicht durch den Mond. Sonnenfinsternisse haben keinerlei Auswirkungen auf die Schwerkraft hier auf der Erde oder auf dem Mond.“ Der Trabant kreise wie an jedem anderen Tag um den Planeten und befinde sich lediglich auf dem Punkt seiner Umlaufbahn, an dem er zwischen Erde und Sonne trete. Viele User reagierten schockiert auf die Stellungnahme. „Ich kann wirklich nicht glauben, dass sich die NASA die Zeit nehmen muss, das zu posten. Wenn jemand glaubt, dass wir die Schwerkraft verlieren, sollte er noch mal die Schulbank drücken“, bringt es ein Nutzer auf den Punkt. Andere nahmen es mit Humor: „Wie schade! Ich hatte mich wirklich darauf gefreut, von diesem miesen Planeten fortzuschweben.“ Plötzlicher Gravitationsverlust offenbar keine neue Theorie: „Physikalisch unmöglich“ Neu ist die Erzählung aber nicht und hat offenbar nur frischen Wind durch das spektakuläre Himmelserreignis erhalten. Das Gerücht, die Gravitation könne einfach so manipuliert werden, tauche jedes Jahr erneut auf, sagt Nasa-Sprecherin Karen Fox zu Newsweek. Doch seitens der Behörde wird deutlich gemacht, dass so etwas nicht denkbar ist: „Die einzige Möglichkeit dafür wäre, wenn das gesamte Erdsystem – Kern, Mantel, Kruste, Ozeane, Wasser und Atmosphäre – an Masse verlieren würde.“ Greifen Sie mit unserem Astronomie-Newsletter nach den Sternen! Wann lohnt sich der Blick in den Nachthimmel besonders? Der Newsletter „Weltraum‑Woche“ liefert Ihnen jeden Freitag einen kompakten Überblick: die schönsten Himmels-Highlights der nächsten Tage, aktuelle Themen aus der Astronomie und was in der Raumfahrt als Nächstes ansteht. Abonnieren Sie jetzt – und bleiben Sie Woche für Woche auf dem Laufenden, was im All passiert. Hier geht es direkt zur Anmeldung. Auch eine Berliner Physikerin findet deutliche Worte: „Die Erdanziehungskraft kommt ja durch die Masse der Erde. Damit die verloren geht, müsste die Erde ihre Masse verlieren. Das ist physikalisch unmöglich, weil man die Masse nicht einfach an- oder ausstellen kann“, erzählt Lisanne Dörffel rbb24. Ein anderes Phänomen, das während einer Sonnenfinsternis auftritt, können sich Experten hingegen bisher nicht ganz erklären.