DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

"Abwärtsspirale": Muss Putin auf "private" Luftabwehr setzen?

Welt

"Jeder Unternehmer, dem bewusst ist, dass sein Betrieb Steuern zahlt und zumindest eine gewisse gesellschaftliche Bedeutung hat, sollte Maßnahmen zum Schutz seines Vermögens ergreifen (selbst Tankstellen und Supermärkte) und beginnen, mobile Einsatzkräfte/Militäreinheiten in seiner Nähe zu unterstützen", fordert einer der mit 1,2 Millionen Fans wichtigsten anonymen russischen Militärblogger [externer Link]: "Es sei denn, er möchte durch Schutt und Asche gehen." Das bezieht sich darauf, dass kürzlich mehrere Zentrallager des russischen Großversandhauses Wildberries nach Drohnen-Einschlägen in Flammen aufgingen. Wortreich beklagt der Kommentator, wie viele seiner Kollegen, den desolaten Zustand der russischen Luftabwehr, die den vielen ukrainischen Drohnenangriffen in keiner Weise gewachsen sei. Gerade private Firmen, wie die Betreiber von Ölraffinerien, hätten sich bisher als "völlig unfähig" erwiesen, ihre Liegenschaften zu schützen: "Eine Lösung wären vielleicht härtere Strafen und Hinrichtungen einzelner Personen, doch in einer Situation, in der die Führung oft nicht aus ideologisch verblendeten und bösartigen Individuen besteht, sondern aus loyalen Dummköpfen, ist die Lage noch nicht geeignet, irgendjemandem solche Befugnisse zu übertragen." "Sie haben genug Geld" Bereits Ende Mai hatte der Chef des russischen Industriellen-Verbandes, Alexander Schochin, bei einem Besuch im Kreml Putin um großkalibrige Abwehrwaffen und die Abordnung von Reservisten zum Schutz von Industrieanlagen gebeten [externer Link]: "Einige Probleme bedürfen noch einer Lösung." Anfang Juni fertigte Finanzminister Anton Siluanow die Oligarchen mit der Feststellung ab [externer Link], sie hätten genug Geld, ihre Anlagen vor Luftangriffen schützen zu lassen: "Sie können Schutzsysteme kaufen und die Kosten entsprechend einkalkulieren. Daher habe ich nichts von staatlichen Fördermitteln gehört, und wir planen auch nichts dergleichen." "Sogar Ausländer können angeworben werden" Seitdem schwelt in Russland eine Debatte über die Schaffung einer "privaten Luftverteidigung", die zum Beispiel Alexander Timokin im außenpolitischen russischen Fachblatt "Global Affairs" fordert [externer Link]. Er empfahl der Wirtschaft, einstweilen mit Fesselballons und Vernebelungs-Maschinen zu "experimentieren" und erwartete sich von einer Teil-Privatisierung der Luftabwehr Einsparungen in Milliardenhöhe. Unternehmen könnten nämlich "Personen rekrutieren, die aus gesundheitlichen Gründen nicht für den Militärdienst geeignet" seien: "Sogar Ausländer können für Positionen angeworben werden, die keine Waffensicherheitsüberprüfung erfordern. Das vergrößert den Pool an verfügbarem Personal." Dagegen fragte sich Anna Scherschnewa in einer Analyse für das Blatt "Argumente und Fakten" [externer Link]: "Warum sollte der Staat zahlreiche unabhängige paramilitärische Gruppen legalisieren, die mit Systemen für elektronische Kampfführung und hoher Mobilität ausgestattet sind?" Ihr Fazit: "Eine 'private Luftabwehr' wird das Problem der Drohnen und der Drohnenabwehr nicht lösen." Ein anonymer russischer General sagte in einem Interview mit Netz-Reporter Dmitri Kolesew [externer Link] zu den Problemen der Luftabwehr: "Das Problem ist in erster Linie Inkompetenz." Mehr als 30 Prozent der anfliegenden Drohnen könnten ohnehin nicht abgeschossen werden: "Mehr ist schlicht unmöglich; das sind die Naturgesetze. Wo die ukrainischen Streitkräfte eine Drohne einsetzen, benötigt Russland mindestens fünf oder sechs." "Kein Platz mehr für Menschen" Der Chef des Verbands der russischen Flugzeughersteller, Alexander Rogosin, warnte unterdessen [externer Link]: "Billige Ziele [wie Drohnen] zwingen zum Aufbau einer teuren Abwehr. So gerät die Kriegswirtschaft in eine Abwärtsspirale. Das Problem ist nicht, dass eine Drohne nicht abgeschossen werden kann; das Problem ist, dass der Abschuss oft zu teuer ist. Man kann zwar technisch jeden einzelnen Abfangversuch gewinnen, aber den Krieg wirtschaftlich verlieren." Blogger Juri Barantschik hielt es für eine "Illusion", absolute Sicherheit vor Drohnen-Angriffen erreichen zu können und empfahl, auf Künstliche Intelligenz zu setzen [externer Link]: "Natürlich ist in diesem schnelllebigen Umfeld [des Drohnen-Kriegs] kein Platz mehr für den Menschen. Einen menschlichen Bediener in der Überwachung zu belassen, bedeutet, zu verlieren, bevor der Kampf überhaupt begonnen hat." "Stalin hätte die Schuldigen gefunden" Mit "privater" Luftverteidigung können manche Militärblogger gar nichts anfangen, ganz im Gegenteil [externer Link], sie schimpfen auf den "Kapitalismus": "Niemand übernimmt die Verantwortung für die Drohnen, die ihr Ziel erreichen. Sie fliegen quer durchs ganze Land und umgehen dabei die regionale Luftabwehr. Nichts lässt sich tun, niemand ist schuld. Und dann wundern sie sich über Stalins Popularität im Land. Stalin hätte die Schuldigen gefunden."

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren