Abwehr ballistischer Raketen: Kann eine fast vergessene Waffe der Ukraine helfen?
Seit Jahren kämpft die Ukraine vergeblich um mehr Hilfe bei der Abwehr von Russlands ballistischen Raketen. In Zukunft könnte sogar wieder häufiger auf S-300-Flugabwehr zurückgegriffen werden. Doch auch dafür braucht es Unterstützung. Die Ukraine ist Russlands Angriffen mit ballistischen Raketen in den vergangenen Wochen fast schutzlos ausgeliefert gewesen. Viele tote Zivilisten waren die Folge. Der Hauptgrund dafür liegt im akuten Mangel an Raketen für Patriot-Flugabwehrsysteme. Auch von der italienisch-französischen SAMP/T-Flugabwehr verfügt die ukrainische Luftwaffe über zu wenige Exemplare mit ausreichend Raketen. Weitere Systeme zur Bekämpfung von ballistischen Raketen gibt es in der Ukraine nicht - eigentlich. Denn als ehemalige Sowjetrepublik verfügt die Ukraine noch über diverse S-300-Flugabwehrsysteme. Eines wurde zudem 2022 von der Slowakei gespendet. Es handelt sich dabei um alte Technik, die im Kampf gegen die russische Invasion in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren hat. Ein ukrainischer Kommandeur, der bei den schweren Kämpfen um Kiew im Jahr 2022 an einem S-300 stationiert war, sagte ntv.de, mit modernen, digitalisierten Flugabwehrsystemen wie Iris-T aus Deutschland sei es viel einfacher, Aufgaben zu erfüllen. Laut dem International Institute for Strategic Studies (IISS) sind zudem die ukrainischen Raketenbestände aus Sowjetzeiten schon Ende 2022 zur Neige gegangen. Neuproduktionen gibt es nicht. Somit bleiben wenige Optionen, damit die S-300-Systeme eine Hilfe gegen Russlands ballistische Angriffe sein können: die Reste an alten Raketen, die es noch in ukrainischen Lagern gibt, modernisieren - oder die Produktion hochfahren. Außerdem könnten Verbündete um Lieferungen gebeten werden. Anfang des Monats sagte der pensionierte US-Oberst Robert Hamilton in einem Interview mit PBS: "Es gibt derzeit eine amerikanisch-ukrainische Initiative, bei der die alten S-300-Raketen beziehungsweise eine neuere Variante des S-300 nachgerüstet oder modernisiert werden sollen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern." Die Inbetriebnahme sei für Ende dieses Jahres geplant. Hamilton sprach zudem von einer Produktionskapazität von 100 bis 200 Einheiten pro Jahr. Das ist bei den vielen ballistischen Raketen, die Russland einsetzt, zwar zu wenig. Angesichts der prekären Lage, in der Patriot-Systeme ohne eine einzige Flugabwehrrakete herumstehen, benötigt die Ukraine jedoch jede erdenkliche Hilfe. Mögliche Hilfe durch Griechenland Eine weitere Lösung wäre die Lieferung von S-300-Raketen durch Partnerstaaten. "Forbes" nennt dabei in einem aktuellen Bericht Griechenland als möglichen Lieferanten. Athen besitze mit der S-300PMU-1 noch eine relativ moderne Variante sowie Bestände an Abfangraketen aus den späten 1990er-Jahren. Damals sollen zwei Systeme und 175 5V55U-Raketen erworben worden sein, die bei der Bekämpfung von ballistischen Raketen jedoch nicht vergleichbar mit modernen Patriot-Raketen sind. Nach einer baldigen Lieferung an die Ukraine sieht es zudem ohnehin nicht aus - auch wenn sich Norwegen in der Vergangenheit bereitwillig zeigte, S-300-Raketen zu finanzieren. Laut Forbes will Griechenland keine S-300 abgeben, solange es nicht einen vergleichbaren zeitnahen Ersatz gibt. Athen hat dabei die Spannungen mit der Türkei in Blick. George Tzogopoulos, ein leitender Mitarbeiter des Centre International de Formation Européenne, sagte zudem, Griechenland wolle den Konflikt mit Russland nicht weiter verschärfen. Moskau soll dem Bericht zufolge behauptet haben, es brauche eine Genehmigung für die Weitergabe. Darüber hinaus ist auch das Verhältnis zwischen der Ukraine und Griechenland nicht das Beste. Im Mai wurde in der Nähe der griechischen Insel Lefkada eine ukrainische Seedrohne entdeckt, die möglicherweise Tanker mit russischem Öl attackieren sollte. Kiew entschuldigte sich anschließend bei Athen.