Acht Biber beenden jahrzentelanges Hochwasserproblem
rosenheim24-de Welt Welt-News Acht Biber beenden jahrzehntelanges Hochwasserproblem – „Für verrückt gehalten“ Von: Martina Hunger Uns auf Google folgen Seit den 1970er-Jahren kämpfte ein Londoner Stadtteil mit Überschwemmungen. Dann setzte man auf Biber – und plötzlich blieb das Wasser dort, wo es bleiben sollte. London – Manchmal kommt die Lösung nicht aus Beton, Stahl oder teuren Bauplänen – sondern auf vier Pfoten, mit scharfen Zähnen und einem erstaunlichen Gespür für Wasser. Im Londoner Stadtteil Ealing haben Biber offenbar ein Problem gelöst, das die Gegend seit Jahrzehnten beschäftigte: regelmäßige Überschwemmungen. Seit den 1970er-Jahren hatte Ealing immer wieder mit Hochwasser zu kämpfen. Aufwendige und kostspielige Maßnahmen wie das Begradigen und Betonieren eines Kanals brachten laut Independent nicht den gewünschten Erfolg. Dann entschied sich der zuständige Council für einen ungewöhnlichen Ansatz: Biber als natürliche Hochwasser-Helfer. Im Jahr 2023 wurden zunächst fünf Tiere im Gebiet Paradise Fields ausgesetzt. Inzwischen ist die Gruppe auf acht Biber angewachsen. Und die Nager machten genau das, was Biber tun: Sie bauten Dämme. Paradise Fields wird zum natürlichen Schwamm Mindestens fünf Dämme sollen die Biber inzwischen angelegt haben. Die Wirkung ist beeindruckend: 2024 war laut Bericht das erste Jahr seit rund einem halben Jahrhundert, in dem Ealing nicht mit Hochwasser zu kämpfen hatte. Der Grund liegt in der Art, wie Biber Landschaft verändern. Ihre Dämme bremsen das Wasser, stauen es an und verwandeln Flächen in eine Art natürlichen Schwamm. Große Wassermengen können dadurch gespeichert werden, statt unkontrolliert durch den Stadtteil zu rauschen. Für Anwohner bedeutet das: weniger überflutete Straßen, Wohnungen und Verkehrswege. Für die Natur bedeutet es noch mehr. Denn wo Wasser langsamer fließt und länger bleibt, entstehen neue Lebensräume. Biber-Dämme fördern Artenvielfalt Die Biber haben in Paradise Fields offenbar nicht nur das Hochwasserproblem entschärft. Ihre Arbeit verändert das gesamte Ökosystem. Durch die Dämme verbessert sich die Wasserqualität, die Strömung wird ruhiger, und am Ufer entsteht mehr Licht, weil Biber für ihre Bauten Bäume fällen. Davon profitieren laut Bericht Fische, Insekten, Vögel, Fledermäuse und Amphibien. Das Projekt zeigt damit, wie stark einzelne Tierarten eine Landschaft prägen können. Biber gelten deshalb als Ökoingenieure: Sie gestalten Lebensräume um – und schaffen dadurch Bedingungen, von denen viele andere Arten profitieren. Dass ausgerechnet Biber mitten in London zu kleinen Klimaanpassungshelfern werden, klingt für viele erst einmal ungewöhnlich. Doch genau diese Idee sorgt inzwischen für Aufmerksamkeit weit über den Stadtteil hinaus. David Attenborough staunt über wilde Biber in London Das Projekt hat mittlerweile sogar prominente Aufmerksamkeit bekommen. Naturforscher und Dokumentarfilm-Legende David Attenborough wurde auf Paradise Fields aufmerksam und zeigte sich beeindruckt davon, mitten in London wilde Biber beobachten zu können. Der Ansatz gilt inzwischen als Pilotprojekt für ähnliche Vorhaben in England. Auch der Londoner Bezirk Enfield setzte 2023 Biber aus. Croydon will laut Bericht im Jahr 2028 nachziehen. Ganz unumstritten sind Biberprojekte allerdings nicht. Vor allem Landwirte fürchten Schäden durch überflutete Flächen, beschädigte Ufer oder gefällte Bäume. In anderen Regionen mussten Dämme bereits entfernt oder Tiere umgesiedelt werden. Biber statt Beton: Hoffnung mit Grenzen Trotz solcher Konflikte zeigt der Fall Ealing, wie wirksam natürliche Lösungen sein können. Eine internationale Studie zu mehr als 1000 Starkregenereignissen an Biberstandorten kam laut Focus zu dem Ergebnis, dass Biberdämme Hochwasser bei starken Stürmen um bis zu 60 Prozent abschwächen können. Das bedeutet nicht, dass Biber überall die Antwort auf Hochwasserprobleme sind. Aber sie können dort helfen, wo Flüsse wieder mehr Raum bekommen und Landschaften Wasser aufnehmen dürfen.