Adenauer & Co.: Modekette meldet Insolvenz an - glaubt aber an Erfolg
Textilbranche: Modekette Adenauer & Co. meldet Insolvenz an Das Unternehmen mit über 50 Filialen könnte Opfer von Betrügern geworden sein. Gründer Andreas Adenauer, Enkel des ehemaligen Bundeskanzlers, glaubt trotz Krise an den Fortbetrieb. Adenauer & Co. betreibt zahlreiche Filialen auf deutschen Inseln – wie hier auf Sylt. Foto: imago images/Lindenthaler 2011 erfüllte sich Andreas Adenauer einen großen Traum. Nachdem er bereits viele Jahre in der Modebranche für Marken wie Esprit und O’Neill unterwegs gewesen war, gründete er seine eigene Modekette: Adenauer & Co. Seitdem expandierte die Marke, und wuchs zuletzt auf 59 Filialen in Deutschland, Spanien und Österreich an. Doch nun musste Adenauer, Enkel des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer, am Montag Insolvenz anmelden. Mit seiner eigenen Modemarke vertreibt Adenauer gehobene Freizeitmode mit maritimem Einschlag. Angeboten werden Hoodies, T-Shirts, Hosen, Hemden und Jacken mit einem markanten Logo und der Zahl 1876: dem Geburtsjahr von Konrad Adenauer. Erfolgreich war das Unternehmen viele Jahre besonders in Norddeutschland, wo das Label Filialen auch im Küstenstil betrieb: die sogenannten Strandhäuser. „Die Läden sind alle liebevoll per Hand dekoriert“, sagt Adenauer. Urlauber konnten sich auf Föhr, Fehmarn oder Juist neu einkleiden. Aber auch in Innenstädten von Düsseldorf, Dortmund oder Bochum konnten Kunden stöbern. Etwa 40 Millionen Euro seien zuletzt im Außenumsatz erwirtschaftet und 200 Mitarbeiter beschäftigt worden, sagt Adenauer. Erste Standorte schließen bereits Doch zuletzt lief es an einigen Standorten nicht mehr so gut. Im Juni schloss Adenauer & Co. bereits den Store in Dresden. Laut Aushang war es dem Unternehmen „auf Dauer wirtschaftlich nicht möglich“, die Filiale weiterzuführen. Erst vor wenigen Tagen, am 18. Juli, war auch in Bonn Schluss. Begründet wurde die Schließung dort mit einer Kaufzurückhaltung der Kundschaft. Weitere Standortschließungen dürften im Rahmen des Insolvenzverfahrens nun folgen, wie Adenauer erklärt. Der Gründer blickt jedoch positiv auf das Insolvenzverfahren und glaubt an eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens. „Unser Problem ist nicht das Produkt. Wir hatten ein Betrugsproblem“, sagt er. 1876 steht für das Geburtsjahr von Konrad Adenauer. Foto: IMAGO/Funke Foto Services Adenauer spricht damit einen Vorfall in der Türkei an. Nachdem sein Unternehmen die Kleidung lange in Europa produziert hatte, investierte es nach der Covid-Pandemie in eine Fertigung in der Türkei. Nach einem erfolgreichen Start wirkte sich jedoch erst die hohe Inflation negativ auf die Produktion aus, dann sollen Kriminelle das Unternehmen geschädigt haben, wie Adenauer erzählt. „Es wurden Gelder veruntreut“, so sein Vorwurf. Mit gefälschten Zahlen sei er hinters Licht geführt worden. Der Schaden soll im mittleren einstelligen Millionenbereich liegen. Das Geld fehlte am Ende, um den laufenden Betrieb der Modekette zu sichern. Konjunktur Die Modebranche stürzt ab – und diese Branchen könnten folgen von Florian Weyand Um das Unternehmen zu restrukturieren, wurde bereits am 15. Mai ein Antrag auf Einleitung eines Eigenverwaltungsverfahrens beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Die einzelnen Verfahren der gesamten Unternehmensgruppe wurden daraufhin am 1. August planmäßig in Eigenverwaltung eröffnet. Die Löhne und Gehälter aller Beschäftigten waren bis Ende Juli im Rahmen der Regelungen zum Insolvenzgeld gesichert. Das führte zu einer finanziellen Entlastung und begünstigte die Umsetzung der geplanten Restrukturierungsmaßnahmen erheblich. Die auf Insolvenz- und Sanierungsrecht spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei VOIGT SALUS begleitet das Unternehmen für die Dauer der gerichtlichen Sanierung. Die beiden Fachanwälte, Franz Zilkens und Thomas Ellrich, steuern den gesamten Prozess gemeinsam mit dem Geschäftsführer und der erweiterten Geschäftsführung als Generalbevollmächtigte. Erste Investoren melden Interesse an „Für Adenauer steht der weitere Bestand des Unternehmens an oberster Stelle. Die Marke ist von dem Verfahren nicht betroffen. Wir blicken daher zuversichtlich auf die kommenden Monate und sind überzeugt, dass Adenauer mit dem nun eingeleiteten Eigenverwaltungsverfahren nachhaltig an bisherige Erfolge anknüpfen kann, auch wenn einige Standorte künftige nicht weiter aufrechterhalten bleiben können“, sagt Zilkens. So gibt es aktuell bereits verbindliche Übergangslösungen, die gemeinsam mit dem größten Franchisenehmer verhandelt werden und eine belastbare Zukunft gewährleisten können. Die aktuellen Planungen sehen vor, dass die Sanierungsmaßnahmen Ende Oktober abgeschlossen sein sollen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche sollen bereits mehrere Investorengruppen ihr Interesse an einem Einstieg bei Adenauer & Co. angemeldet haben. Andreas Adenauer ist jedenfalls überzeugt davon, dass die von ihm aufgebaute Modemarke künftig weiter existieren wird. „Die Marke ist sehr stark, die Umsätze sind gut, aber es fehlte uns am Ende am Kapital.“ Lesen Sie auch: Der Mann, der Strenesse rettete (mithilfe zweier Adeliger) Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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