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Adios, Argentinien - letztes Länderspiel von Messi

Sport

"Das Spiel hat bis heute kein vergleichbares Talent hervorgebracht. Für mich ist er der größte Fußballer aller Zeiten. Sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft ist herzzerreißend", sagte Pep Guardiola. Der Spanier war lange Jahre Lionel Messis Trainer in Barcelona - und äußerte diese emotionalen Worte Ende August, als "La Pulga" (der Floh) seinen Abschied aus der Albiceleste verkündet hatte.

Fünf Wochen ist das nun her, und nun fällt er, der letzte Vorhang: Um 1 Uhr MESZ in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (Übertragung der Partie bei sportdigital) feiert der gemeinsam mit seinem Landsmann Diego Maradona beste Zehner aller Zeiten seinen Abschied. Moment, Zehner? Er war natürlich auch Rechtsaußen, manchmal auch Mittelstürmer, er war am besten, wenn er als Freigeist überall unterwegs und nirgendwo zu greifen war.

Der "letzte Fußballgott mit der Nummer 10"

"Das wird für alle ein unvergesslicher Tag. Jeder möchte bei diesem Spiel dabei sein, und jetzt geht es einfach darum, es zu genießen", sagt Nationaltrainer Lionel Scaloni. Die argentinischen Zeitungen formulieren es noch etwas pathetischer: "Clarin" schreibt vom "letzten Fußballgott mit der Nummer 10", "La Nacion" blickt auf den "letzten Tanz" als "Tag, der im kollektiven Gedächtnis eines Volkes bleiben wird".

Es werden sicher Tränen fließen, denn der 39-Jährige hat selbst gesagt, dass seine Rücktrittserklärung nach der Vize-Weltmeisterschaft im Sommer eine "sehr schmerzhafte Entscheidung" war, die ihm bis heute wehtue.

In einem emotionalen Brief schrieb er: "Ich liebe es, ich habe es geliebt und ich werde es immer lieben, Teil der Nationalmannschaft zu sein. Ich schwöre euch, ich habe immer alles gegeben – nicht nur in den letzten Jahren, in denen wir alles gewonnen haben, sondern auch davor. Ich habe immer gekämpft und mich für dieses Trikot verausgabt, um euch Freude zu schenken und euch durch den Fußball stolz darauf zu machen, Argentinier zu sein." Sein Fazit: "Danke, Gott, dass du mich zum Argentinier gemacht hast."

21 Jahre lang in Barcelona

Messi - das ist in Barcelona immer noch ein Zauberwort. Bei den Katalenen spielte er, seit er 13 Jahre jung war, erst in der legendären Jugendakademie La Masia, dann in allen Junioren-Teams, ehe er mit 17 Jahren, drei Monaten und 22 Tagen am 16. Oktober 2004 sein Profidebüt gab: In der 82. Minute wurde er im Stadtderby gegen Espanyol für Deco eingewechselt.

Nach insgesamt 21 unfassbar erfolgreichen Jahren beim FC Barcelona ging er 2021 zum Milliardärsklub Paris St. Germain, angeblich nicht aus ganz freien Stücken, sondern weil sich Barca sein Gehalt nicht mehr leisten konnte.

An der Seite von anderen Superstars wie Neymar, Kylian Mbappé und Luis Suarez schaffte es PSG nicht, den angestrebten Titel in der Champions League zu gewinnen, zwei Jahre später verließ Messi Frankreich in Richtung USA. Bis heute spielt er in der Major League Soccer beim Beckham-Klub Inter Miami und will das auch nach seinem Abschied aus der Albiceleste weiter tun: Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2028.

Ein WM-Titel, zwei Triumphe bei der Copa America

Jetzt geht es aber erstmal nur um seinen Abschied von der großen internationalen Bühne, auf der er nach vielen erfolglosen Jahren und einem revidierten Rücktritt inzwischen einen Weltmeistertitel und zwei Triumphe bei der Copa America gefeiert hat. Beinahe hätte es auch 2026 geklappt mit dem zweiten WM-Triumph, aber Spanien war zu stark und hinterließ einen enttäuschten Messi.

Das soll und wird nach der Partie gegen Benin anders ausschauen: "Ich möchte es genießen und ich möchte ihn lächeln sehen", sagte Torhüter Emiliano Martinez, mit dem Messi 2022 in Katar den WM-Pokal hochhielt.

Messi will als Fan weiter dabei sein

Messis Familie wird dabei sein, seine Frau Antonela, seine drei Söhne. Vater Jorge ist kürzlich mit nur 68 Jahren verstorben. "La Pulga" wird natürlich noch einmal die Nummer 10 tragen, er bekommt eine Sonderanfertigung in goldener Farbe.

Scaloni spricht mit allergrößtem Respekt über die Zukunft seiner Auswahl ohne Messi: "Wir werden als Mannschaft versuchen, die Lücke zu schließen, die Leo hinterlässt." Messi will dann als Fan anfeuern, das hat er bereits angekündigt. "Jetzt werde ich einer von euch."

Zehn Meilensteine der Nummer 10

DER START (2005): Lionel Messis Geschichte für Argentinien beginnt denkbar unglücklich. Am 17. August 2005 wird der "Floh" aus Rosario als 18-Jähriger gegen Ungarn eingewechselt – und fliegt nach nicht einmal einer Minute wegen einer Tätlichkeit vom Platz. Sein erstes Länderspieltor erzielt Messi am 1. März 2006 beim 2:3 gegen Kroatien per sehenswertem Schlenzer mit seinem linken Fuß.

DAS WM-DEBÜT (2006): Messis WM-Achterbahnfahrt beginnt bei der Endrunde in Deutschland 2006, neben Stars wie Carlos Tévez, Javier Saviola und Hernán Crespo hat er es nicht leicht. In der Gruppenphase erzielt er sein erstes WM-Tor, im Viertelfinale gegen Deutschland muss Messi jedoch 120 Minuten von der Bank zusehen, wie Argentinien im Elfmeterschießen ausscheidet. Zu Hause entbrennt die Diskussion, warum der Jungstar nicht zum Einsatz kam.

DER RÜCKSCHLAG (2007): Messi spielt insgesamt eine starke Copa América, doch ausgerechnet im Finale folgt die Ernüchterung. Argentinien geht als Favorit in das Duell mit Brasilien, verliert in Maracaibo/Venezuela aber deutlich mit 0:3. Für Messi ist es die erste große Finalniederlage. Es wird nicht die letzte bleiben – der Druck auf den Ausnahmekönner in seiner Heimat wächst in den folgenden Jahren stetig.

DIE NUMMER 10 (2009): Mit Diego Maradona als Nationaltrainer beginnt für Messi eine neue Ära: Nach dem Karriereende von Juan Román Riquelme erhält "La Pulga" dauerhaft die legendäre Nummer 10, die einst Maradona trug. Messi ist bei Barcelona längst ein Weltstar, doch in Argentinien wird immer wieder gefragt, warum er im Nationalteam nicht dieselbe Magie entfaltet. Die Rückennummer wird damit gleichermaßen zum Ritterschlag und zur Bürde: Messi soll endgültig Maradonas Erbe antreten, die Erwartungen steigen ins Unermessliche.

DIE KAPITÄNSBINDE (2010): Unter Maradona trägt Messi als Ersatz von Javier Mascherano erstmals die Kapitänsbinde der Albiceleste, später macht ihn Alejandro Sabella dauerhaft zum Spielführer. Damit verändert sich seine Rolle grundlegend. Aus dem hochbegabten Hoffnungsträger wird zunehmend der Anführer einer ganzen Fußballnation.

DAS DRAMA (2014): Messi führt Argentinien bei der WM 2014 ins Finale von Rio gegen Deutschland, Mario Götze lässt seinen Traum vom Titel in der Verlängerung platzen. Er wird zum besten Spielers des Turniers gewählt, doch das lindert Messis Schmerz und die Enttäuschung nach der Finalpleite nicht.

DER RÜCKTRITT (2016): "Das war's", sagt Messi und schockt seine Fans 2016 nach zwei verlorenen Endspielen bei der Copa América jeweils gegen Chile mit dem Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Mit nur 29 Jahren. Doch der Frust hält zum Glück nicht lange an - Messi tritt vom Rücktritt zurück.

DIE KRÖNUNG (2022): 2021 gewinnt Messi mit Argentinien endlich seinen ersten großen Titel, ausgerechnet im Maracana-Stadion triumphiert er mit seinem Team bei der Copa América gegen den Erzrivalen Brasilien. Ein Jahr später dann die Krönung, als der Nationalheld nach einem packenden Finale gegen Frankreich den WM-Pokal in den Himmel von Katar reckt.

DIE REKORDE: Nicht Diego Maradona, nicht Gabriel Batistuta oder Mario Kempes - Messi geht als absoluter Rekordspieler der Nationalmannschaft in Rente. In bisher 207 Länderspielen kommt der 39-Jährige auf 125 Tore und 68 Assists.

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