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AfD: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ – Siegmund spottet über Spiegel

Nation

Audioplayer wird geladen Anzeige Ob Donald Trump als IS-Henker (2017), Helmut Kohl als Birnen-Karikatur (1976) oder der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz 2023 mit ernstem Blick und der provokanten Aussage „Wir müssen endlich im großen Stil abschieben“ – der „Spiegel“ ist für seine polarisierenden Titelcover bekannt. Das wohl umstrittenste Motiv des Jahres liefert das Hamburger Magazin nun in seiner aktuellen Ausgabe vom 14. August: dramatisch-schwarzer Hintergrund, darauf zu sehen im frontalen Passbild-Format der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, mit ernster Miene und in kühlen Farben. Beim ersten Blick auf die Aufmachung kommen leicht Assoziationen zu einem Fahndungsplakat auf. Unter dem Foto prangt in dicken, roten Buchstaben: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Anzeige Im Intro der dazugehörenden Titelstory heißt es: „AfD-Spitzenpolitiker Ulrich Siegmund will sich in Sachsen-Anhalt an die Macht lächeln. Hinter ihm: ein rechtsextremes Netzwerk und Personal, das selbst der eigenen Parteispitze Angst macht.“ Siegmund, der vom Magazin auch als „gefährlicher Verführer“ bezeichnet wird, umgebe sich mit Männern, „deren politische Biografien tief in die neonazistische Szene reichen“. Was das Magazin als besonders gefährlich erachtet: Im Falle eines Wahlsiegs bei den kommenden Landtagswahlen will Siegmund vor allem auf Personen aus dem eigenen Landesverband setzen. Das meiste Personal käme aus dem sachsen-anhaltischen AfD-Landesverband. „Wir werden Angriffen ausgesetzt sein. Da muss man seinen Mitstreitern vertrauen können“, erklärte der AfD-Politiker. Anzeige Was aber den AfD-Spitzenkandidaten – Typ: „immer freundlicher Schwiegersohn“ – zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ macht, geht aus der Titelgeschichte nicht hervor. „Wer nach Ulrich Siegmunds Vergangenheit sucht, trifft auf einen erstaunlich durchschnittlichen Kleinstadtmenschen“, heißt es unter anderem. Volksnah trete er auf, „radikal in der Politik, nicht im Auftreten“. Einstige Weggefährten beschreiben ihn als „Schulschwarm“, „sehr erfolgreich bei Frauen“, aber auch als „Blender“ und als jemanden, der früh begriffen habe, wie wichtig Wirkung sei. Von einem ausgeprägten Machtinstinkt ist die Rede. Lesen Sie auch Wo Siegmund hinkommt, würden sich Trauben von Menschen bilden. „Es wirkt, als ziehe er aus diesen Begegnungen Energie. Andere Politiker sehen nach langen Wahlkämpfen ausgezehrt aus, werden dick oder dünn. Siegmund sieht immer gut aus – und weiß das.“ Weiter schreibt der „Spiegel“, dass Siegmund ein enormes Namensgedächtnis habe. „Das ist wohl eines seiner größten politischen Talente: Menschen das Gefühl zu geben, dass er sie sieht.“ Lesen Sie auch Bei der Linken sei man insgeheim neidisch auf „hochwertige Videos von Simson-Ausfahrten“. Hinter vorgehaltener Hand heiße es: „So jemanden bräuchten wir auch.“ In der Union und Teilen der Medien wachse hingegen der Fatalismus. „Vielleicht, sagen viele, lässt es sich dieses Jahr wirklich nicht mehr verhindern.“ Spott und Kritik am Spiegel-Cover, Siegmund spricht von „Ritterschlag“ Besonders bei der AfD sorgt das neue Spiegel-Cover bereits für Spott. „Bei allem Verständnis für die Panik im linken Lager: Die Verantwortlichen beim Spiegel haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank“, kommentiert AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen. Lesen Sie auch In den sozialen Medien stören sich viele an der aus ihrer Sicht übertriebenen Aufmachung des Covers. Thomas Mayer, Gründungsmitglied der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“, befindet: „Der Spiegel macht einen Politiker der extrem Rechten groß, zum Titelbildhelden. Wird sich die AfD freuen.“ Der Moderator und Podcaster Micky Beisenherz vergleicht das Cover ironisch mit einem Warnhinweis für Eltern, der die Zielgruppe genauso effektiv vom Produkt abhalte. Die Leute beim Spiegel seien „ja nicht dumm. Sie sind auch mindestens schamlos, wenn sie so etwas zum Titel machen und so tun, als würden sie sich für ‚den Erhalt der Demokratie’ einsetzen“. „Der Spiegel hat Siegmund zum gefährlichsten Mann Deutschlands erklärt“, schreibt Rainer Zitelmann auf X. „Keinen Clankönig, keinen islamistischer Gefährder, sondern den AfD-Kandidaten.“ Der Autor fragt: „Wer ist die gefährlichste Frau Deutschlands? Heidi Reichinnek? Bärbel Bas? Ursula von der Leyen?“ Lesen Sie auch Auch bei manchem SPD-Politiker kommt das Cover nicht gut an. „Wer um Himmels willen hat beim Spiegel denn dieses Cover freigegeben?“, fragt Ali Kaan Sevinc, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Essen-Frohnhausen/Altendor. „Wahlgeschenk für die AfD in Sachsen-Anhalt?“ Auch der Betroffene selbst hat das neue Spiegel-Cover bereits gesehen und wird bei einem Wahlkampf-Auftritt im Interview danach gefragt. „Auf dem Spiegel-Cover steht, Sie wären der gefährlichste Mann Deutschlands. Sind Sie gefährlich oder ist das Fritze Merz?“, will ein Mann aus dem Off von Siegmund wissen. „Das muss man sich mal überlegen“, antwortet der AfD-Spitzenkandidat kopfschüttelnd, „also ein Terrorist ist nicht gefährlich, ein Straftäter ist nicht gefährlich, irgendwelche Attentäter sind nicht gefährlich, aber jemand, der sein Land liebt, der für eine bessere Zukunft kämpft und der die Demokratie wirklich zum Leben erwecken möchte, der ist der Gefährlichste bei uns in Deutschland …“ Lesen Sie auch Jeder Bürger solle sich über diese Aussage sein eigenes Urteil bilden. „Bessere Wahlwerbung kann man für uns gar nicht machen“, sagt Siegmund und fragt an die Interviewer gerichtet: „Oder wie seht ihr das? Bin ich so gefährlich?“ Die YouTuberin von „Utopia TV“ fragt daraufhin süffisant, wie es denn sei, Björn Höcke als gefährlichsten Mann Deutschlands „vom Thron gestoßen“ zu haben. Siegmunds Antwort: „Das zeigt ja, dass wir alles richtig machen. Das ist ein riesengroßer Ritterschlag.“ mit dpa

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