AfD in Sachsen-Anhalt: Pornostar, Stasi-Offizier, Russlandfreund
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Magdeburg (Sachsen-Anhalt) – Die neu gewählte AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt ist am Donnerstag zum ersten Mal zusammengekommen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) ist das Gesicht des AfD-Erfolgs – doch ein Blick auf die 39-köpfige Fraktion (darunter nur zwei Frauen) zeigt: Neben dem Wahlsieger sitzen auch ein ehemaliger Stasi-Offizier, ein verurteilter Politiker, mehrere Abgeordnete mit Ermittlungsverfahren und ein bekennender Russlandfreund im Landtag. Die AfD stellt damit nicht nur die größte Fraktion – sondern auch eine mit fragwürdigen Biografien.
Pornostar und Urkundenfälscher
Den schillerndsten Lebenslauf hat Phillipp-Anders Rau. 2009 wurde er wegen gemeinschaftlichen Diebstahls verurteilt. Acht Jahre später sprach ihn ein Gericht wegen Urkundenfälschung schuldig, nachdem er sich mit einem manipulierten Abiturzeugnis einen Studienplatz erschlichen hatte. Vor Gericht beriefen sich seine Anwälte auf seine Kokainsucht, um das Strafmaß zu senken. Für Schlagzeilen sorgte Rau später erneut, als er auf einem AfD-Parteitag 2024 einräumte, in Pornofilmen mitgewirkt zu haben.
Rau ist nicht der einzige Abgeordnete mit Justiz-Erfahrung. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen einer AfD‑Sonnenwendfeier.
Im Fokus stehen dabei die Abgeordneten Simon Lansmann und Sebastian Koch. Beide fielen schon früher durch Verbindungen zur verbotenen rechtsextremen „Artgemeinschaft“ auf. Die Verfahren laufen noch, bislang wurde niemand verurteilt.
Auch gegen andere Mitglieder der Fraktion wurde bereits ermittelt. Gegen Matthias Büttner (43, Staßfurt) und Daniel Wald (44) wurden Verfahren später eingestellt. Felix Zietmann (35) musste sich wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung vor Gericht verantworten, wurde 2026 jedoch freigesprochen.
Mit Frank-Ronald Bischoff (78) sitzt auch ein ehemaliger Stasi-Offizier im Landtag . Der Abgeordnete war von 1977 bis 1989 hauptamtlicher Offizier des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, zuletzt im Rang eines Hauptmanns.
Einer der einflussreichsten Köpfe der Fraktion ist Hans-Thomas Tillschneider (48). Der habilitierte Islamwissenschaftler gilt seit Jahren als Vordenker der AfD in Sachsen-Anhalt. Zuletzt sorgte er mit dem Vorschlag für Aufsehen, migrantische Kinder ohne Aussicht auf einen dauerhaften Aufenthalt in separaten Klassen zu unterrichten. Die weltberühmte Kunst- und Designschule Bauhaus bezeichnet er als „Irrweg der Moderne“.