AfD-Sieg Sachsen-Anhalt: Theo Müller nennt Ergebnis "Glücksfall”
Theo Müller
"Es ist nicht unser Krieg"
Von t-online, jha
12.09.2026 - 11:18 UhrLesedauer: 3 Min.
Theo Müller freut sich über den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt und sieht ein Signal an das ganze Land. Außerdem solle Deutschland die Unterstützung der Ukraine einstellen, fordert er.
Theo Müller übernahm in den 1970er-Jahren die kleine Familienmolkerei mit vier Angestellten und baute sie zu einem Milchriesen mit 35.000 Mitarbeitern und Milliardenumsatz aus. Heute lebt der 86-jährige Mehrheitseigner der Unternehmensgruppe Theo Müller in einer Villa am Zürichsee. Dort hat er der "Welt am Sonntag" in einem Interview erklärt, wie er auf den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt blickt und was das aus seiner Sicht für die Bundesregierung bedeuten sollte.
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag mit 43,8 Prozent der Stimmen deutlich gewonnen und stellt mit 39 Abgeordneten die größte Fraktion im Landtag. Müller bezeichnete das Ergebnis als "Glücksfall". Der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel, mit der er befreundet ist, habe er sofort gesimst: "Gratuliere zum sensationellen Erfolg!" Auf die Frage, ob er ihr das Kanzleramt zutraue, antwortete Müller: "Logisch." Die Bürger von Sachsen-Anhalt hätten mit dem Ergebnis ein Signal an das ganze Land gesendet: "Mit der bisherigen Politik kann es so nicht weitergehen."
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Aufruf zur Minderheitsregierung
Deshalb hat Müller Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu aufgerufen, die SPD aus der Regierung zu entlassen und stattdessen mit wechselnden Mehrheiten zu regieren. Für seine Reformvorschläge komme aus seiner Sicht ohnehin nur ein Partner infrage: "Da bliebe nur die AfD übrig", sagte er. Sein Wunschszenario: "Schwarz und Blau. Dann wäre Deutschland bald saniert."
Zugleich nannte Müller eine Position, die ihm zu weit gehe: Ein Austritt Deutschlands aus der EU oder dem Euro komme für ihn nicht infrage.
Langjährige Nähe zur AfD
Müllers Freundschaft mit Weidel ist nicht neu. Bereits 2023 hatte er dem "Handelsblatt" von einem gemeinsamen Abendessen in Cannes berichtet und erklärt, sich regelmäßig mit der AfD-Chefin auszutauschen. Zugleich betonte er wiederholt, die Partei nicht mit Spenden zu unterstützen, und distanzierte sich von rechtsextremen Positionen einzelner AfD-Mitglieder: "Ich bin selbst Immigrant", sagte er der "Neuen Zürcher Zeitung".
Die anhaltende Kritik an seiner Nähe zur AfD ficht Müller eigenen Angaben zufolge wirtschaftlich nicht an. 2025 sei das bislang beste Jahr seines Unternehmens gewesen, 2026 werde es voraussichtlich noch übertreffen.
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Die Debatte über den AfD-Begriff "Remigration" bezeichnet Müller, der selbst CSU-Mitglied ist, als überzogen. Er habe das Parteiprogramm gelesen, sagte er. "Remigration" bedeute demnach nur, dass Menschen ohne Aufenthaltsrecht das Land verlassen müssten, während Berechtigte bleiben dürften.
Kritiker befürchten, dass von einer millionenfachen Rückführung, wie sie der Chef der AfD-Jugendorganisation, Jean-Pascal Hohm, gefordert hatte, auch Deutsche mit Migrationshintergrund betroffen sein könnten. Müller relativierte das mit Verweis auf die Gerichte, die im Zweifel die Durchsetzung des Rechts garantierten. Zur Wortwahl der jungen AfD-Vertreter sagte er: "Die Jugend redet manchmal leichtsinnig daher. Da muss man Nachsicht üben."
Haltung zum Krieg in der Ukraine
Für die deutsche Wirtschaft forderte Müller ein Schuldenverbot sowie den Abbau von Subventionen. Die Energiewende, die er als "Wende ins Nichts" bezeichnete, solle beendet werden. Zudem sprach er sich für ein Ende der Entwicklungshilfe und der deutschen Unterstützung für die Ukraine aus.
Den Krieg bezeichnete er als "nicht unser Krieg" und verwies auf die Atomwaffen Russlands, die "die ganze Welt vernichten" könnten. Auf den Einwand, ohne westliche Unterstützung gäbe es die Ukraine vermutlich nicht mehr lange, räumte Müller ein, dass ihm eine neutrale Haltung nicht leichtfalle. Mit Blick auf die deutschen Interessen sei seine Position aber klar: "Wir sollten uns aus diesem Krieg heraushalten."