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"Affront": Auftritt von Alice Weidel erregt Unmut in der AfD

Nation

"Das ist ein Affront"

Auftritt von Weidel löst Ärger in der AfD aus

Aktualisiert am 20.10.2026 - 14:44 UhrLesedauer: 3 Min.

In der AfD NRW tobt ein erbitterter Machtkampf. Nun liefert ein Auftritt von Parteichefin Alice Weidel in Leverkusen neuen Zündstoff.

Am Samstag kämpften zwei AfD-Funktionäre bei einer Mensur mit Klingen gegeneinander, nun geht es im Lagerkampf der AfD in NRW etwas weniger martialisch weiter – aber nicht weniger feindselig. An diesem Dienstag tritt in Leverkusen bei zwei Veranstaltungen Parteiprominenz auf, darunter AfD-Chefin Alice Weidel, der Sachsen-Anhalter Fraktionschef Ulrich Siegmund und die AfD-Spitzenfunktionäre aus dem Europäischen Parlament, Alexander Sell und René Aust.

Auffällig ist, wer fehlt: NRW-Landeschef Martin Vincentz, der bei der Landtagswahl 2027 auch als Spitzenkandidat für die AfD antreten soll. Nach Informationen von t-online ist Vincentz nicht eingeladen worden – was hinter den Kulissen Diskussionen zwischen Spitzenfunktionären aus den beteiligten Landesverbänden auslöst.

Jetzt fließt Blut in NRW: AfD-Politiker treten mit Klingen gegeneinander an

"Parteitag der Schande": Revolte gegen Parteichefin Weidel

Denn die AfD in NRW ist tief in zwei Lager gespalten. Vincentz steht mit seinen Mitstreitern dabei auf der einen Seite. Auf der anderen machen der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich und Sven Tritschler, Mitglied im Bundesvorstand und enger Vertrauter von Weidel, mobil. Gerade kämpft man um die Liste für die Landtagswahl. Sie gilt als Schlüssel, um sich die Macht im Verband dauerhaft zu sichern und das andere Lager zu verdrängen.

Vincentz-Gegner Helferich als Moderator

Die Veranstaltung am Abend wird offiziell ausgerichtet von der Partei Europa der Souveränen Nationen (ESN), der die AfD in Brüssel angehört. Bereits am Nachmittag ist, ebenfalls in Leverkusen, zudem eine Diskussion mit 150 Parteifunktionären aus NRW geplant. Sie stammen nach Informationen von t-online vor allem aus dem Anti-Vincentz-Lager. Die Moderation dabei soll mit dem Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich einer von Vincentz' schärfsten Gegnern übernehmen. Diese Veranstaltung richten Personen aus dem Lager der Vincentz-Gegner aus. Man trage die Kosten "privat", heißt es aus ihren Kreisen. Man will demnach dort auch die Lage des Landesverbands NRW thematisieren.*

In Vincentz' Lager wertet man den Auftritt der Spitzenfunktionäre in Leverkusen ohne den Landeschef vor diesem Hintergrund als Provokation: "Das ist ein Affront", sagt einer der Unterstützer des Landeschefs aus NRW t-online. "Traurig" sei, was die Chefin da mache, und "schade", dass die anderen mitzögen. Von Mitgliedern des Bundesvorstands erwarte man, dass sie ausgleichend wirkten und "nicht weiter eskalieren".

Weidels Sprecher Daniel Tapp erklärt auf Anfrage von t-online, dass es sich um einen gewöhnlichen Auftritt handele. "Es gehört zu den Aufgaben als Parteichefin, die AfD nach außen zu vertreten – auch in NRW." Und: Die Veranstaltung am Abend werde ausgerichtet von der ESN, nicht vom Landesverband.

Landesliste wird angefochten

Der Lagerkampf in NRW strahlt bereits seit Längerem in die Bundes-AfD aus. Das liegt auch daran, dass Nordrhein-Westfalen der größte Landesverband der AfD ist und somit für den Machterhalt der Bundesvorsitzenden relevant sein kann. Weidel hat bereits in der Vergangenheit Präsenz bei Veranstaltungen von Vincentz-Gegnern gezeigt. Ihr Co-Sprecher Tino Chrupalla hingegen trat mit Vincentz und seinen Unterstützern in NRW auf.

Im Sommer hatte der Bundesvorstand um Alice Weidel versucht, die Aufstellung der Liste für die Landtagswahl 2027 in Nordrhein-Westfalen zu stoppen. Vincentz und seine Unterstützer gingen dabei hart vor, platzierten beinahe ausschließlich ihre Leute auf der Liste und sicherten sich so die Plätze im nächsten Parlament. Gegen den Versuch aus dem Bundesvorstand, die Aufstellungsversammlung zu unterbrechen, beantragten Vincentz und seine Unterstützer im Landesvorstand eine einstweilige Verfügung gegen den eigenen Bundesvorstand.

Spätestens seit diesem Vorgang scheint das Tischtuch zerschnitten. Der Bundesvorstand hat seither diverse Parteiordnungsverfahren wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens unter anderem im Rahmen der Aufstellungsversammlung gegen Vincentz und seine Unterstützer im Landesvorstand eröffnet. Rund 40 Funktionäre, die es nicht auf die Landesliste schafften, gehen dagegen vor einem parteiinternen Schiedsgericht vor.

*Transparenzhinweis: Wir haben an dieser Stelle klarer gemacht, dass die zweite Veranstaltung nicht von der ESN organisiert wird.

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