Aggression im Straßenverkehr: Jeder zweite Autofahrer reagiert sich sofort ab
Das Klima auf deutschen Straßen wird aggressiver. Das geht aus einer Langzeitstudie der Unfallforschung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Demzufolge verschlechterten sich beinahe alle erhobenen Werte zur Messung von aggressivem Verhalten. Der Trend halte seit etwa zehn Jahren an. »Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert«, erklärte die Leiterin der GDV-Unfallforschung, Kirstin Zeidler, zu den Ergebnissen. 47 Prozent der Autofahrer drängelten eigenen Angaben zufolge, wenn der Verkehr ihnen zu langsam erscheine. 32 Prozent scherten nach dem Überholen so dicht ein, dass andere Fahrzeuge bremsen müssten. Grundlage der Studie ist eine deutschlandweite repräsentative Onlinebefragung, die der GDV zum wiederholten Mal durchgeführt hat. Zwischen März und April 2026 nahmen 2004 Personen ab 18 Jahren teil. Viele Autofahrer schreiben Kurznachrichten Die große Mehrheit der Verkehrsteilnehmer sieht das Problem laut den Studienergebnissen nicht bei sich. So gaben 92 Prozent aller Studienteilnehmer von sich an, Radfahrer besonders vorsichtig zu überholen. Gleichzeitig gaben 86 Prozent an, zu enge Überholmanöver bei anderen Fahrern zu beobachten. Die permanente Erreichbarkeit und Hektik im Leben sorgten für zunehmenden Druck und eine kürzere Zündschnur bei den Verkehrsteilnehmern, erklärte Zeidler. So beobachtete der GDV auch eine bedenkliche Zunahme der Smartphonenutzung. Jeder vierte Fahrer schrieb laut Umfrage gelegentlich Nachrichten, jeder fünfte nutzte soziale Medien während der Fahrt. »Der Zeitgeist läuft der Sicherheit entgegen«, beurteilte Zeidler die Entwicklung. Das zunehmend aggressive Verhalten betrifft neben Autofahrern allerdings auch Radfahrer. 43 Prozent von ihnen gaben an, zumindest gelegentlich die Vorfahrt zu erzwingen, fast jeder zweite drängelt nach eigenen Angaben auf dem Radweg und überholt dort mit sehr wenig Abstand. Der GDV erhob mit der Umfrage zudem die Meinung der Befragten zu gesetzlichen Maßnahmen. Demnach befürworten 74 Prozent eine Nullpromillegrenze, 72 Prozent unterstützen eine 1,1-Promille-Grenze für Radfahrer. 60 Prozent sprechen sich für eine Tempobegrenzung von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen aus, 53 Prozent befürworten 80 Kilometer pro Stunde auf Landstraßen, 43 Prozent Tempo 30 in der Stadt.