Airbus A350F absolviert Erstflug: Dieser Jet fordert Boeings Frachter-Monopol heraus
Ein neues Kapitel im Wettstreit der Flugzeughersteller Airbus und Boeing ist aufgeschlagen. Am Dienstagmorgen ist erstmals ein A350-Frachtflieger abgehoben. Der Jungfernflug ist ein wichtiger Meilenstein in den Bemühungen des europäischen Flugzeugherstellers, sich einen größeren Anteil am wachsenden Frachtgeschäft zu sichern.
Das Flugzeug, kurz A350F genannt, das in einem kartonartigen Beige lackiert ist, um einem Paket zu ähneln, startete vom Airbus-Standort in Toulouse in Südfrankreich, wo das Unternehmen seinen Hauptsitz hat. Der Erstflug dauerte vier Stunden und zehn Minuten und ging bis zu einer Höhe von etwa 7600 Metern. Die Erprobungsflüge sollen insgesamt neun Monate in Anspruch nehmen.
Im Jahr 2021 hatten die Airbus-Aufsichtsgremien grünes Licht für das Projekt gegeben. Damals waren fast 80 Prozent der weltweit 5000 Frachtflugzeuge aus dem Hause Boeing oder stammten von übernommenen Herstellern wie McDonnell Douglas.
Der Angriff auf diese Bastion des US-Rivalen kommt jetzt mit ein wenig Verzögerung. Der A350-Frachtflieger hatte ursprünglich bereits 2025 in Betrieb genommen werden sollen. Unter anderem führten Engpässe in der Lieferkette zu wiederholten Verzögerungen.
Das Flugzeug soll jetzt in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres bei den ersten Kunden in Dienst gestellt werden. Der Frachtflieger basiert auf der Plattform des größten derzeit von Airbus produzierten Flugzeugs, dem A350-1000. Es wurde speziell als Frachtflugzeug konzipiert und unterscheidet sich damit von vielen anderen Transportjets, die umgebaute Passagierflugzeuge sind.
Durch den Einsatz von Kohlefaserverbundwerkstoffen ist die A350F etwa 46 Tonnen leichter als eine Frachtversion der Boeing 747 und dadurch deutlich effizienter im Spritverbrauch. Die Airbus-Maschine kann bis zu 111 Tonnen Fracht laden – etwas weniger als die Boeing. Das neue Flugzeug tritt auch mit dem Frachtmodell der 777 von Boeing in Konkurrenz. Auf die beiden Boeings entfällt derzeit der Großteil des weltweiten Frachtverkehrs.
Airbus hat bereits mehr als hundert Bestellungen für die A350F erhalten. Dazu gehört eine Order von 20 Stück durch Atlas Air, eines der größten Luftfrachtunternehmen der Welt – und bisher treuer Boeing-Kunde. Im Mai hatte Air China eine Bestellung von sechs Jets um vier auf insgesamt zehn Exemplare erhöht.
Luftfracht gewinnt derzeit an Bedeutung. Rund ein Drittel des wertmäßigen Welthandels wird auf dem Luftweg transportiert. Die Nachfrage steigt unter anderem, weil Konflikte Seewege blockieren und der Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) den Transport von Halbleitern beschleunigt.
„Wir sehen einen Boom bei KI-Chips und -Servern, die in der Regel per Flugzeug transportiert werden“, sagt Crawford Hamilton, Leiter des Frachter-Marketings bei Airbus. Im ersten Halbjahr wuchs das weltweite Luftfrachtaufkommen trotz geringerer Mengen im Nahen Osten um 4,7 Prozent. Dies sei das stärkste Wachstum seit der Finanzkrise 2008 gewesen, fügte Hamilton hinzu.