Aktienanleihen: So bringen sie über 20 Prozent Zinsen - mit Risiko
Nervenkitzel fürs Depot Wo richtig fette Zinsen locken MeinungEine Kolumne von Jessica Schwarzer 19.07.2026 - 08:00 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Sparzinsen von sechs, sieben oder acht Prozent? Das war einmal. Es gibt aber Produkte, die locken mit mehr als 20 Prozent Zinsen. Was dahinter steckt. Zwar gibt es wieder Zinsen auf Tages- und Festgeld, doch sie sind nach wie vor mickrig. Ich habe in Zeiten sparen gelernt, als es noch sechs, sieben oder acht Prozent pro Jahr auf dem Sparbuch, für den Sparbrief oder die beliebten "Bundesschätzchen" gab. Das ist allerdings sehr, sehr lange her. Es gibt aber auch heute noch Produkte, die wirklich hohe Zinsen bringen und sogar mit zweistelligen Zinskupons locken. Das klingt super, oder? Hohe Zinsen, hohes Risiko Gemeint sind sogenannte Aktienanleihen – eine Mischung aus Anleihen- und Aktieninvestment mit garantiertem und oft üppigem Zinskupon. Zwei Beispiele: Morgen Stanley bietet gerade eine Aktienanleihe auf den amerikanischen Chiphersteller AMD an – Laufzeit ein Jahr, Zinskupon sagenhafte 23 Prozent. Die DZ Bank trommelt für eine Aktienanleihe auf den deutschen Halbleiterhersteller Infineon – ebenfalls ein Jahr Laufzeit, dazu ein hoher Zinskupon von 22,45 Prozent. Da schlägt das Herz der Zinsjäger gleich sehr viel höher, oder? Aber Vorsicht, das Ganze ist nicht ganz ungefährlich. Denn je höher die versprochene Rendite, desto größer auch das Risiko. Aber der Reihe nach. Wie funktionieren Aktienanleihen? Was spricht für und was gegen sie? Aktienanleihen kombinieren einen festen Zinsertrag mit der Kursentwicklung eines Basiswerts, also einer Aktie. Als Anleger profitieren Sie von hohen Zinsen, tragen allerdings das Risiko eines Verlusts, wenn der Kurs des Basiswerts unter eine bestimmte Schwelle fällt. Denn dann bekommen Sie eine vorher festgelegte Zahl von Aktien ins Depot gebucht, anstatt das investierte Geld zurückzubekommen. Und diese Aktien sind, weil ihr Kurs eben gefallen ist, weniger wert. Zur Person Jessica Schwarzer ist Finanzjournalistin, Bestsellerautorin und langjährige Beobachterin des weltweiten Börsengeschehens. Ihr aktuelles Buch "Über die Psychologie der Börse: 20 zeitlose Lektionen über Börsenpsychologie – So wirst Du ein besserer (und entspannterer) Anleger" erschien im Deutschen Wirtschaftsbuch Verlag. Bei t-online schreibt sie über Investments und Finanztrends, die eine breit gestreute Basis-Geldanlage ergänzen. Alle Gastbeiträge von Jessica Schwarzer lesen Sie hier. Die recht üppigen Zinsen sprechen zwar für die Papiere, doch dürfen Sie das damit verbundene Aktienrisiko auf keinen Fall ignorieren. Dieses Risiko sollten Sie vor allem deshalb nicht unterschätzen, weil die Papiere in der Regel nur eine Laufzeit von einem Jahr haben – manchmal etwas kürzer, manchmal etwas länger. Für ein Aktieninvestment ist das sehr kurzfristig, wodurch das Risiko steigt. Zinsen von mehr als 20 Prozent Die beiden genannten Beispiele mit den Super-Zinskupons haben eine Laufzeit von jeweils einem Jahr. Die Barriere liegt bei beiden Papieren bei 80 Prozent. Bei der AMD-Aktienanleihe darf der Kurs der Aktie am Bewertungstag nicht stärker als 20 Prozent gefallen sein, sonst gibt es Aktien. Bei der Infineon-Aktienanleihe darf er die Barriere nicht berühren oder unterschreiten. Der zugrunde liegende Aktienkurs wird am Festlegungstag bestimmt, wenn die Aktienanleihe ausgegeben wird. Ein Puffer von 20 Prozent klingt erst einmal recht komfortabel. Betrachtet man jedoch die starken Schwankungen beider Aktien zuletzt, wird das relativ große Risiko deutlich. Den Zinskupon erhalten Sie selbstverständlich immer, unabhängig von der Entwicklung der Aktie. Ich persönlich mische immer mal wieder Aktienanleihen in meinem Spielgeld-Depot bei. Ich setze dabei ausschließlich auf Neuemissionen, könnte aber natürlich auch Papiere wählen, die bereits an der Börse gehandelt werden. Aber da ist mir oft die Auswahl zu kompliziert. Daher die Neuemissionen. Dabei wähle ich aber nur Basiswerte, die ich sowieso schon im Depot habe oder haben wollen würde. Niemals würde ich einen Basiswert wählen, in den ich nicht grundsätzlich auch als Einzelaktie investieren würde. Denn es kann eben passieren, dass nicht das investierte Geld auf dem Konto, sondern die Aktie im Depot landet. Auch von gehypten Aktien, die zuletzt extrem stark gestiegen sind, lasse ich die Finger. Anzeige Zum Artikel passende Produkte Ausgewählt von unserem Börsenexperten Benjamin Feingold AMD-Aktie AktieUS0079031078 Wie im Beitrag beschrieben, stehen Aktienanlegern verschiedene Wege offen, je nach gewünschtem Chance-Risikoprofil zu investieren. Neben dem direkten Aktienkauf bieten vor allem Aktienanleihen eine defensivere Alternative – mit planbaren Zinsen und einem Sicherheitspuffer gegenüber Kursrückschlägen. Für wen geeignet?Mittel- bis Langfristanleger In welcher Marktsituation geeignet?Steigende Kurse in der AMD-Aktie Risikoklasse: Mittel Laufende Gebühren: 1 Euro pro Trade Infineon-Aktie AktieDE0006231004 Die Zinsen von Aktienanleihen können sehr attraktiv ausfallen, da sie direkt von der Schwankungsintensität einer Aktie abhängen. Je volatiler, desto potenziell höher fällt der Zins aus und damit das Verhältnis von Chance und Risiko. Für wen geeignet? ittel- bis Langfristanleger In welcher Marktsituation geeignet?Steigende Kurse in der Infineon-Aktie Risikoklasse: Mittel Laufende Gebühren: 1 Euro pro Trade Aktienanleihen als spannende Beimischung Aktuell liegt eine Aktienanleihe auf einen Rüstungskonzern in meinem Depot. Sie läuft noch bis Anfang Oktober und hat einen Kupon von 14,75 Prozent. Beim aktuellen Kurs des Basiswerts würde es die Aktie geben, nicht das Geld. Das kann sich aber noch ändern, denn die Aktie schwankte zuletzt kräftig. Der Kurs notiert aber nahe der Barriere, weshalb ich mir wenig Sorgen mache. Dass die Aktie zu einem niedrigeren Kurs in meinem Depot landen könnte und ich etwas länger halten müsste, bis sie sich hoffentlich erholt, habe ich einkalkuliert. Die Zinsen bekomme ich aber auf jeden Fall. Ich mag diese Kombination aus Zinszahlung und Aktienrisiko. Blenden lasse ich mich von den Zinskupons aber nicht. Je höher sie sind, desto riskanter das Ganze. Es ist wichtig, sich den Basiswert, also die Aktie vor einem Investment in eine Aktienanleihe sehr genau anzuschauen. Welche Chancen und Risiken gibt es? Will ich sie gegebenenfalls im Depot haben oder auf gar keinen Fall? Welche Markterwartung habe ich? Erst wenn die Antworten auf diese Fragen positiv ausfallen, lasse ich mich vom Zinskupon begeistern. Wichtig ist aber, dass solche Papiere immer nur Beimischung sind. Sie sind auf keinen Fall eine Alternative zu Tages- oder Festgeld. Verwendete Quellen Eigene Meinung Transparenzhinweis Der Artikel stellt keine Kauf- oder Anlageberatung dar. Auf Finanzanalysen von Dritten hat die t-online-Redaktion keinen Einfluss. Quellen anzeigen