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AKW-Rückbau: Diese Deponien in SH sollen den Abfall aufnehmen

Technologie

Stand: 28.08.2026 21:20 Uhr

Wohin mit dem AKW-Bauschutt aus Brunsbüttel und Brokdorf? Der Rückbau der Kraftwerke läuft - ebenso der Streit um die Abfälle. Nun hat das Landesamt für Umwelt in SH entschieden, welche Deponien ihn aufnehmen sollen.

Die Abfälle gelten als "freigemessen" - sind laut Umweltministerium also nicht radioaktiv. Und dennoch möchte keine Deponie in Schleswig-Holstein den Bauschutt aus den Kernkraftwerken Brokdorf (Kreis Steinburg) und Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) freiwillig aufnehmen.

Jetzt hat das Landesamt für Umwelt (LfU) in Abstimmung mit dem Umweltministerium entschieden: Der Brokdorf-Abfall soll zur Deponie in Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) gebracht werden, der Bauschutt des Brunsbüttel-Rückbaus soll von der Deponie Johannistal in Gremersdorf (Kreis Ostholstein) aufgenommen werden.

LfU sieht keine rechtlichen Gründe gegen Verpflichtung

"Die Deponien (...) verfügen über eine Zulassung für die beantragten Abfälle und lagern diese auch in großem Umfang ab, wenn sie von anderen Abfallerzeugern stammen", erklärte das LfU am Freitagmittag. Die Standorte verfügten über ausreichendes Restvolumen, so das Landesamt weiter. Daher "sprechen keine fachlichen oder rechtlichen Gründe dagegen, sie zur Annahme der freigegebenen Abfälle zu verpflichten."

"Alle Entscheidungen gerichtlich überprüfbar"

Die Deponien haben nun Gelegenheit, Stellung zu nehmen und rechtlich gegen die Anordnung vorzugehen. Sollte es nicht zu einem Gerichtsverfahren kommen, könnten die ersten Transporte im kommenden Jahr starten.

Ich würde mich freuen, wenn wir diesmal ohne einen Gerichtsprozess auskommen Joschka Knuth, Staatssekretär im Umweltministerium

"Ich würde mich freuen, wenn wir diesmal ohne einen Gerichtsprozess auskommen", sagte Joschka Knuth, Staatssekretär im Umweltministerium NDR Schleswig-Holstein. Man habe aber bewusst alle Entscheidungen gerichtlich überprüfbar geschrieben, "und wir sind im Zweifelsfall bereit, diesen Weg auch wieder zu gehen", sagte Umwelt-Staatssekretär Joschka Knuth im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein.

Wohin der Brunsbüttel-Abfall soll

Schon seit 2018 läuft im Kreis Dithmarschen der Rückbau des Atomkraftwerks Brunsbüttel - das Landesamt für Umwelt (LfU) hatte zwei Deponien angewiesen, den nicht-radioaktiven Bauschutt aufzunehmen: Lübeck-Niemark und Gremersdorf-Johannistal im Kreis Ostholstein. Die Hansestadt Lübeck und die Gemeinde Gremersdorf klagten daraufhin vor dem Verwaltungsgericht Schleswig - mit Erfolg. Im Urteil hieß es damals, die Bescheide seien "zu unbestimmt" - unter anderem sei nicht klar hervorgegangen, um welchen Müll es sich handelte.

In der heutigen Mitteilung des Landesamts ist von 3.675 Tonnen Dämmmaterialien und Bauschutt die Rede, die nun in Johannistal entsorgt werden sollen.

AKW Brokdorf: Nicht-radioaktiver Müll soll nach Harrislee

In Brokdorf (Kreis Steinburg) haben die Rückbau-Arbeiten erst im vergangenen Jahr begonnen. Laut LfU geht es hier um 195 Tonnen mineralische Dämmmaterialien. Die sollen nun auf der Deponie in Harrislee entsorgt werden.

Die Gemeinde hatte sich bereits in der Debatte um die Brunsbüttel-Abfälle gegen die Aufnahme von nicht-radioaktivem Müll gewehrt. Nach der Zuweisung am Freitag bekräftigt Bürgermeister Martin Ellermann (parteilos) seine Bedenken.

Bürgermeister will gegen Müll-Zuweisung vorgehen

Es ist ja mindestens ein Image-Schaden nicht auszuschließen. Harrislees Bürgermeister Martin Ellermann

Auch die gefühlte Lebens- und Wohnqualität könnte gegebenenfalls darunter leiden, sagte Ellermann im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein." Das könne einen Schaden für die ganze Region bedeuten.

Ellermann zeigte sich optimistisch, gemeinsam mit dem Deponiebetreiber noch erfolgreich dagegen vorgehen zu können. Der Betreiber der Deponie in Johannistal teilte mit, dass er zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen kann. Der Prüfungsprozess werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Kritik an Standortwahl aus der Opposition

Die Entscheidung von CDU und Grünen sei "grenzpolitischer Sprengstoff", kritisierte der Vorsitzende der SSW-Landtagsfraktion Christian Dirschauer. Seit Jahren sei bekannt, dass die Deponierung in Harrislee nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark auf massiven Widerstand stoße. Die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Sandra Redmann fordert vor dem Hintergrund der gescheiterten Zuweisungen von 2021 "maximale Transparenz für das anstehende Verfahren". Bürger müssten umfangreich aufgeklärt werden, welcher Abfall genau auf ihrer Deponie entsorgt werden soll.

Abfall aus Kernkraftwerken: Strahlung laut LfU nicht wahrnehmbar

Das LfU betont die "extrem strengen Grenzwerte", die bei der Freigabe von AKW-Abfällen gelten: Die maximale Dosis von zehn Mikrosievert entspreche etwa einem Zweihundertstel der uns umgebenden natürlichen Hintergrundstrahlung und sei nicht wahrnehmbar. Das bestätigt auch Physikprofessor Robert Wimmer-Schweingruber von der Universität Kiel. Er vergleicht die Belastung mit der eines Fluges von ein paar Stunden. Was bei den Abfällen gemessen werden könne, sei "unglaublich wenig im Vergleich zur natürlichen Belastung, die wir sonst haben von Strahlung."

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