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Albanien: Inhaftierter Bürgermeister Veliaj tritt als KI-Figur auf

Technologie

"Geiselnahme"

Inhaftierter Bürgermeister tritt plötzlich wieder auf – als KI-Figur

Von t-online, ast

07.10.2026 - 10:35 UhrLesedauer: 2 Min.

Tiranas Bürgermeister sitzt seit mehr als eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Nun meldet er sich auf ungewöhnliche Weise bei der Bevölkerung seiner Stadt zurück.

Der inhaftierte Bürgermeister der albanischen Hauptstadt Tirana hat sich mit einem künstlich erzeugten Video auf Instagram an die Bevölkerung gewandt. Veliaj selbst steht dabei nicht vor der Kamera. Denn der 46-Jährige sitzt seit Februar 2025 in Untersuchungshaft.

Als offizieller Bürgermeister der Hauptstadt lässt er nun seine digitale Version für sich sprechen, durch einen KI-Avatar. Der Beitrag ist als KI-generiert gekennzeichnet.

KI-Veliaj verspricht kostenlose Schulessen

In dem knapp vierminütigen Video erscheint Veliajs künstlich erzeugtes Abbild im Anzug vor der albanischen und der Flagge der Stadt Tirana. Der Avatar zieht eine Bilanz der Arbeit der Stadtverwaltung und kündigt an, an dem Vorhaben für kostenlose Mahlzeiten an den Schulen festzuhalten.

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Seine derzeitige Lage bezeichnet Veliaj in der Botschaft selbst als "Geiselnahme". Seit 20 Monaten könne er die Menschen nur noch mithilfe Künstlicher Intelligenz grüßen, heißt es in dem Video. Zugleich kündigt er an, seine Arbeit auch aus der Zelle fortsetzen zu wollen.

Veliaj bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und hat seine Inhaftierung wiederholt als politisch motiviert dargestellt.

Die albanische Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption und organisierte Kriminalität, SPAK, wirft dem Politiker dagegen unter anderem passive Korruption, Geldwäsche, die Verschleierung von Vermögenswerten und Amtsmissbrauch vor. Im September 2025 schloss die Behörde ihre Ermittlungen ab und gab das Verfahren an das zuständige Sondergericht weiter.

Gericht verhinderte Veliajs Absetzung

Dass Veliaj trotz seiner langen Untersuchungshaft noch immer Bürgermeister von Tirana ist, hat mit einer Entscheidung des albanischen Verfassungsgerichts zu tun. Die Regierung hatte ihn im September 2025 auf Vorschlag des Stadtrats aus dem Amt entlassen. Anschließend setzte Präsident Bajram Begaj für November eine vorgezogene Bürgermeisterwahl in Tirana an.

Das Verfassungsgericht hob die Entlassung jedoch im November 2025 auf. Die Richter beanstandeten unter anderem, dass Veliaj im Verfahren nicht ordnungsgemäß angehört worden sei und keine ausreichende Möglichkeit erhalten habe, sich gegen seine Absetzung zu verteidigen. Zugleich wurde auch die angesetzte Neuwahl in Tirana aufgehoben. Veliaj blieb damit formal im Amt.

Während seiner Haft werden Aufgaben in der Stadtverwaltung von Stellvertretern wahrgenommen. Die nächsten regulären Kommunalwahlen in Albanien sind für 2027 vorgesehen.

Albanien setzt schon länger auf KI

Der virtuelle Auftritt des Bürgermeisters ist in Albanien nicht das erste politische Experiment mit Künstlicher Intelligenz. Ministerpräsident Edi Rama hatte im vergangenen Jahr die virtuelle Figur "Diella" als sogenannte KI-Ministerin präsentiert. Sie soll die Regierung unter anderem bei der Digitalisierung und bei öffentlichen Vergabeverfahren unterstützen.

Auch dieser Einsatz von KI sorgte später für juristischen Streit. Die Schauspielerin Anila Bisha, deren Gesicht und Stimme für die Figur verwendet wurden, verklagte die Regierung. Sie argumentiert, ihrer Darstellung als virtuelle Ministerin nicht zugestimmt zu haben. Einen Antrag, die Nutzung ihres Abbilds bis zum Abschluss des Verfahrens vorläufig zu stoppen, lehnte ein Gericht im Februar ab. Das Hauptverfahren läuft weiter.

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