Album-Kritik: Ariane Grande klingt auf "petal" aufregend neu
Über Ariana Grande wird derzeit viel geschrieben und diskutiert. Es geht dabei häufig um ihren angekündigten Rückzug aus der Öffentlichkeit und ihren Körper. Der Tenor der meisten Beiträge lautet, man solle sie doch bitte in Ruhe lassen und ihre Entscheidungen respektieren. Worüber viel weniger gesprochen wird, ist das neue Album der Musikerin und Schauspielerin. Es heißt „petal“, und dass kaum jemand den darauf präsentierten neuen Sound beachtet, sondern höchstens Textstellen pflückt und als Belege für Grandes angebliche Wut auf die Öffentlichkeit nimmt, sagt einiges über die Debatte. Dabei gäbe es doch eine kleine Sensation zu vermelden: Die 33-Jährige klingt nun anders; man könnte sagen, sie hat ihr Grunge-Album vorgelegt. Im Gegensatz zum Vorgänger „eternal sunshine“ mutet „petal“ jedenfalls wie die dunkle Seite des Mondes an. Die Perkussion ist stellenweise hochnervös. Die Beats sind so schwer und schmutzig, als stammten sie aus den Clubs von Bristol. Und die elektronischen Flächen fügen sich zur wüsten akustischen Landschaft. Grandes Gesang ist immer noch virtuos und großartig arrangiert. Sie flicht Schnörkel und Verzierungen in die Stücke. Aber alles ist viel kühler, stärker heruntergedimmt, karger. Man nehme nur den Bass im Titelstück. Das ist ein Statement-Bass, eine Abrissbirne. Und wie sich das Ganze dann noch steigert und gegen Ende richtig dornig wird! Toll arrangiert ist auch „hate that i made you love me“. Das Weltraum-Space-Geplucker, das die Vocals begleitet. Und dann die akustische Gitarre in der Bridge, die den Gesang umso dramatischer erscheinen lässt. Man muss nun sagen, dass die erste Hälfte der zwölf Songs gelungener ist als der zweite Teil des Albums. Aber vielleicht gibt sie einen Eindruck davon, wie Ariana Grande künftig klingen könnte. Der „Guardian“ merkte an, dass sie auf „petal“ nicht mehr Mariah Carey nacheifere, sondern eher zeitgemäßeren RnB-Pionierinnen wie Kelela.