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Aldi-Olivenöl: Bei Stiftung Warentest „mangelhaft“, bei Öko-Test „sehr gut“ - das ist der Grund

Wirtschaft

Erst landet das Aldi-Bio-Olivenöl bei Stiftung Warentest auf der Note „mangelhaft“, wenige Wochen später kürt Öko-Test genau dieses Öl zu einem von zwei Testsiegern. Wie passt das zusammen, und sollten Sie Ihre Flasche jetzt zurückgeben? Wir haben beide Tests verglichen. Zwei der bekanntesten Verbrauchertests, zwei sehr unterschiedliche Urteile zu denselben Produkten: Bei Stiftung Warentest schneiden im aktuellen Olivenöl-Test beide Aldi-Öle mit der schlechtesten Note ab. Bei Öko-Test gehört das günstige Bio-Olivenöl von Aldi dagegen zu den großen Gewinnern. Dass beide Ergebnisse stimmen können, klingt zunächst widersprüchlich, hat aber einen nachvollziehbaren Grund. Und vor allem: Für Ihre Küche ist die Sache weniger dramatisch, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Ausschlaggebend ist der Geschmack. Beide Öle bekommen auch im sensorischen Urteil ein „mangelhaft“, weil ein anerkanntes Verkostungspanel sensorische Fehler feststellte. Das zieht ein zweites Problem nach sich: Ein Öl, das nicht fehlerfrei schmeckt, darf sich nach EU-Recht gar nicht „nativ extra“ nennen. Deshalb fällt auch die Deklaration auf „mangelhaft“. Beim Bellasan-Öl kommen zudem Schadstoffe hinzu, die nur als „ausreichend“ bewertet werden. Das große Bild ist ernüchternd: Nur vier der 25 Öle schaffen ein „gut“, die Bestnote „sehr gut“ vergibt Stiftung Warentest gar nicht, acht Öle fallen durch. Dass es dabei nicht nur ums Sparen geht, zeigt ein Bio-Öl für rund 31 Euro pro Flasche, das ebenfalls „mangelhaft“ abschneidet. Wer parallel den Olivenöl-Test von Öko-Test (Ausgabe Mai 2026) liest, reibt sich die Augen. Dort wurden 30 Öle untersucht, und nur zwei erhalten die Bestnote „sehr gut“: ein Bio-Öl der Marke Rapunzel und ausgerechnet das günstige Bio-Olivenöl von Aldi. Bei Öko-Test überzeugt es auf ganzer Linie: keine Pestizide, Mineralölbestandteile nur in Spuren, sensorisch einwandfrei und damit zu Recht als „nativ extra“ eingestuft. Das zweite Aldi-Öl, das Bellasan, kommt allerdings auch bei Öko-Test nicht gut weg. Es landet auf „ausreichend“, weil das Labor darin sechs verschiedene Pestizidspuren fand, mehr als in jedem anderen Öl dieses Tests. Beim Geschmack blieb das Bellasan hier aber fehlerfrei. Der wichtigste Punkt vorweg: Olivenöl ist ein Naturprodukt. Geschmack und Qualität schwanken von Ernte zu Ernte und sogar von Abfüllung zu Abfüllung. Der typische ranzige oder muffige Fehlton entsteht erst mit der Zeit nach der Pressung. Eine frische Charge kann tadellos schmecken, während eine ältere bereits gekippt ist. Genau hier liegt der Unterschied zwischen den beiden Tests: Sie haben nicht dasselbe Öl zur selben Zeit geprüft, sondern verschiedene Chargen mit Monaten Abstand. Stiftung Warentest kaufte seine Öle bereits im Juni 2025 ein, Öko-Test erst im Januar und Februar 2026, also Öl der frischen, neuen Ernte. Dass dieselbe Sorte dabei einmal durchfällt und einmal glänzt, ist beim Olivenöl kein Skandal, sondern Alltag. Passend dazu: Im Jahr zuvor hatten beide Aldi-Öle bei Stiftung Warentest noch ein „gut“ erreicht. Hinzu kommt der Klimawandel. Hitzestress lässt die Oliven früher reifen und weniger Aromastoffe bilden. Reifere Öle verlieren schneller ihre Bitterkeit und Schärfe und werden früher ranzig. Ob eine Flasche im Test als fehlerfrei gilt, kann deshalb stark davon abhängen, wann genau das Öl gepresst, abgefüllt und verkostet wurde. Wer das Aldi-Bio-Öl wegen des guten Öko-Test-Ergebnisses gekauft hat, muss es nun nicht aus dem Schrank verbannen. Das „mangelhaft“ bei Stiftung Warentest beruht beim Bio-Öl auf dem Geschmack und der daraus folgenden Kennzeichnung, nicht auf der Gesundheit. Die chemische Qualität bewerteten die Tester sogar mit „gut“, die Schadstoffwerte mit „befriedigend“. Beide Tests gewichten den Geschmack bewusst hoch und stufen ein Öl automatisch auf „mangelhaft“, sobald die Verkostung die Güteklasse „nativ extra“ nicht bestätigt. Eine schlechte Note steht hier also für „schmeckt nicht so, wie es soll“, nicht für „ist verdorben oder bedenklich“. Bei Öko-Test holten zwei Öle die Bestnote „sehr gut“: das Bio-Olivenöl von Rapunzel und das günstige Bio-Olivenöl von Aldi. Hier geht es zum Olivenöl-Test von Stiftung Warentest Den vollständigen Olivenöl-Test von Öko-Test finden Sie im Öko-Test-Magazin, Ausgabe 5/2026.

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