Aldi und Lidl entdecken Pilates und Padel als Trendmarkt
Zwei junge Frauen zeigen ihre Outfits auf Tiktok. „Wir machen heute einen kleinen Outfitcheck. Let’s go.“ Sie stehen in einer Sporthalle, beide ganz in Schwarz in Kleidern, wie man sie vom Tennis kennt. Immer wieder halten sie einen schwarz-orangenen Padelschläger in die Kamera. „12K Carbon“, sagt eine der beiden, ein besonders leichtes Material. Den Schläger gebe es schon nächste Woche im Sortiment. Die beiden Frauen sind keine typischen Influencerinnen. Sie werben zwar in den sozialen Medien, das Video läuft aber auf dem Tiktok-Account des Discounters Lidl. Knapp 250.000 Aufrufe hat es allein dort. Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. F.A.S. jetzt lesen Auf dem Tiktok-Kanal des Konkurrenten Aldi ist ein junger Mann noch direkter: „Pilates-Mäuse, aufgepasst! Ihr wolltet es, ihr bekommt es. Am Montag bekommst du wieder das Fitness-Reformer-Board bei uns“, sagt er. Das Video hat knapp eine Million Aufrufe. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Beide Videos haben einiges gemeinsam: Sie werben mit jungen Menschen für junge Menschen – und für Produkte aus zwei Sportarten, die gerade auch in den sozialen Medien besonders präsent sind: Padel und Reformer-Pilates. Padel ist eine Mischung aus Tennis und Squash. Reformer-Pilates ist eine Variante des traditionellen Pilates und findet auf einem sogenannten Reformer-Gerät statt, das einem beweglichen Schlitten gleicht. Dass Discounter außer Lebensmitteln auch Sportkleidung und Sportgeräte verkaufen, ist nicht neu. Nordic-Walking-Stöcke, Laufschuhe oder Hanteln haben Aldi und Lidl seit Jahrzehnten regelmäßig im Sortiment. Neu ist, um welche Sportarten es nun geht. Padel und Reformer-Pilates liegen im Trend, haben bisher aber längst nicht die Verbreitung wie Laufen oder Fußball. Und: Sie gelten als vergleichsweise teuer. Ein Padelschläger aus Carbon kostet schnell mehrere Hundert Euro, ein Reformer-Gerät mehrere Tausend. Aldi und Lidl verkaufen sie zum Discounterpreis: Die Schläger kosten bei Lidl zwischen 20 und 60 Euro, ein Reformer-Gerät gab es in der Vergangenheit bei Aldi für knapp 200 Euro. „Bei der Sortimentsgestaltung orientieren wir uns stets an Kundenwünschen, um unser Sortiment kontinuierlich weiterzuentwickeln. Bewegung und Sport sind für uns ein entscheidender Schlüssel für das persönliche Wohlbefinden“, heißt es von einem Lidl-Sprecher. Dass solche Produkte inzwischen nach Ansicht der Discounter gut zu ihnen passen, hat aber nicht nur mit der reinen Kundenliebe, sondern auch mit einer neuen Strategie zu tun: Erst im Mai hat Lidl seine Non-Food-Bereiche neu geordnet und stärker nach Themen gebündelt. Das soll Orientierung schaffen, aber auch helfen, dass keine unordentlichen Wühltische entstehen. Die „Effizienz des Discounts“ solle „mit der Inspiration eines Fachmarktes“ kombiniert werden, hieß es damals. Sportartikel stehen dort nun nicht mehr nur als Aktionsware, sondern als Teil eines eigenen Freizeit- und Fitnessbereichs. Dazu passen Sportarten, bei denen auch Kleidung und Ausrüstung eine wichtige Rolle spielen. Hinzu kommt: Pilates und Padel mögen zwar noch nicht die Massen bewegen. Aber sie begeistern eine Kundengruppe, die für den Handel besonders interessant ist: die Generation Z, also grob die Geburtsjahrgänge 1995 bis 2010. Sie ist über soziale Medien für Trends erreichbar, hat häufig noch kein großes Einkommen für teure Markenausrüstung, was sich im Laufe ihres Lebens aber noch ändern kann. Und der Fitnessmarkt wächst. Vor allem junge Menschen gehen immer häufiger ins Fitnessstudio und treiben regelmäßig Sport. Im vergangenen Jahr erzielte die deutsche Fitness- und Gesundheitsbranche einen Rekordumsatz von rund 6,3 Milliarden Euro. Der Markt für Sporttextilien wuchs im vergangenen Jahr schneller als jedes andere Modesegment. Das macht Fitness auch für Handelsunternehmen immer interessanter. Die Einsteigerprodukte ersetzen zwar weder Kursgebühren noch die Miete für einen Padelplatz. Trotzdem scheint das Angebot bisher vor allem unter jüngeren Käufern gut anzukommen. Auch das erfährt man über Social Media. Auf Tiktok zeigen Nutzerinnen ihre Käufe – oder beschweren sich, nichts mehr bekommen zu haben, weil die Ware schon ausverkauft war.